Bundeswehr

Papa ist im Fernsehen

Am vergangenen Samstag trafen sich knapp 50 Angehörige von Bundeswehrsoldaten im Leipziger Rathaus, um an einer Video-Liveschaltung nach Afghanistan teilzunehmen.
Die Soldaten sind per Videoübertragung ins Rathaus geschaltet

Am Ende des Saals ist der große Flachbildfernseher schon aufgebaut. Aber die Stühle, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, sind noch leer. Die Stühle im Leipziger Rathaus vor dem Fernseher sind es nicht mehr. Knapp 50 Angehörige von Bundeswehrsoldaten, die im Moment in Afghanistan stationiert sind, haben sich hier eingefunden. Sie alle wollen an der Video-Konferenz teilnehmen. Lange müssen sie nicht auf ihre Väter, Brüder oder Söhne warten. Schon treten von allen Seiten die Soldaten ins Bild und nehmen auf den Stühlen Platz. Und das ist der Augenblick, in dem die Kinder ihre Väter erkennen und sich nicht mehr zurückhalten können.

Betreuung für Daheimgebliebene

Schon seit mehreren Jahren ist die Bundeswehr an Auslandseinsätzen beteiligt. Sei es im Kosovo, bei den Kurden im Irak, oder eben in Afghanistan. Dass diese Einsätze den Soldaten psychisch viel abverlangen, ist bekannt. Aber auch die Angehörigen müssen psychische Belastungen aushalten. Um weder die Soldaten, noch die Angehörigen allein zu lassen, hat die Bundeswehr eine Familienbetreuung eingerichtet. Dort wird dafür gesorgt, dass sowohl die Soldaten als auch die Angehörigen vor, während und nach dem Einsatz betreut werden. Thilo ist einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter und weiß, wie sehr das Angebot den Betroffenen helfen kann.

"Wir haben da auch Seelsorger dabei, auch die Soldatenseelsorge, also Militärpfarrer, oder Psychologen, die wir in der Bundeswehr beschäftigen, sind auch immer vor Ort, also man kann sich dann intensiv austauschen mit den Leuten. Und das wird auch sehr gut angenommen. Und es reißt auch nicht ab, was den Besucherstrom betrifft, es werden eher mehr." – Thilo, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Familienbetreuung

Thilo ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Familienbetreuung der Bundeswehr in Leipzig

Dieses Betreuungszentrum hat auch die Videokonferenz im Leipziger Rathaus organisiert. Solche Aktionen finden häufig statt und dienen dazu, den Kontakt zwischen den Soldaten im Ausland und ihren Familien aufrechtzuerhalten. Außerdem können beide Seiten auf diesem Wege Hilfsangebote bekommen, wenn sie benötigt werden.

 

"Für ihn ist es schon schwer."

Isabell (rechts) mit ihren Kindern und Eltern.

Isabell (ihr Name darf aus Sicherheitsgründen nicht vollständig genannt werden) ist mit ihrem vierjährigen Sohn Serafino und ihrer acht Monate alten Tochter Ciara ins Rathaus gekommen. Ihr Mann ist gerade auf einem sechsmonatigen Einsatz in Afghanistan. Auch er ist auf dem großen Fernseher zu sehen. Serafino ist so aus dem Häuschen, als er seinen Vater sieht, dass er auch der Erste ist, der mit den Soldaten sprechen darf. Auch wenn es dabei nur um scheinbare Belanglosigkeiten wie das Frühstück geht, merkt man doch, dass Vater und Sohn sich sehr vermissen. Isabell weiß das natürlich auch.

"Also bei ihm weiß ich, er ist sehr traurig. Er vermisst ihn sehr. Ich meine so drei, vier Wochen Übungsplatzaufenthalt kennt er. Aber jetzt so ein halbes Jahr ist schon hart für ihn." – Isabell über ihren Sohn Serafino

Isabell hat keine all zu großen Sorgen. Sie hat Vertrauen in ihren Mann und in die Ausbildung, die er durchlaufen hat. Aber den Kindern diese Zuversicht und partielle Ruhe zu vermitteln, ist schwer. Aber lange wird Serafino nicht mehr auf seinen Vater warten müssen. Wenn alles nach Plan verläuft, kommt der nämlich zu Weihnachten wieder nach Hause. Denn dann soll auch der Afghanistan-Einsatz beendet sein.

mephisto 97.6-Redakteur Michael Buchweiz über die Videoübertragung zwischen Bundeswehrsoldaten und ihren Angehörigen
Audio Bundeswehrsoldaten
 

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In Afghanistan sind momentan fast 1700 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. 58 davon kommen aus Sachsen. 79 Angehöriger dieser Soldaten werden vom Familienbetreuungszentrum in Leipzig unterstützt. Das Zentrum hat sowohl eine Hotline, die 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche erreichbar ist. Außerdem gibt es den Grundsatz, dass Angehörige, nie weiter als 100 km vom nächsten Betreuungszentrum entfernt wohnen sollen.