Steinzeit-Ernährung

Paleo??!! Was ist das?

Was sich hinter dem Begriff "Paleo" verbirgt, ist vielen nicht klar: Was darf ich essen, was nicht? Wir haben einen Workshop bei Paleo-Coach Carsten Wölffling besucht und Licht ins Dunkel gebracht!
Carsten Wölffling
Paleo-Coach Carsten Wölffling im ehem. Paleo-Café "The Flow" in Schleußig.

In Zeiten, in denen das Internet voll ist von vermeintlichen Ernährungs- und Fitness-Gurus und jeder Werbespot verspricht, einen "sexy" und "fit" zu machen, kann es ganz schön schwer sein, eine Ernährungsweise zu finden, die zu einem passt. Carsten Wölffling ist das gelungen. Er lebt seit vier Jahren Paleo. Seit 2015 ist er selbst Paleo-Coach und bietet über Functional Basics Einführungskurse und Workshops zur Ernährungsweise an. Er ist überzeugt davon, dass Paleo Transparenz zum Endprodukt bedeutet. Und er möchte sein Wissen teilen. In Kooperation mit der Akademie für Sportmedizin veranstaltete er deshalb einen Workshop speziell für Medizinstudenten und Ärzte – um die "Steinzeiternährung" auch wissenschaftlich zu beleuchten. Und ich war dabei.

Steinzeit ≠ Steinzeit

Carsten Wölffling beweist von Anfang an, dass er unglaublich fit auf seinem Gebiet ist. Er möchte das Thema im Licht der Evolution betrachten, denn: Menschen sind evolutionär betrachtet Omnivoren. Deshalb wird bei Paleo nicht auf Fleisch verzichtet. Man lebt bei der "Steinzeiternährung" auch nicht wie ein echter Steinzeitmensch, denn damals gab es viele Sorten Obst und Gemüse, die für uns ganz gewöhnlich sind noch nicht. Man orientiert sich vielmehr an der Ernährungsweise der Naturvölker. Diese sind im Schnitt deutlich schlanker und essen mit unter Fleisch. Sie nehmen 35-40% Kohlenhydrate zu sich, 30-25% Fett und 25-30% Eiweiß. In Deutschland sieht das anders aus: Kohlenhydrate dominieren mit bis zu 49% unseren Speiseplan, wir nehmen außerdem rund 34% Fett und nur 14% Eiweiß zu uns. Das könne auf Dauer Probleme bereiten.

Eine etwas andere Ernährungspyramide

Eine weitere Orientierung biete die sogenannte "Paleo-Pyramide", wie Carsten erklärt. Die Basis der Pyramide besteht aus Gemüse und Obst, bestenfalls saisonal und aus der Region. In der nächsten Etage finden sich tierische Produkte. Besonders wichtig: eine artgerechte Haltung und eine natürliche Zubereitung. Es folgt eine Stufe mit Fetten und Ölen, danach eine Etage die mit "in Maßen" gekennzeichnet ist – dazu zählen Milchprodukte, stärkehaltige Knollen und fermentierter (=haltbar gemachter) Soja. Die Spitze setzt sich aus Dingen zusammen, die man nur zu besonderen Anlässen oder als Supplements zu sich nehmen sollte: Dunkle Schokolade, Rotwein, Vitamin D, Omega 3 und Probiotika. Was im Vergleich zur herkömmlichen Ernährungspyramide auffällt: Die Stufe "Getreideprodukte" fehlt. Warum, dass will Carsten uns nach einer kurzen Pause erzählen, in der wir das Gemüse für unser Abendessen schneiden. Denn auch wir sollen in den Genuss von Paleo kommen.  

Gemüse
Um selbst Paleo essen zu können, mussten wir zunächst das Gemüse vom Tisch aufs Blech bringen.

 

Gemüse schneiden
 

Gemeinsam mit zwei weiteren mephisto 97.6 Redakteurinnen habe ich mich daran versucht, die Rezepte vom Workshop nachzukochen:

Paleo – ein Feature von Marisa Becker
Feature Paleo

Warum auf Getreide verzichten?

