EPs des Jahres

Praktisch kompakt

Nachdem wir uns ein Jahr lang jede Woche intensiv mit einem Langspieler beschäftigt haben, widmen wir uns diese Woche dem Format der EP. Wir präsentieren unsere vier Highlights des Jahres.
Rum Thief
Der Manchester Musiker Rum Thief mit schickem Filter

Heroics – New Lovers EP

Indie-Bands gibt es überall wie Sand am Meer – ganz besonders aber in der englischen Hauptstadt und Musikmetropole. Da ist es schwierig sich von der Masse an „The Irgendwas“-Bands abzuheben. Irgendwie schaffen das auch die Heroics nicht so richtig. Dafür haben die vier Londoner Jungs dieses Jahr eine sehr schöne EP, die vier Songs beinhaltet, veröffentlicht. Vieles klingt wie eine gelungene Mischung aus Bloc Party und Death Cab For Cutie, jedoch kann die EP durchgängig mit inspirierten Songs überzeugen. Cleane Gitarren mit verspielten Melodien treffen auf saubere Schlagzeugarbeit. „New Lovers“ klingt so, wie man eigentlich die neue Bloc Party Single erwartet hätte. Nur bleibt der Song auch tatsächlich im Ohr hängen, ebenso wie das rhythmische „Worth Your While“. Heroics beweisen mit der „New Lovers EP“, dass man durchaus auch mal so klingen darf wie andere Bands - wenn man denn eben gute Songs schreiben kann. Noch haben sie kein Label gefunden, man darf aber hoffen, dass bald eine Plattenfirma auf die vier Jungs aufmerksam wird.

Lucille Crew - Restless Mind/Exhausted Body EP

Wie viele Menschen haben bei diesen vier Songs eigentlich mitgearbeitet? Das fragt man sich bei der „Restless Mind/Exhausted Body“ EP des Kollektivs Lucille Crew. Verschiedenste Stile, die sich wohl am ehesten wie eine Mischung aus Hip-Hop, Funk, Jazz und Soul beschreiben lassen, treffen aufeinander. Zu internationalen Beats rappt vor allem Frontmann MC Rebel Sun, der Lucille Crew zusammen mit dem argentinischen Produzenten/Gitarristen Izzy gegründet hat. Die beiden bekommen auf dieser EP Gesellschaft von unzähligen, weiteren Musikern. So tauchen immer wieder Blasinstrumente auf wie zum Beispiel in „What The Hell“, bei dem auch der poppige Gesangspart im Refrain hängen bleibt. Mit „Bounce“ hat das Kollektiv, das gerade übrigens in Tel Aviv angesiedelt ist, auch einen waschechten Hit im Gepäck. Die springenden Menschenmassen kann man quasi schon vor den Augen sehen. Ob diese in Zukunft auch wirklich existent werden, bleibt abzuwarten. Mit „Restless Mind/Exhausted Body“ liefern Lucille Crew auf jeden Fall eine EP ab, die so bunt und abwechslungsreich wie das gesamte Kollektiv ist. Schöner Stil-Crossover mit internationalem Touch.

Rum Thief - Reach For The Weatherman EP

Von dem hinteren Teil der Bühne ab in den Vordergrund. Irgendwann hat dem Musiker Jot Green das Leben als Drummer wohl nicht mehr gereicht. Nachdem er zehn Jahre lang bei verschiedenen Bands auf Trommeln eingeschlagen hat, beschloss er doch einfach selbst mal Songs aufzunehmen. Und so ist das Projekt Rum Thief geboren, mit dem Jot Green jetzt schon die zweite EP „Reach For The Weatherman“ veröffentlicht. Die ist vor allem eins: Rock’n’Roll. In den vier Songs zeigt Rum Thief einmal die komplette Ausstattung, die ein Rockmusiker haben sollte. Der Garage-Rock artige Titeltrack geht schön auf die 12, ist dreckig und überzeugt zusätzlich durch eine einprägsame Melodie – man mag es einen Ohrwurm nennen. Etwas zurückhaltender ist da „Stitch In Time“, welches mit seinem Riff und Gitarrensolo eher an den vom Blues-beeinflusstem Rock erinnert. Die Single „Dirty Shoes“ ist dagegen wieder frech rockig und versprüht positive Energie. Das eher akustische „My Friend“ wirkt ein bisschen wie die Quoten-Ballade, steht dem Engländer aber trotzdem sehr gut. Alle vier Songs gehen sehr gut ins Ohr und überzeugen durch die energische Stimme von Jot Green, die wie die Faust aufs Auge zu seiner Musik passt. Gut, dass dem jungen Engländer Snare, Basedrum und Co. nicht gereicht haben.

D/Troit - Do the Right Thing EP

Den Ursprung dieser Band vermutet man wohl eher nicht in Skandinavien. Die Mischung aus kantigem Soul, Funk und Garage Rock erinnert eher an US-Amerikanische Großstädte in den 1950ern. Toke Bo, Mads, Stefan, Klaus und Jackie sind waschechte Dänen und haben definitiv den Groove im Blut. Im Juni diesen Jahres veröffntlichten die fünf ihre "Do the Right Thing" EP mit sechs außergewöhnlichen Songs. Wobei Songs wie "Soul Thing" oder "The 45" keinen auf dem Stuhl halten, stimmen "Don't Be A Stranger" oder "Do the Right Thing" eher die Töne an, die unter die Haut gehen. Im Mittelpunkt steht hier immer Toke Bos soulige und gleichzeitig kratzige Stimme. Derzeit reicht die Bekanntheit der Band kaum über die Grenzen Dänemarks hinaus. D/Troits Sound bietet allerdings eine sehr willkommene Abwechslung zu allem was 2015 in der Musikwelt sonst so los war.

 

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Isabel Woop, Till Bärwaldt
14.12.2015 - 16:41
  Kultur

Tracklist:

Heroics - New Lovers EP
1. New Lovers*
2. Worth Your While
3. Ferrigno
4. Break From Life

Lucille Crew - Restless Mind/Exhausted Body EP
1. Weight
2. Resist Your Fate
3. What The Hell*
4. Bounce

Rum Thief - Reach For The Weatherman EP
1. Reach For The Weatherman*
2. Stitch In Time
3. Dirty Shoes
4. My Friend

D/Troit - Do The Right Thing EP
1. The 45
2. Do The Right Thing
3. D/Strut
4. Soul Thing*
5. Stop
6. Don't Be A Stranger

*Anspieltipps