Musik-Highlights: KW 49

Pimmelhumor am Freitag

K.I.Z rappen über ihre Penisse, die Arctic Monkeys bringen immer noch keine neue Musik heraus, Haiyti hingegen schon wieder ein neues Album - alles wie gewohnt also? Mitnichten! Herzlich Willkommen bei den Musikhighlights!
KW 49
Die Musikhighlights in dieser Woche

Unser "Frisch Gepresst" kommt in dieser Woche von BLVTH. Die Rezension zu seinem Debütalbum "I LOVE THAT I HATE MYSELF" findet ihr hier.

K.I.Z - „Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“

Album-VÖ: 04.12.

Fans von K.I.Z hatten eine aufregende Woche. Am Mittwoch veröffentlichte die Rap-Kombo eine neue Single - komplett ohne Vorankündigung und nach 3 Jahren relativer Funkstille (abgesehen von Soloversuchen der einzelnen Mitglieder und einem Schlagerhit). Und als wäre das nicht genug, kam mit der neuen Single die Ankündigung für ein "Album zum Album". Was damit genau gemeint ist, wurde erst mit dem heutigen Release klar. Denn das "richtige" Album kommt erst im Mai und wird den Titel "Rap über Hass" tragen. Die aktuelle Veröffentlichung "Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung" ist nur eine Art Teaser-Album.

Das heißt aber nicht, dass die aktuelle Veröffentlichung keine ernstzunehmende Platte ist. Im Gegenteil, "Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung" ist ein K.I.Z-Album im alten Stil. Während Maxim, Tarek und Nico auf "Hurra die Welt geht unter" so böse und zynisch waren, dass es fast wehtat, sind die drei jetzt wieder weniger bitter. Stattdessen zeigen sie, dass sie den stumpfen "Ich bin geil, du bist scheiße"-Rap immer noch so gut persiflieren können wie noch vor 10, 15 Jahren. Ihre Texte sind jenseits der Grenze des guten Geschmacks und so übertrieben, dass man sie nur als Parodie betrachten kann.

Und doch ist „Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“ anders als ihre bisherigen Alben. Da wäre zum einen die Abwesenheit von DJ Craft, der K.I.Z 2018 verlassen hat. Schon auf “Hurra die Welt geht unter” stammte die Mehrzahl der Beats nicht mehr von ihm. Das neue Album wurde stattdessen von den Drunken Masters produziert. Den Unterschied merkt man sofort: Die Beats sind weniger melodisch, aber dafür etwas entspannter.

„Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“ ist offensichtlich ein Lockdown-Album der drei Berliner. Dafür spricht der fast schon Mixtape-artige Einstieg mit „Eishockey“, als auch die vermehrten Seitenhiebe auf die Corona-Pandemie. Die entspannte Herangehensweise resultiert in einem Album, das zwar eigentlich nicht wirklich zählen soll, es aber trotzdem tut - und die Erwartungen für „Rap über Hass“ nur steigert. Glücklicherweise lässt sich die Wartezeit bis Mai jetzt ja gut überbrücken.

Charlotte Peters

Arctic Monkeys – „Live At The Royal Albert Hall“

Album-VÖ: 04.12.

Die Arctic Monkeys sind zurück! Aber bevor die Freude zu groß wird, gleich die ehrliche Nachricht: Die Arctic Monkeys haben „nur“ ein Live-Album veröffentlicht. Es gibt also keine neuen Songs, dafür aber eine Sammlung der größten Hits von allen sechs Alben der britischen Indie-Rockband im Live-Gewand.

Und die lohnen sich: Die Songs sind an einem besonderen Ort und zu einer besonderen Zeit entstanden. Nach ihrem Erfolgsalbum „AM“ und einer Tour hörte man erstmal nichts mehr von der sonst so produktiven Band, es wurde sogar über eine Bandauflösung spekuliert. Aufatmen konnten Fans dann erst fünf Jahre später. Im Mai 2018 schlug die Band mit dem neuen Album „Tranquility Base Hotel & Casino“ eine neue musikalische Richtung ein und das erste Mal auf der Bühne standen die Arctic Monkeys dann wieder am 7. Juni 2018 in der Londoner Royal Albert Hall. Und genau an diesem Abend entstand ihr erstes Live-Album, das nun das Licht der Welt erblickt.

20 Songs tummeln sich dort und wer die Band mit ihrem neuen Album noch nicht live sehen durfte, wird überrascht sein, wie gut sich Songs wie „Four Out Of Five“ und „Star Treatment“ in die Reihen der Arctic-Monkeys-Klassiker einfügen. Ein kleiner Trost für die Zeit ohne Konzerte. Zudem tut man beim Kauf auch etwas Gutes: Alle Einnahmen des Live-Albums „Arctic Monkeys – Live At The Royal Albert Hall“ gehen direkt an die britische Hilfsorganisation „War Child“, die Kindern in Kriegsgebieten hilft.

Marie Jainta

Haiyti - influencer

Album-VÖ: 04.12.

Haiyti ist schon seit jeher ein Kritiker-Liebling. Das liegt nicht zuletzt an ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihrem eigenwilligen Style, der sie aus der oft monotonen Deutschrap-Szene herausstechen lässt. Während ihre letzte Veröffentlichung „SUI SUI“ mehr in Richtung „Modus Mio“ ging und teilweise auf Hits abzielte, klingt das neue Album deutlich offensiver.

