Freibäder Leipzig

Privatisiert = geschlossen?

Frische Luft, Chlorwasser, zu viele Pommes. Nicht nur für Familien ist das Freibad im Sommer eine wichtige Anlaufstelle des Müßiggangs. In Leipzig sollen jetzt allerdings möglichst viele Bäder privatisiert werden – wenn es nach der FDP geht.
Badespaß gehört zum Sommer

Bäderleistungsfinanzierungsvertrag: Unter diesem klingenden Namen wurde 2012 beschlossen, wie die Stadt durch höhere Zuschüsse die Zukunft der Leipziger Freibäder sichern wolle – und zwar bis 2020. Schon jetzt kommen allerdings Probleme auf. Die Bilanz würde nicht stimmen, da die Bäder ausschließlich im Sommer Gewinne verzeichnen, dafür aber auch während des restlichen Jahres finanziell unterstützt werden müssen, etwa, um Instandhaltungen zu ermöglichen. Isabell Siebert von der FDP-Fraktion schlug die Privatisierung beziehungsweise die Schließung mehrerer Anlagen vor:

"Die Freibäder werden ja nur dann genutzt, wenn das Wetter tatsächlich so schön ist, dass man auch in unseren Breitengraden draußen sein kann. Das ist eben nur eine sehr kurze Zeit im Jahr, für die wir ganzjährig Kosten aufbringen als Steuerzahler und Leipziger Bürgerinnen und Bürger. Wir reden hier nicht über Kleinkram, sondern wir reden hier über mehr als fünf Millionen Euro Fehlbetrag."

Die Politikerin stieß damit bei SPD, Linke und den Grünen auf Kritik. Stadtrat Michael Schmidt sieht hinter Sieberts Vorhaben ganz andere Motive:

"Eine solche Schließungsdebatte [...] lehnt meine Fraktion klar ab. Der Vorschlag, Freibäder zu privatisieren ist dabei nichts als reiner Populismus und lediglich der billige Versuch, eine eigentlich gewollte Schließung zu verschleiern."

Selbst wenn ein privater Investor Interesse hätte, sei es nicht möglich, die Bäder ganz ohne Zuschüsse der Stadt zu finanzieren. Somit würde auch durch Privatisierung kein Sparfaktor für Leipzig entstehen.

Wetterabhängiges Geschäft

Auch SPD-Stadtrat Zenker sieht in der Privatisierung der der Bäder keinen Sinn:

"Wir hoffen, dass die FDP nicht als nächstes eine Schließung beziehungsweise Privatisierung des Zoos fordert, wenn dort wetterbedingt mal weniger Besucher kommen sollten."

Der August habe sich dieses Jahr nicht ganz so sommerlich gezeigt und daher auch nicht so viele Besucher angelockt wie gewünscht. Das würde die Saisonbilanz natürlich schwächen, sei aber noch kein Grund für Privatisierungen oder Schließungen. Zenker sagte weiter, Stadtratsbeschlüsse hätten für die FDP offenbar keinen Wert, ebenso wenig wie verlässliche Kommunalpolitik.

Moderator Florian Farken spricht mit Redakteur Florian Zinner über die Privatisierung der Freibäder.
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Alexandra Huth
12.09.2014 - 19:26