CD der Woche

Pink hair blue eyes, you’re under arrest

Mit dem vierten und selbstbetitelten Album sind Bonaparte wieder da. In weiß, pink und gelb. Doch was erzählt uns das Album und welche Geschichten stecken dahinter?
Frontmann Tobias Jundt von der Band Bonaparte
Frontmann Tobias Jundt von der Band Bonaparte

Out Of Control

Außer Kontrolle – so könnte man das Image der multitkulturellen Band ganz gut beschreiben. Wer schon mal auf einem Konzert von Bonaparte war, wird wissen: Man muss sich auf Kunstblut, bizarre Szenen und nackte Körper einstellen. Auch die Texte stoßen bei Manchen an. Das verwundert nicht, wenn uns Frontmann Tobias Jundt seine teils absurden und offenbar sinnfreien Texte, wie bei „May The Best Sperm Win“, um die Ohren haut.

Doch wie er selbst einmal im Interview mit mephisto 97.6 sagte:

„...man muss auch in meine Texte hinein kriechen“

Dann versteht man auch, was beim Song „Out Of Control“ eigentlich vermittelt werden will. „No Food No Guns No Guns No Food No Food No Gun Control“ zeigt doch, dass in der heutigen Gesellschaft Kriminalität auch mit Armut verbunden ist. Wer nichts zu essen hat, will sich wehren, aufbegehren, wird aggressiv. Die Kontrolle geht dann schnell verloren.

International Cooperation

„BONAPARTE“ wurde in New York aufgenommen, als bekannter Co-Produzent wirkte auch Andy Baldwin mit. Mit Neneh Cherry und Björk hat er bereits andere Musikgrößen produziert. Neben den zwölf Songs auf dem Album von Bonaparte gibt es bisher auch fünf Videos, die mit Filmemachern aus der ganzen Welt gedreht worden sind.
Two Girls“ entstand in den Wäldern von Texas, das Video zu „Into The Wild“ wurde in Shanghai gedreht. Die Connections zu den Filmemachern hat Tobias Jundt auf seinen vielen Reisen geknüpft, die Produzentin für „Into The Wild“ war beispielsweise Xiaoyun Wu. Diese erste Singleauskopplung hat einige Fans von Bonaparte stutzen lassen, so einen Sound war man bisher nicht gewohnt:

Message?

Wie beim oben erwähnten Song „Out Of Control“, als auch bei „Me So Selfie“, wird nicht nur unsere heutige Gesellschaft kritisiert und auf die Schippe genommen. Auch ruhige Töne, wie bei "If We Lived Here" oder "Into The Wild“ verraten textlich, dass man nicht nur mit lauten, rotzigen Aussagen etwas verändern könnte:

„Don’t cast a vote, keep it to yourself, hand in blank piece of paper, that’s one voice“.

Alles in allem haben sich Bonaparte zwar weniger Mühe beim Album-Titel gemacht, aber dafür musikalisch weiter entwickelt. Zwar ist das einzige beständige Mitglied Tobias Jundt, aber das macht die Band auch aus. Regelmäßiger Besetzungswechsel an den Instrumenten, als auch bei den Tänzern. Laute, teils aggressive Musik, interessante Lyrics und Tiefsinnigkeit, wo man sie beim ersten Hören vielleicht nicht erwartet.

Moderatorin Karolin Dörner im Gespräch mit Tabea Buckard zur CD der Woche "Bonaparte" von Bonaparte
Studiogespräch zur CD der Woche von Bonaparte
 

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Tabea Buckard
16.06.2014 - 11:50
  Kultur

Bonaparte: Bonaparte

Tracklist:

01. 1-800

02. I Wanna Sue Someone

03. Me So Selfie (feat. Tim Fite)

04. Two Girls

05. Into The Wild

06. Riot In My Head

07. Wash Your Thighs

08. Out Of Control

09. Yes Dear You’re Right I’m Sorry

10. May The Best Sperm Win

11. Like An Umlaut In English

12. If We Lived Here

Erscheinungsdatum: 30.05.2014
Warner Music