Gesundheit

Pfleger brauchen mehr Zeit für Patienten

Pfleger und Patienten leiden unter akutem Personalmangel – und die Situation wird immer ernster. Deswegen soll es jetzt ein Gesetz geben, das für bessere Arbeitsbedingungen sorgt.
Pflegebedürftiger
Hospize kümmern sich um kranke Menschen ohne Aussicht auf Heilung

Susann Marschallek, Pflegerin, geht auf die Straße. Zu viele Patienten auf zu wenig Personal, streng bemessene Zeitpläne: So hat sie sich den Berufsalltag nicht vorgestellt. Oft muss sie von Patient zu Patient hetzen, um ihren Zeitplan einzuhalten. Dann fallen persönliche Gespräche unter den Tisch und sie kann die Patienten nur noch mit dem Allernötigsten versorgen.

In der "Minutenpflege" werden Leistungen nämlich zeitlich berechnet. Braucht der Patient zum Beispiel Hilfe beim Zähneputzen, bekommt er drei Minuten Pflegezeit. Für einen betreuten Toilettengang gibt es fünf Minuten. Dann werden alle Leistungen zusammengezählt und der Pfleger muss den Patienten in der vorgegebenen Zeit versorgen. Das stresst nicht nur die Pfleger – auch Patienten kommen oft zu kurz, sagt Susann Marschallek. Ihren Anspruch, Menschen zu helfen, kann sie so gar nicht wirklich erfüllen, das mache die Arbeit für sie unbefriedigend.

Pflegenotstand in Deutschland

Ungefähr 2,5 Millionen Pflegebedürftige gibt es zurzeit in Deutschland und die Zahl wird immer größer. Durch den demografischen Wandel soll es 2030 schon 3,4 Millionen Patienten geben, hat die Bertelsmann Stiftung in ihrer Studie herausgefunden. Das heißt, dass es auch mehr Pfleger geben muss – dabei gibt es jetzt schon zu wenige, um den Bedarf zu decken. Der Personalmangel im Pflegesektor ist so akut, dass sogar schon von einem "Pflegenotstand" gesprochen wird. In den nächsten 15 Jahren werden in Deutschland ungefähr 500.000 mehr Pfleger gebraucht als heute, hat die Studie errechnet.

Aber der Pflegeberuf ist für viele junge Leute nicht mehr attraktiv. Die körperlich und mental anspruchsvolle Arbeit wird oft nur gering entlohnt. Außerdem finden viele Pfleger keine feste Stelle, sondern müssen sich mit Zeitverträgen begnügen. Viele hören schon nach wenigen Jahren wieder auf. Deswegen demonstrieren sie jetzt in Leipzig zum Beispiel mit dem Bündnis "Pflege am Boden", organisiert von Susann Marschallek. Heute um 15.00 Uhr werden sie sich auf dem Augustusplatz hinlegen, um auf den Zustand des Pflegesektors aufmerksam zu machen.

Politische Bemühungen

Flashmob Pflege am Boden
Flashmob von "Pflege am Boden"

Am 11. Juli hat der Bundesrat einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der dieser Entwicklung entgegensteuern soll. Mit einem Gesamtumfang von 2,4 Milliarden Euro will der Bund den Pflegesektor unterstützen. Es sind mehr Ausbildungsplätze und Betreuungskräfte vorgesehen, höhere Zuschüsse für Patienten, die zum Beispiel ihren Wohnbereich umbauen müssen oder zu Hause gepflegt werden. Auch pflegende Angehörige sollen besser entlastet werden. Außerdem sollen die Pflegeversicherungen besser finanziert werden: Die Leistungsbeiträge werden um vier Prozent angehoben und es wird ein Pflegevorsorgefonds eingerichtet. So sollen den Versicherungen insgesamt 20 Prozent mehr Gelder zur Verfügung stehen. Pflegebedürftige werden nicht mehr in drei, sondern in fünf Bedarfs-Stufen eingeteilt, dadurch kann eine individuellere Pflege ermöglicht werden.

Susanne Marschallek und ihre Kollegen hoffen jedenfalls auf baldige Besserung, damit sie sich wieder mit Spaß und der nötigen Ruhe um ihre Patienten kümmern können.

 

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Paula Wittenberg
25.07.2014 - 12:40