Tamponsteuer

Nur ein paar Cent?

Anfang des Jahres 2020 wurde die Tamponsteuer nach langen, hitzigen Debatten abgeschafft. Doch was hatte es mit dieser Steuer auf sich? Und wieso ist deren Abschaffung nur ein vermeintlicher Meilenstein in Richtung Gleichberechtigung?
Lange galten Tampons nicht als "Produkte des täglichen Bedarfs"
Die Tamponsteuer: seit 2020 Geschichte.

Was haben Mate, Wandgemälde und Knollensellerie gemeinsam? Für diese Produkte zahlen wir grundsätzlich weniger. Sie gelten nämlich als sogenannte "Produkte des täglichen Bedarfs". Deshalb zahlen wir in Deutschland für sie nur 7% Umsatzsteuer – statt der üblichen 19%.

Der Knackpunkt der Debatte

Bis Anfang diesen Jahres fielen ganz spezielle Produkte nicht unter diesen vergünstigten Steuersatz von 7%: nämlich Tampons, Binden, Slipeinlagen - kurzum alle Hygieneartikel, die Frauen während ihrer Menstruation benötigen. Und das, obwohl Frauen durchschnittlich 40 Jahre ihres Lebens und somit insgesamt 500 Mal ihre Tage haben. Die durchschnittlichen Kosten für Tampons, Binden und Co. belaufen sich so auf knapp 3500 Euro.

Eine Frau blutet 40 Jahre ihres Lebens und hat somit circa 500 Mal ihre Periode.

Frauen mussten bis vor Kurzem für diese Produkte aber mehr Umsatzsteuer zahlen – nämlich die regulären 19%. Diese Steuer bezeichnen viele auch als Luxussteuer, weil sie Produkte besteuert, die nicht als notwendige Alltagsgegenstände angesehen werden. Dass Tampons angeblich als Luxusgüter gelten, hat seit 2015 immer wieder Debatten ausgelöst. Auch von einer Tamponsteuer war die Rede. Besonders laut wurden feministische Stimmen im vergangenen Jahr.

Warum die erhöhte Umsatzsteuer auf Tampons?

Der Bundestag beschloss im Jahre 1963, einen vergünstigten Steuersatz von 7% einzuführen. Zu dieser Zeit waren jedoch nur 36 der 521 Abgeordneten im Bundestag Frauen. Der geringe Frauenanteil ist mit ein Grund dafür, warum Tampons und Co. damals nicht zu Produkten des täglichen Bedarfs wurden.

Das Ende der "Tamponsteuer"

Viele feministische Aktivist*innen versuchten 2019 das zu ändern - mithilfe von Petitionen wandten sie sich an die Bundesregierung und forderten, den Steuersatz für Tampons und Binden ebenfalls auf 7% zu senken. Mit Erfolg: Über 200.000 Menschen unterschrieben die Petitionen. Im Oktober 2019 verkündete die Bundesregierung dann die vergünstigte Steuer für Tampons und Binden. Ab 2020 zahlen Frauen in Deutschland deshalb weniger für Tampons. Damit schließt sich Deutschland Ländern wie Kenia und Kanada an. Kenia war in diesem Aspekt Vorreiter: Bereits 2011 beschloss die Regierung, ähnliche Steuern auf Tampons und Binden komplett abzuschaffen.

Kenia war eines der ersten Länder, dass Steuern auf Tampons, Binden und Co. abschaffte.

Menstruationen sind nicht nur Gesundheitssache - sondern auch finanziell bedeutsam
Eine Frau hat bis zu 500 Mal im Leben ihre Periode.

Der feministische Aktivismus sorgte für Kritik

Die Forderung nach günstigeren Tampons sorgte jedoch auch für Kritik. Im Internet wurden Stimmen laut, dass die Bezeichnung „Tamponsteuer“ oder „Luxussteuer“ irreführend sei. Denn eine Steuer speziell auf Tampons und Binden gab es nie. Auch würde eine Umsatzsteuer von sieben Prozent sich kaum auf den Preis der Monatshgieneprodukte auswirken.

Häufige Kritik: Zwölf Prozent weniger Umsatzsteuer senken den Preis kaum.

Frauen, denen das zu teuer ist, müssten dann halt auf günstigere Alternativen ausweichen, wie Menstruationstassen zum Beispiel. Und schließlich zahlen Männer für alle ihre Hygieneprodukte auch 19 Prozent Umsatzsteuer.

Warum es um mehr geht als nur um den Preis eines Tampons

Fakt ist jedoch: Frauen geben im Laufe ihres Lebens deutlich mehr Geld als Männer für Hygieneprodukte aus. Es geht nicht nur darum, dass Tampons nun 50 Cent billiger sind. Hinzu kommen nämlich noch die Ausgaben für andere Monatsprodukte wie Binden, Slipeinlagen oder Wochenbetteinlagen. Auch Arztbesuche, Verhütung und Schmerzmittel während der Menstruation kosten. Und das alles, laut einer Studie der britischen Huffington Post, bis zu 20.000 Euro im Leben. Viele Frauen können sich das schlichtweg nicht leisten.

Doch keine Frau auf dieser Welt hat es sich ausgesucht, jeden Monat zu menstruieren. Deswegen ist es auch falsch, ärmeren Frauen günstigere Produkte für die Menstruation vorzuschreiben. Die Debatte um die „Tamponsteuer“ hat begonnen, das Tabu um die Menstruation aufzubrechen. Viele Frauen, und auch Männer, sind nun eher bereit, über das Thema zu sprechen. Günstigere Tampons sind also ein Schritt in die richtige Richtung, aber damit ist noch lange nicht alles getan.Der Weg zur finanziellen Gleichheit ist nämlich noch lang.

Der Beitrag zum Nachhören:

Wie die Tamponsteuer abgeschafft wurde und welche Herausforderungen den Frauen noch bevorstehen, das erklärt Wiebke Stedler
Erklärstück Tamponsteuer von Wiebke Stedler
 

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Die komplette Sendung zum Thema Menstruation gibt es auf Mixcloud