Das Gemüse ist geschnitten, auf Bleche verfrachtet und im Ofen – Zeit für Teil zwei des Workshops. Menschen, die sich Paleo ernähren, verzichten zwar nicht auf Fleisch, dafür aber auf Getreide. Denn das enthält unter anderem den Anti-Nährstoff Gluten, wie Carsten Wölffling erklärt. Dieser könne ungünstige Einwirkungen auf die Darmwand haben und sorge so dafür, dass Fremdkörper und Giftstoffe leichter in unseren Blutkreislauf gelangen. Das Immunsystem schlage dabei Alarm und das Ergebnis können  Autoimmunkrankheiten sein. Außerdem entstünden durch die Verdauung von Gluten Exorphine, die dann zu Opioiden werden (ein anderes Opioid ist zum Beispiel Heroin). Diese Stoffe können Schizophrenie und Autismus verschlimmern. Das Getreide habe aber noch einen weiteren Nachteil: die hohe Mykotoxinbelastung. Dabei handelt es sich um Stoffwechselprodukte niederer Pilze, die für uns giftig sind, und durch ungünstige Bedingungen auf dem Feld, bei der Lagerung oder beim Transport entstünden. Diese Stoffe können unter anderem Leber und Niere schädigen, erklärt Carsten weiter. Getreide fördere außerdem Übergewicht, weil die enthaltenen Kohlenhydrate schnell zu Einfachzucker umgebaut würden, was dann einen hohen Insulinanstieg, einen schwankenden Blutzuckerspiegel, eine Bauchfetterhöhung oder sogar eine Insulinresistenz zur Folge haben kann. Der Konsum von Quinoa und Amaranth kann eine Alternative bei richtiger Verarbeitung sein – einfach lange einweichen und gut kochen, rät Carsten uns.

Paleo
Der Vortrag war sehr graphisch gestaltet.

Hülsenfrüchte, industrielle Öle und Milch vom Speiseplan streichen

Neben Getreide meiden Verfechter der Steinzeiternährung auch Hülsenfrüchte. Diese enthalten ebenfalls Anti-Nährstoffe, wie wir erklärt bekommen, vor allem Lektine seien ein Problem. Diese zerstören ähnlich wie Gluten die Darmwand und bereiten so den Weg für Autoimmunkrankheiten. Auch Soja sollte man bei Paleo nur in Maßen und fermentiert genießen – durch den erhöhten Östrogenwert der Pflanze würden Krankheiten der Schilddrüse und Brustkrebs gefördert.

Auch industrielle Öle werden bei Paleo gemieden, denn diese werden gegenüber ihrer natürlichen Form meist stark verändert, wie Carsten erklärt. Dadurch würde das Verhältnis von Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren aus dem Gleichgewicht gebracht und so Entzündungen gefördert. Auch Milch habe nichts auf einem Paleo-Speiseplan zu suchen: Die enthaltene Laktose bekomme vielen Menschen nicht gut, rufe eine starke Insulinantwort hervor oder sorge bei Laktoseintoleranz für Unwohlbefinden, das Eiweiß Casein habe eine ähnlich darmschädigende Wirkung wie Gluten und Milch enthalte Hormone.

Nach diesem Berg an Informationen ist es nun Zeit zu essen – neben dem Ofengemüse gibt es noch Hackfleischbällchen mit Nelken, die Carsten bereits im Vorfeld vorbereitet hat. Da ich selbst Vegetarierin bin, probiere ich sie nicht. Deswegen habe ich bei anderen Teilnehmern nachgefragt, wie es ihnen geschmeckt hat:

Also ich finde das Gemüse sehr lecker, bei dem Fleisch bin ich mir aber noch nicht so sicher. Diese Süße im Fleisch finde ich eigenartig, aber irgendwie hat es doch geschmeckt.

Maxi, Teilnehmerin des Workshops

ofengemüse
Als Hauptgang gab es Ofengemüse.

Mir selbst hat das Essen sehr gut geschmeckt, es ist einfach zu machen und sehr gesund. Zum Nachtisch gab es dann noch Nicecream – Eis aus Bananen. Dabei gab es zwei Variationen: Einmal pur und einmal mit Kakao.

Nicecream
Zum Nachtisch gab es Nicecream.

 

 

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Marisa Becker
05.07.2016 - 13:09
  Kultur

Nicecream Rezept für den Mixer (2-3 Portionen):

3 geschälte, kleingeschnittene, gefrorene Bananen

150 ml Mandelmilch (alternativ auch Kokosmilch)

2 EL Kakao Pulver

Alles im Mixer so lange zerkleinern, bis der Brei eine eisähnliche Konsistenz hat.