Reportagen zur Landtagswahl

Not am Mann

Zu wenig Personal, zu viele Überstunden – zuletzt gab es in Leipzig eher Negatives über die Situation der Feuerwehr zu berichten. Doch wie sieht die Lage vor Ort wirklich aus? Wir haben mit einem der Wachschichtführer gesprochen.
Feuerwehrschild an der Westwache Leipzig

Die Ausrüstung, die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen tragen, wiegt 25 Kilo. Umgerechnet wären das eineinhalb Kästen Bier oder ein etwa sieben Jahre altes Kind. Doch nicht nur mit der körperlichen Belastung haben die Leipziger Feuerwehrleute zu kämpfen: 48 Stunden haben sie pro Woche Schichtdienst, manche von ihnen sogar 52. Überstunden sind an der Tagesordnung. „Die Kollegen machen Überstunden, das ist de facto so.", sagt einer der Wachschichtführer. Weil die Thematik zurzeit recht brisant ist, bleibt er anonym.

"Die Zeit fehlt, um das in Freizeit auszugleichen. Also Kollegen sind dadurch sicherlich weniger bei ihrer Familie, als sie es sein könnten. Im Großen und Ganzen sind sie aber trotz der Umstände noch motiviert und machen ihren Job gerne."

24 Stunden Schichten – Standard!?

Wichtiger Teil des Jobs ist die Sicherheit – auch die eigene. Genug Zeit für Ausbildungs- und Sicherheitsmaßnahmen zu haben, ist jedoch schwierig. Vor allem, weil die Feuerwehr trotz Personalmangel ständig einsatzbereit sein muss. Hinzu kommt, dass in Leipzig gerade in zwei Schichtsystemen gearbeitet wird: Regulär arbeiten Feuerwehrmleute viermal die Woche zwölf Stunden, also insgesamt 48 Stunden pro Woche. 24-Stunden-Schichten sind allerdings beliebter. Die Erholungsphasen zwischen den Diensten sind dann länger. Sie sind jedoch an eine Bedingung geknüpft: Wer in 24-Stunden-Schichten arbeiten will, muss vier unbezahlte Überstunden zusätzlich ableisten. Die Stadt Leipzig möchte bis 2016 eine einheitliche Regelung schaffen. 24-Stunden-Schichten sollen dann Standard sein. Die Regelung bringt jedoch Probleme mit sich: Das Personal ist ohnehin schon knapp. Wer soll die übrig bleibenden Stunden in Zukunft übernehmen?

„Ich mache meinen Job gern. Ich weiß auch, dass der bei der Bevölkerung anerkannt wird. Aber die Anerkennung der Politik fehlt und das im Endeffekt zulasten der Bürger und zu Kosten der Einsatzkräfte“,

sagt der Wachschichtführer. Für die Zukunft wünscht er sich, dass sich ein paar Dinge ändern:

„Mir ist wichtig, dass Leute eingestellt werden und dass meine Wachabteilung ordentlich aufgestellt ist. Außerdem wünsche ich mir, dass weniger Überstunden anfallen und wir keine Fahrzeuge mehr außer Betrieb nehmen müssen.“

Ganz schön viele Baustellen also, an denen die kommende Regierung zu arbeiten hat.

 

Ein Beitrag von Ulrike Biella zur Feuerwehr.
Feuerwehr
 

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Ulrike Biella, Jane Schmidt
27.08.2014 - 10:33

Der Sächsische Landtag zum Thema Feuerwehr

Januar 2010: Der Landtag diskutiert über die Rente von Feuerwehrleuten. Die SPD wirft der Landesregierung vor, ihr Wahlversprechen gebrochen zu haben, eine Feuerwehrrente einzuführen. CDU und FDP entgegnen, die Kommunen könnten auf eigene Kosten Verträge mit ihren Feuerwehrleuten abschließen.

März 2010: Der Landtag beschließt einen Antrag von CDU und FDP. Unter anderem soll die Obergrenze für Aufwandspauschalen für freiwillige Feuerwehrleute angehoben werden. Außerdem soll das Land die Jugendarbeit des Landesfeuerwehrverbandes besser fördern.

März 2012: Auf Antrag der SPD werden im Innenausschuss des Landtages Sachverständige angehört. Thema ist die Ausbildungssituation bei den Feuerwehren. Die Sachverständigen sind sich einig: Die Situation ist problematisch, die Landesfeuerwehrschule überlastet.

April 2013: Die Linke bringt einen Gesetzesentwurf zur Zahlung einer Zusatzrente an freiwillige Feuerwehrleute in den Landtag ein. Sie sollen pro Monat bis zu 100 Euro zusätzlich bekommen – fünf Euro pro Dienstjahr. Ziel sei es, das Ehrenamt wieder attraktiver zu machen.

Juli 2014: Der Landtag diskutiert, wie die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Feuerwehren in Sachsen erhalten und verbessert werden kann. CDU und FDP sehen zwar einige Probleme, denken aber, dass sich die Feuerwehren grundsätzlich in die richtige Richtung entwickeln. Die Opposition wirft ihnen unter anderem vor, sie hätten zu spät auf Probleme reagiert.