Sziget Festival: Tag 5

Oh, Boy!

Eine Insel wie eine eigene Welt: Vom 10. - 16. August findet in Budapest das Sziget Festival statt. Mit am Start sind neben Weltstars wie Rihanna, Muse und Manu Chao auch Geheimtipps – mephisto 97.6 berichtet täglich vom Inselwahnsinn
Sum41
Sum 41 begeistern auch die letzten Reihen mit ihrem Punkrock.

Tag 5: Die perfekte Zeit, um die Insel noch ein bisschen genauer zu entdecken und zu beschreiben. Nicht, weil ich nicht mehr weiß, was ich schreiben soll. An diesem Sonntag ist es doch tatsächlich so, dass vor 18 Uhr wenige interessante Bands spielen (bemerkenswert – bei den vielen Bühnen). Deswegen geht es auf Stempeljagd. Stempel? Genau! Am Einlass bekommt jeder Besucher einen Passport, in dem neben dem gesamten Programm auch eine Seite mit 23 Feldern zu finden ist. Diese muss man sich alle an unterschiedlichen Punkten der Insel abstempeln lassen. Dafür bekommt man dann....irgendwas. Denn noch ist die Mission leider nicht erfüllt. Klingt wie Kindergeburtstag? So fühlt man sich auch auf der Travelling Funfair – eine Installation, die mit Zirkusspielzeug und weiteren Spielständen daherkommt. Nette Sache. Einmal Stempel und hui! Weiter geht’s.

Funfair
 

Am westlichen Ende der Insel befindet sich ein Strand, der mehr als Chillout Garden dient, da das Schwimmen in der Donau leider nicht erlaubt ist. Der Weg dorthin ist lang, wird aber durch das Entdecken zahlreicher Installationen sehr kurzweilig. In einer Art Zone kann man seine Hippie-Ader aufleben lassen – hier gibt es viele Farben, mit denen man unterschiedlichste Dinge bemalen kann und ein paar wenige Kunstwerke. Abgestempelt und weiter. Direkt nebenan wird ordentlich geschwitzt – und zwar nicht in der Sauna. Wer sich neben Springen und Tanzen sportlich betätigen will, wird in der Sport-Zone fündig. Hier kann man gegen den Personalausweis so ungefähr jedes Sportequipment ausleihen. Basketball, Fußball, Beachvolleyball, Darts, Tischtennis. Ich entscheide mich für eine Runde Federball – man will es in der Abendsonne auch nicht übertreiben und auf der Hauptbühne warten Sum 41. Auf dem Weg dorthin gibt es eine weitere Runde Staunen. Neben der Sport-Zone hat sich Rossmann (genau, die Drogerie) positioniert und bietet ein kostenloses Schaumbad. Morgen wiederkommen.

Beachen
 

Jetzt heißt es aber Konzerte sehen! Sum 41 liefern eine unterhaltsame und rockige Show. Vor allem zu den üblichen Hits „Fat Lip“ oder „Still Waiting“ wird bis in die letzten Reihen getanzt. Ganz Budapest schwelgt vermutlich in Teenager-Erinnerungen. Das weitere Programm auf der Main Stage lockt dagegen eher weniger. Tinie Tempah und David Guetta. Dann doch lieber ins A38-Tent nebenan, wo sich das deutsch-schweizer Duo Boy die Ehre gibt. Mitten im Set kullern dann bei einigen die Tränen. Sängerin Valeska lädt Maike aus der ersten Reihe auf die Bühne und gesellt sich zu Bandkollegin Sonja. Ein Heiratsantrag! Die glückliche Zukunftsbraut betritt die Bühne. Sie sagt JA! Oh Boy. Die gesamte Band freut sich wie ein Haufen kleiner Kinder – und das Publikum gleich mit. Nach langem Zungenkuss spielen Boy ihr danach noch emotionaleres Set weiter. Erstaunlich, wie viele Leute am Ende zu „Little Numbers“ mitsingen können. Die beiden haben es wirklich geschafft – und sind dabei immer noch bewundernswert.

Heiraten

 

Mr. David Guetta soll heute die Main Stage headlinen. Eine gute Zeit, um duschen zu gehen. Während tagsüber die Schlange deutlich zu lang ist, kann man kurz vorm Headliner relativ entspannt durchlaufen. Frisch gemacht soll es dann doch kurz zu David Guetta gehen. Man will es ja wenigstens gesehen haben. Reicht dann tatsächlich auch wieder nach 10 Minuten. Würde man jedes Mal wenn Guetta die Arme hochreißt einen Schnaps trinken, man wäre jetzt bereits im Delirium. So schön das sein mag, das Konzert braucht man dann doch nicht. Guettas Landsmann Rachid Taha macht da auf der World Music Stage schon mehr Spaß. Genauso wie eine Linkin Park-Tribute Band, die sich auch Early Linkin Park Tribute-Band hätte bezeichnen können. Die Ungarn spielen eigentlich nur die ersten drei Alben – und kommt damit genau richtig beim feiernden Publikum an. Die letzten Kräfte werden dann bei Bloc Party verschlissen. War ja auch ein anstrengender Tag mit Federball und Co. Die A38-Stage ist rappelvoll und Kele Okereke und seine Band reißen das Publikum ordentlich mit. Sogar die vollkommen anderen, neuen Songs wie „Virtue“ reihen sich gut ein. Am Ende warten aber doch alle auf „Helicopter“, „Banquet“ und „This Modern Love“. Mit letzterem endet die Party. Vollkommen k.o. geht es nun in Richtung Bett. Zwei Tage noch, und eine Mission mehr: Alle Stempel bekommen und herausfinden, was man dafür bekommt. Bring it on, Sziget!

 

BlocParty
 
 

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Till Bärwaldt
15.08.2016 - 13:02
  Kultur