Theaterrezension

Pflaumenmus – Apfelmus – Orgasmus

Pflaumenmus, Apfelmus, Orgasmus - "kann man das essen?" Fragt sich Laura Liebeskind und weiht uns an diesem Abend ein.
Ein Teil des Programms "Welt im Zelt"
Ein Teil des Programms "Welt im Zelt"

Ich hätte gerne ein besseres Bild abgegeben, ein cooleres, ein wissenderes. Werde ich auch feucht, wenn ich erregt bin? Ich hatte mich nicht damit beschäftigt.

Laura Lieseskind

Wenn man in "Pflaumenmus Apfelmus Orgasmus" sitzt, bekommt man das Gefühl, eine Kindheit und Jugend vorgespielt zu bekommen, das Unwissen über und Entdecken von Sexualität im Kindesalter und in der Jugend am Beispiel eines Mädchens, das sich auf den Weg zur Klavierstunde macht - ein Abend mit Singeinlagen und autobiografischen Geschichten.

Tante Elvira sagt: Das ist ungesund

In dieser Vorstellung, die zum Ensemble Deluxe gehört und die in Zusammenarbeit mit dem TDJW entstanden ist, steht das Entdecken der eigenen Sexualität und auch frühkindliche Erfahrungen im Umgang mit anderen Kindern im Mittelpunkt. Dabei können sich sicher viele, wie auch ich, mit den Erfahrungen der Darstellerin identifizieren. Die Ablehnung von Sexualität durch Erwachsene, die der Heranwachsenden den Weg weisen und als Exempel gelten, wird auch thematisiert. Dabei wirkt die Erzählung eher leicht als schwer, es wird mehr gelacht, als dass unangenehme Stimmung aufkommt.

Wenn der Vollesball für andere Funktionen aufgepumpt wird

Das Stück, dass sich als Doktor Sommer Abend nimmt und von Laura Liebeskind inszeniert wird, wirkt wie eine biografische, aufheiternde Erzählung über Erfahrungen, die viele junge Mädchen und Frauen sicher teilen oder nachvollziehen können. Es wird frühkindliche Sexualität und der Umgang der Darstellerin mit ihr erzählt, der Umgang mit dem Thema ist durch die Aufarbeitung persönlicher Ereignisse geprägt.
Eine wissenschaftliche Recherche, die einen besseren Umgang mit dem Thema für künftige Generationen anbieten könnte, würde dem Stück noch einen breiteren Sinn geben: Doktorspiele von Kindern untereinander lösen oft Angstzustände bei den Eltern aus. Dass naives sexuelles Interesse im Kindesalter psychologischen Studien nach zur Entwicklung gehört und dessen Unterdrückung Konsequenzen auf die Auslebung einer eigenen freien Sexualität im Erwachsenenalter haben kann, ist ein bisher in der Gesellschaft wenig behandeltes Thema.
Schön wäre es auch, wenn die Geschichten oder Erfahrungen von Zuschauern bei einem so intimen Thema eingebunden werden könnten – das Potenzial dazu liegt in der Offenheit der Schauspielerin, die ihre eigene Geschichte freigibt.  
Wer Lust auf einen leicht unterhaltsamen Abend mit schönen Sing- oder Kreischeinlagen hat, ist in diesem Stück sicher nicht fehl am Platz!

 

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