Nutrias in Leipzig

Nutriafreund oder -feind?

Nutrias kommen eigentlich aus Südamerika, gehören aber mittlerweile fest zur Leipziger Fauna. Ob das so bleiben soll, ob es mehr werden dürfen oder ob sie dezimiert gehören, darüber ist ein emotionaler Streit entbrannt.
Nutria
Ein besonders großes Nutria

Es war ein schöner Donnerstagnachmittag, an dem Franziska Meinert den Limburger Steg nach Schleußig überquerte. Wie immer schaute sie sich um, um das Treiben der Nutrias zu beobachten. Doch irgendwas war anders. Sie sah einen Mann, der mit einem Netz eines der Nutrias fing. Das machte Franziska Meinert stutzig. Als sie den Mann darauf ansprach, sagte der, dass er dafür eine Genehmigung der Stadt habe. Er wolle die Tiere in seine Zucht integrieren und anschließend schlachten. Kein idyllischer Anblick für alle Anwesenden. Der Fänger hatte tatsächlich eine Genehmigung. Sie wurde von dem Forstamt der Stadt Leipzig vergeben. Förster Andreas Sickert begründet das wie folgt:

Da wir dieses Jahr festgestellt haben, dass es viele Tiere gab, haben wir uns gedacht, es kann ja nicht schaden, wenn es ein paar weniger werden.

 

Andreas Sichert, Förster

Zu dieser Genehmigung gab es allerdings eine wichtige Auflage: Beim Fangen sollte auf die Sensibilität einer Großstadt Rücksicht genommen werden. Franziska Meinert und Andreas Sickert finden beide, dass das nicht erfolgt sei. Die Genehmigung wurde darauf hin entzogen.

Das Thema ist sensibel

Das wiederum finden die anliegenden Kleingärtner gar nicht gut. Den Kleingärtnern sind die Nutrias ein Dorn im Auge, oder genauer gesagt, ein Nager im Beet. Katharina Kleinschmidt, die für die SPD im Bezirksbeirat Südwest sitzt, kennt die Sorgen eines Kleingärtners. Sie habe im Bezirksbeirat oft verzweifelte Kleingärtner sitzen, denen ihre gesamte Ernte weggefressen worden sei. Doch hilft das Wegfangen einzelner Tiere?

Nutria

Andreas Sickert glaubt, dass andere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Er fordert ein "Nicht-Füttern"-Schild. Das hatte der Stadtbezirksrat schon vor einigen Monaten vorgeschlagen.

Franziska Meinert hatte so schon einen Zettel mit dem Aufruf zum nicht füttern an die Brücke gehangen, doch diese hingen nicht lange.  

Was bleibt, ist eine unschöne Erfahrung für Franziska Meinert. Sie hat sich der Sache angenommen und will weiter nachforschen. Ebenso werden die Kleingärtner auch in nächster Zeit Wildschäden zu verzeichnen haben. Katharina Kleinschmidt fordert eine generelle Debatte über den Umgang mit Wildtieren.

Aber ob Plage oder nicht, ob Nutriafreund oder -feind, eigentlich finden alle, dass das Wichtigste ein widerstandsfähiges Nicht-Füttern-Schild wäre. Die Stadt arbeitet noch daran.

 

 

mephisto 97.6-Redakteur Nico van Capelle mit einem Beitrag über Nutrias
1103 Nutrias
 

Kommentare

Das schutzlose Tier und die Bestie Mensch
http://mephisto976.de/news/nutriafreund-oder-feind-48581

... wenn nicht schießen, dann doch wenigstens den Gedanken genießen dürfen, dass die Tiere unserer Heimat hungern.
... und immer wieder: Nutrias kommen (kamen vor mehr als 100 Jahren) aus Südamerika, aus dem Land, aus dem die Tomaten und der Mais kamen, aus Amerika, woher unsere Kartoffeln kamen.
... und dann kommen die Vollidioten, die sagen: Den Tieren nichts zu essen geben, damit ihnen dadurch der Geschlechtstrieb ausgeht, damit sie sich nicht vermehren, als wenn irgendwo auf der Welt, wo gehungert wird, der Sexualtrieb veröden würde.
Fütterungsverbot für Tiere, ausgerechnet dort, wo total überfressene Menschen vor Fett kaum noch laufen können, wo die Menschen vor Fett und Übergewicht unfähig geworden sind, ihren eigenen Nachwuchs zu produzieren; Fütterungsverbot, ein neues Mittel der Tierquälerei.
...und immer auf die Kleinen, auf die Harmlosen, auf die Hilflosen:
Von Menschen wird die halbe Welt venichtet, überall liegt Plaste rum, die Meere sind voll davon; Wälder werden völlig sinnlos abgeholzt, es wird gegraben und gegraben und betoniert, und nuklearer Abfall wird von Menschen auf alle Ewigkeit auf und in unserer Erde gespeichert, Unmengen an Nahrungsmitteln werden täglich in den Großmärkten vernichtet und verbrannt, etc. - aber wenn ein Tier mal einen Apfel vom Baum holt, oder gar eine Rübe oder eine Tomate anknabbert, dann, statt ihre Gartenzäune in Ordnung zu bringen, blasen die perversen Tierhasser und Jäger zum Mordgeschrei, dann muss gemordet werden, dann darf mit Lust gemordet werden. Wenn nach der Logik der abartigen Tierhasser und Jäger alle Menschen, die mal in Nachbars Garten einen Apfel geklaut haben, ermordet werden würden, dann wäre die Spezies Mensch schon weggemordet. Die Fliege darf keinen Klacks an die Fensterscheibe setzen, der Mensch erlaubt sich, die Natur in ganzen Regionen zu vernichten. Ungestraft hat unser Hettstedter Bürgermeister einen ganzen Wald am Rande unserer Stadt abhacken lassen und damit vielen unserer Tiere ihr Zuhause zerstört; aber, wenn es gegen unsere Tiere geht, da wird zum Alarm geblasen, da ist Holland in Gefahr, die werden die Lustmörder gerufen, um bestialisch Leben zu vernichten.
Was maßt sich diese Jäger-Bestie "Mensch" dem hilflosen, den schutzlosen Tier gegenüber eigentlich an? Ist diesen Bestien alles Menschliche verloren gegangen; schämen die sich nicht, hinterhältig hilflose Lebewesen zu morden?
Wie lange lassen es anständige Menschen noch zu, dass Tierhasser, Jäger und Behörden mit Tieren umgehen als seinen unsere Tiere die Produzenten und Verwender von Atombomben, Panzern, Streubomben, Kindersoldaten und Umweltverschmutzer, als seien die seit einer halben Milliarde auf der Erde lebenden Wesen allein dazu da, von Menschen-Bestien umgebracht zu werden?
Ich meine: Wir brauchen starke Tierschutz-Organisationen, insbesondere junge und motivierte Leute, als mächtigen Gegenpol zu diesen Tierhassern, zu diesen Lustmördern, den Jägern, und nicht zuletzt gegen die immer mehr mit Jägern besetzten Behörden.
Die Allmacht dieser besessenen Tiermörder muss durch anständige Menschen endlich gebrochen werden
.Prof. Dr. Theodor Heuss, 1. Präsident der Bundesrepublik Deutschland, brachte es bereits vor etwa 50 Jahren auf den Punkt:
»Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit«.

Horst Cunäus
Nutriaverein Hettstedt

@Horst Cunäus BRAVO, Herr Cunäus. Dem kann ich nur zustimmen!

@Horst Cunäus Lieber Herr Cunäus, Sie haben genau das in Worte gefasst, was ich denke. Danke schön.

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