Welt-Aids-Tag

Positiv zusammenleben!

In Deutschland leben über 80.000 Menschen mit dem HI-Virus. Das lässt sich 30 Jahre nach seiner Entdeckung mittlerweile medikamentös behandeln. Das Stigma jedoch bleibt.
Sandra Gödicke arbeitet in der Aidshilfe Leipzig und ist zuständig für Prävention, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Aidshilfe Leipzig e.V.-Mitarbeiterin Sandra Gödicke trifft tagtäglich auf Menschen mit HIV.

"Was machst du, wenn dein bester Freund HIV hat?" Diese und andere Fragen stellt die diesjährige Kampagne zum 28. Welt-Aids-Tag. Die Antwort: "Alles, was wir immer machen." Denn warum auch nicht. 30 Jahre nach der Entdeckung des Virus gibt es längst wirksame Medikamente, die den Betroffenen fast die gleiche Lebensqualität wie die eines gesunden Menschen ermöglichen können.

Redakteurin Birgit Raddatz hat mit einem Betroffenen gesprochen:

mephisto 97.6-Redakteurin Birgit Raddatz hat mit einem Betroffenen gesprochen.
 

Rote Schleife gegen HIV/Aids

Im Kampf gegen HIV und Aids ist die rote Schleife zum Symbolbild geworden. Zu Respekt und Toleranz rufen Organisationen wie die Deutsche Aidshilfe e.V. am 1. Dezember verstärkt auf. Denn noch immer fühlen sich Betroffene ausgegrenzt und haben häufig Angst, andere könnten ihnen vorwerfen, die Krankheit aus Scham verschwiegen zu haben. Dabei ist die Ansteckung über einen reinen Körperkontakt ausgeschlossen (siehe Infobox).

Weltweit leben etwa 35 Millionen Menschen mit dem sogenannten Humane Immundefizienz-Virus (HIV). Beinahe 2,1 Millionen Neuansteckungen kommen jedes Jahr hinzu. Das subsaharische Afrika ist am stärksten betroffen - fast 70 Prozent der Neuinfizierten leben dort. Das Virus reduziert die für das Immunsystem wichtigen T4-Helferzellen im Blut. Der Körper wird so immer weiter geschwächt und ist anfälliger für alle Art von Krankheiten. Ohne eine medikamentöse Behandlung führt das Virus zum Ausbruch der Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome). 

Neuansteckungen in Europa auf Rekordhoch

In Europa hat die Zahl der HIV-Neuinfektionen vergangenes Jahr ein Redkordzahl erreicht: Laut einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind vergangenes Jahr 142.197 Neuinfizierungen registriert worden. Allein in Deutschland ist die Zahl um sieben Prozent gestiegen. Bundesweit wurde die Zahl der Neuinfizierten im vergangenen Jahr auf 3500 geschätzt. In Europa sind laut Bericht vor allem die osteuropäischen Länder betroffen. Dort sind die häufigsten Ansteckungsgründe Drogenkonsum sowie ungeschützter, heterosexueller Geschlechtsverkehr. 

Bisher ist die Krankheit zwar unheilbar. Es existieren aber über 20 verschiedene virenhemmende Medikamente, die die Verbreitung des HI-Virus auf ein Minimum beschränken. Die Kombinationstherapien, auch antiretrovirale Therapien genannt, müssen Betroffene ein Leben lang einnehmen. Die Ausgrenzung und das Stigma, das sie in der Gesellschaft noch häufig erfahren müssen, können die Medikamente jedoch nicht heilen. Immer noch wird die Krankheit als "schwules Problem" angesehen - dabei tragen weltweit genauso viele Frauen wie Männer das Virus in sich. Gegen solche Arten von Vorurteilen und Ausgrenzung möchte der alljährliche Welt-Aids-Tag ein Zeichen setzen. 

Moderatorin Anna Vogel sprach mit Sandra Gdicke von der Aidshilfe Leipzig e.V.:

Moderatorin Anna Vogel im Gespräch mit Sandra Gödicke von der Aidshile Leipzig e.V.
 

 

 

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Birgit Raddatz
02.12.2015 - 10:47

Die wichtigsten Fakten zum Thema HIV/Aids:

- Die Infektion mit dem HI-Virus geschieht über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschützem Vaginal- und Analverkehr kann das gemeinschaftliche Nutzen von Spritzen durch Drogensüchtige zur Ansteckung führen. 

- Bei normalem Körperkontakt wie Küssen oder auch  besteht so gut wie kein Risiko. HIV zählt zu den schwer übertragbaren Viren. Vergleicht man es mit anderen Infektionskrankheiten wie beispielsweise sexuell übertragbare Infektionen (SüK). 

- Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Die Erreger können ihren genetischen Code in das Erbgut des menschlichen Körpers einbauen und dieses so verändern.

- Eine Ansteckung mit HIV kann über mehrere Jahre ohne Symptome verlaufen. Erst wenn die eigentliche Krankheit ausbricht, sprechen Ärzte von der Diagnose Aids.

- Aids wird durch verschiedene Krankheiten des Immunsystems wie zum Beispiel Lungenentzündungen oder Grippe definiert. Trotz Behandlung stirbt der Patient an den Folgeerscheinungen.