Lehrermangel

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Zu wenig Lehrer, zu wenig Fachkräfte: An Sachsens Schulen scheint es nicht rund zu laufen. Für das kommende Schuljahr hatte das Land sich hohe Ziele gesetzt. Ob es die auch erreicht hat?
Schulunterricht
Zu wenige Lehrer für volle Klassen?

Das Land Sachsen kann einen neuen Einstellungsrekord für das Schuljahr 2016/17 verzeichnen: 1184 neue Lehrkräfte werden kommen, 1200 waren das Ziel. Michael Jung, der Verantwortliche für die Lehrebildung beim sächsischen Lehrerverband, sieht diese zahlen kritisch:

Bei ca. 10.000 Schülern mehr in Sachsen - davon sind 5.200 in Leipzig – im nächsten Schuljahr sind die 1.200 angepeilten Neueinstellungen ein Tropfen auf den heißen Stein.

Michael Jung

mephisto 97.6 Redakteur Merten Waage mit Details zu den Neueinstellungen an Sachsens Schulen: 

mephisto 97.6 Redakteur Merten Waage mit Details zu den Lehrereinstellungen
 

Kultusministerin Brunhilde Kurth erklärte, dass es auf dem Arbeitsmarkt nicht genug Lehrer gäbe, die das berufliche Profil haben, das die Schulen in Sachsen benötigen. Das bestätigte Roman Schulz von der sächsischen Bildungsagentur und fügte hinzu, dass ein großer Bedarf an Lehrern für moderne Fremdsprachen und Naturwissenschaften herrsche. Außerdem befänden sich im Vergleich zu anderen Schulzweigen zu viele Studierende in der Ausbildung zum Gymnasiallehrer. Jung erklärte, dass viele Studienabsolventen Sachsen verlassen, weil andere Bundesländer ein höheres Gehalt zahlen, die Arbeitsbedingungen leichter seien und Lehrer woanders verbeamtet werden – in Leipzig wurde das Ziel von 370  Einstellungen trotzdem erreicht.

Quereinsteiger

Knapp 45 Prozent aller neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrer sind Quereinsteiger:

Quereinsteiger bringen alle eine exzellente Fachausbildung mit, aber eben nicht das psychologische, pädagogische Korsett, was dazu gehört.

Roman Schulz

Michael Jung erklärt, dass der Schulbeterieb ohne die Seiteneinsteiger nicht mehr möglich wäre.Trotzdem beschreibt er insbesondere die fehlende Zusatzausausbildung vor Antritt des Lehrberufs als sehr problematisch. Die Quereinsteiger bekommen, wenn überhaupt, leider erst nach Beginn ihres Schuldienstes eine qualifizierende Weiterbildung.

Quereinsteiger halten alleine Unterricht vor Klassen – normalerweise ohne das Einmaleins des Lehrer-Seins nur in Ansätzen zu beherrschen.

 Michael Jung

Honorarstellen

Deutlich erhöht hat sich das Kontingent der Honorarstellen bzw. Vertretungslehrer. Aus den  angepeilten 80 neuen Vertretungslehrern in Sachsen für das kommende Schuljahr wurden 270 Einstellungen. 16 Millionen Euro hat das Land dafür aufgewendet. Michael Jung kiritsiert diese Ausgaben. Der reguläre Schulbetrieb werde dadurch nicht verbessert. Seiner Meinung nach wäre es wichtiger, die Gelder zu nutzen, um die Arbeitsbedingungen der normalen Lehrkräfte zu verbessern. Roman Schulz betonte jedoch, Honorarkräfte seien ein flexibles Instrument, das neben normalen Lehrern gebraucht werde.

Vorbereitungsklassen für Flüchtlingskinder

Auch die Zahl der Flüchtlingskinder in den sächsischen Schulen wird zum nächsten Schuljahr steigen. Letztes Jahr gab es 515 Vorbereitungsklassen, im Schuljahr 2016/17 sind 530 Klassen geplant. Jung betonte, dass diese Klassen sehr wichtig für die Flüchtlingskinder sind. Dementsprechend seien diese Unterrichtskurse verhältnismäßig ordentlich abgesichert. Unter den Lehrern seien zwar auch Quereinsteiger, aber zum großen Teil seien es in der Ausbildung stehende oder bereits ausgebildete Lehrer für Deutsch als Fremdsprache.

 

Kommentieren

Taiina Grünzig
04.08.2016 - 19:22