Interview - Frauenfestival

Ohne uns kein wir!

Das Leipziger Frauenfestival findet am Samstag auf dem Marktplatz statt. Es knüpft damit nahtlos an unsere Themenwoche Feminismus an. Unser Nachrichtenmagazin "Direkt" hat sich dafür einen Live-Gast in die Sendung geholt.
Katja Röckel
Katja Röckel, Mitorganisatorin des Frauenfestivals, war für ein Interview bei uns.

mephisto 97.6-Redakteurin Angela Fischer erklärt das Frauenfestival:

Ein Erklärstück von Angela Fischer.
2306 Frauenfestival EST

mephisto 97.6: Bei mir im Studio ist Katja Röckel. Sie ist eine der Organisatorinnen des Frauenfestivals und hat mich eben korrigiert. Nicht die Stadt veranstaltet das Festival, sondern die Frauenkultur. Katja, du bist Organisatorin. Was glaubst du: Warum braucht Leipzig dieses Festival?

Katja Röckel: Im Beitrag ist es ja schon angeklungen, dass wir vor zwei Jahren mit dem Festival angefangen haben. Damals stand dieses Jubiläum „1000 Jahre Leipzig“ im Raum. Und welche Veranstaltungen wurden uns angekündigt? Da waren ganz viele Männer in der Stadt präsent. Es gab zum Beispiel das lustige Jubiläum „125 Jahre Goethes Universitätsbeginn“ und es gab eben kaum bzw. gar keine Veranstaltungen, die die Fraueninitiativen in dieser Stadt repräsentiert haben. Da haben wir, also die Frauenkultur, einige Stadträtinnen aber auch engagierte Frauen, uns gedacht, dass wir ein Festival brauchen, in dem wir Frauen einen öffentlichen Raum geben und mal zeigen, was es in der Stadt eigentlich so gibt. Und eben auch zeigen, was es für großartige Musikerinnen gibt und wie Politikerinnen sich einsetzen und, und, und.

mephisto 97.6: In dieser Woche wurde der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung vorgestellt. Das klang eben auch schon ein Bisschen an. Das zeigt: Diese Debatte ist aktueller denn je. Frauen arbeiten immer noch mehr und bekommen immer noch weniger. Wie kann euer Festival zu dieser Debatte beitragen?

Katja Röckel: Also zuerst Mal nicht nur diese Debatte aufzumachen. Ein feministisches Festival hat viele Facetten. Und es geht zwar auch, aber nicht nur um Lohngerechtigkeit. Es geht auch einfach um ein Umdenken von Menschen in dieser Stadt, die vielleicht auch angeregt werden dann darüber noch einmal mehr nachzudenken. Aber eben auch um zu zeigen, dass es Frauen gibt und welche Vereine und Initiativen es da gibt. In puncto Lohngerechtigkeit muss ich sagen, das ist ein krasses Thema. Weil in den knapp 20 Jahren, die ich mich mit Feminismus beschäftige, hat sich da gefühlt einfach nicht viel getan. Mal gucken, ob man mit dem Gesetz ein Stück weiter vorgeht. Aber Feminismus ist nicht nur das. Es gibt da ja viel mehr Facetten.

mephisto 97.6: Es geht ja auch um Kultur, es geht darum präsent zu sein. Was bei dem Festival passiert, darüber sprechen wir gleich.

Hier können Sie den ersten Teil des Interviews mit Katja Röckel und Moderator Lars-Hendrik Setz noch einmal nachhören:

Interview mit Katja Röckel - 1. Teil
2306 IV Teil 1

mephisto 97.6: Katja. Das Motto lautet: „Ohne uns kein wir!“ Was wollt ihr damit ausdrücken?

Katja Röckel: Es klingt jetzt vielleicht auf den ersten Blick so, als wollten wir den öffentlichen Raum einnehmen und nie wieder loslassen. Das wollen wir vielleicht mal für ein paar Stunden. Weil wenn man sich zum Beispiel mal im öffentlichen Raum umguckt. Wenn man schaut: Wie viele Politikerinnen sitzen in Leipzig im Stadtrat? Wie viele Bands mit Frauen habt ihr grade in der letzten halben Stunde gespielt? Ja, wie ist die Verteilung auf Festivals zum Beispiel, die ja auch als normale Musikfestivals stattfinden. Da wirst du feststellen, dass da der Anteil von Frauen sehr, sehr klein ist.