Die Hamburgerin präsentiert hier, was sie an der restlichen Szene vermisst: Die Realness. Auf schnellen Instrumentals stellt sie ihre Kredibilität unter Beweis und verhängt lebenslange Strafen für Fake-Rapper. Dabei flext auf sehr musikalische Art und Weise mit ihrem exzessiven Lifestyle.

Wenn der Beat droppt, tanz' ich in Armani-Schuh'n
Perlenketten schmeiß' ich ins Aquarium, ah
Hast du nicht geseh'n, ich cruise durchs Barrio
Und die Diamonds an mein'n Fingern sind sehr farbenfroh

Haiyti in "sweet"

Doch genau darin sieht Haiyti auch den Grund für ihren ausbleibenden kommerziellen Durchbruch und thematisiert das mit einiger Schwermut. Realness wird hier zu einer Pflicht, bei der es nicht relevant ist, ob sie sich selbst dafür entscheiden würde. Aus ihrer Selbstreflektion wird deutlich, dass sie mit dem ihr auferlegten Kreuz nicht wirklich zufrieden ist.

Mache nie was ich will, nein ich mach was ich tun muss

Haiyti in "holt mich raus hier"

Trotz des aggressiven Grundtons des Albums legt sich dadurch ein bedrohlich-melancholischer Schleier über „influencer“. So oder so: Haiyti untermauert mit diesem Album ihren Status als Deutschraps Lieblingsschülerin.

Bruno Richter

Ahzumjot - wach

Mixtape-VÖ: 04.12.

Experimentierfreudigkeit und DIY-Attitüde - dafür ist Rapper und Produzent Ahzumjot bekannt. Aus dem Zusammenspiel genau dieser beiden Komponenten ist jetzt auch sein neues Mixtape „wach“ entstanden.

Auf seinem neuen Release widmet sich Ahzumjot seiner Leidenschaft: dem Produzieren. Denn auf seinem Mixtape geht es hauptsächlich um Beats und Instrumentals. Für das neue Projekt hat sich Ahzumjot jedoch Hilfe geholt. Und das nicht nur von bekannten Szenegrößen wie Funkvater Frank und Dexter, sondern auch von seinen Fans. Diese konnten bei Beatbattles auf Twitch ihre eigenen Interpretationen, in Form von Remixen, von Tracks auf Ahzumjots Instrumental-EP “alleine wach” präsentieren. 

Dennoch gibt es auf dem Tape auch Tracks, die den Fokus auf Rap und Text legen. Neben ganz klassischen Auf-die-Fresse-Tracks wie „swipe up“ mit dem Kölner Rapduo Lugatti & 9ine bringt zum Beispiel „light“ mit BLVTH und NUGAT eine ruhige, düstere Stimmung in die Tracklist.

„wach“ ist vor allem deswegen so besonders, weil es trotz der Mitarbeit so vieler verschiedener Künstler es schafft, wie ein großes Ganzes zu klingen und nicht in ein wildes Durcheinander abdriftet. Nicht zuletzt ist das Tape ein echtes Community-Projekt - in dieser Form einmalig im deutschsprachigen Hip-Hop.

Emma Dressel

Gabriels - Love an Hate in a Different Time

EP-VÖ: 04.12.

Dem Winterblues entgehen - die neue EP des Trios Gabriels rund um den Soulsänger Jacob Lusk und die beiden Produzenten Ari Balouzian und Ryan Hope macht‘s möglich.

Der aus Compton stammende Sänger macht nicht erst seit dieser EP Musik, sondern veröffentlichte bereits 2018 sein ersten Soloprojekt „My Love Story“. Auch die beiden Produzenten Ari Balouzian und Ryan Hope haben dieses Jahr bereits einiges an Musik produziert. Sie komponierten die Filmmusik für „Feels Good Man“, einer Dokumentation über das Internetmeme „Pepe the frog“.

Sonderlich memeable ist „Love and Hate In A Different Time“ aber nicht - stattdessen vermittelt die EP ein nostalgisches Gefühl durch ihren starken Soul- und Gospeleinfluss und die intensive Stimme des Sängers Jacob Lusk. Dennoch klingt nichts ansatzweise antiquiert, vor allem dank der modernen Sounds. Gabriels kreiert Musik zum Entdecken, zum Alleinehören. Sie folgt einer ehrlichen und abgeklärten Stimmung, die weder einen unnatürlichen Optimismus beschönigt, noch der Ohnmacht dieser Tage nachgibt. Bestes Beispiel hierfür ist der Titelsong, der durch seinen treibenden Beat der mit Abstand fröhlichste Track der EP ist. Dabei werden die Streicher und das Piano durch futuristische Klänge verstärkt.

Die Instrumentals sind recht minimalistisch aufgebaut und tragen sich vor allem durch Piano, Streicher und einen Gospelchor. Durch die zumeist langsamen Melodien wird es den Zuhörenden ermöglicht, das Ein- und Aussetzen der jeweiligen Instrumente mitzuverfolgen. Die Laid-Back-Beats, Mollakkorde und unrhythmischen Claps verknüpfen die Soulmusik der alten Tage mit unserer Gegenwart.

Frauke Ott

 

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K.I.Z - Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung

Arctic Monkeys - Live At The Royal Albert Hall

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Ahzumjot - wach