Ich denke, man muss es auch einfach sagen: „Wir sind jetzt hier und wir machen jetzt was. Wir zeigen euch, was wir draufhaben!“ Also ich glaube, dass viele Frauen – ich komme ja selber auch so ein bisschen aus dem Musikbereich, aus der DJ-Geschichte und da ist das Ganze oft so, dass dann Frauen auch zuhause Platten haben und eigentlich auch zuhause auflegen – vielleicht nicht hingehen. Nicht den Schritt wagen zu sagen „Ja ist mir jetzt scheißegal, wie ich jetzt auflege, aber ich mach das jetzt auch so, wie die Typen das machen.“ Deswegen ist es wichtig zu sagen „Wir sind jetzt hier. Wir zeigen euch mal, was für eine Bandbreite es geben kann auf der Bühne.“

mephisto 97.6: Dafür dann morgen das Festival und noch mal zurück zum Motto. Ihr sagt: „Ohne uns kein wir! Ohne uns geht es nicht!“

Katja Röckel: Genau. Ohne Frauen geht es nicht. Wir wollen ja den öffentlichen Raum auch mitgestalten. Wir tun das ja auch, indem wir so ein Festival machen, engagieren uns ja also schon anderweitig. Wir laden auch Männer ein da dran teilzuhaben. Es wird Männer geben, die uns bei dem Festival unterstützen. Die sind aber halt nicht auf der Bühne präsent.

mephisto 97.6: Wenn wir jetzt noch mal kurz über das Programm reden. Ihr habt ja ein relativ großes Angebot, wie man sich auch selber einbringen kann. Künstlerinnen und Handwerkerinnen können da ihre Werke präsentieren. Worauf legt ihr Wert, bei dem was präsentiert wird?

Katja Röckel: Wir haben in erster Linie Vereine und Initiativen eingeladen, die sich für Gleichstellungspolitik und Gendersachen engagieren. Dann Künstlerinnen. Da kommt es uns schon darauf an, dass das Frauen sind. Grafikerinnen aus Leipzig. Händlerinnen aus Leipzig. Denen da auch einen Markt zu bieten. Bei den Musikerinnen haben wir auch geguckt, dass es welche sind, die auch eine Botschaft haben. Die nicht auf die Bühne gestellt werden, weil sie eine Frau sind, sondern, dass die auch was transportieren.

Rebeca Lane zum Beispiel, eine feministische Aktivistin aus Guatemala, ist unser Hauptact. Sie macht mit Hip-Hop… ich möchte nicht sagen Politik, aber sie macht damit auch auf Missstände oder auf die Situation von Frauen in Südamerika aufmerksam. Und das ist uns wichtig. Das ist eben nicht so ein „Tralala-Ding. Wir sind auf dem Marktplatz – wie oft solche Feste – reine Unterhaltungsgeschichten.“ Sondern wir wollen auch zur inhaltlichen Diskussion anregen.

mephisto 97.6: Wenn wir jetzt mal sehr weit in die Zukunft denken: Was glaubst du, muss sich ändern – vor allen Dingen hier in Leipzig vielleicht – dass es dieses Frauenfestival in Zukunft möglicherweise gar nicht mehr braucht.

Katja Röckel: Das fänd ich ganz toll, wenn das so wäre. Ich arbeite da schon mehrere Jahre mit dran, dass es irgendwann so sein wird. Und was da passieren kann? Ich befürchte, es werden einfach kleine Schritte sein. Solche Festivals, Frauen, die in die Politik gehen, die sich für den Stadtrat aufstellen lassen, die einfach aktiv die Stadt mitgestalten. Und auch Männer, die diese Idee von einer gleichberechtigten Zukunft auch mittragen.

Hier können Sie den zweiten Teil des Interviews mit Katja Röckel und Moderator Lars-Hendrik Setz noch einmal nachhören:

Interview mit Katja Röckel - 2. Teil
2306 IV Teil 2
 

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Die Webpräsenz des Leipziger Frauenfestivals.

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