Comic

Nightcrawler Vol.1

Ohne Skript, einfach drauflos gezeichnet: Daggers Into Flesh hat im Selbstverlag den Comic “Nightcrawler” veröffentlicht. Mehr zum Comic und der Idee dahinter erfahren Sie hier.
Titelbild von "Nightcrawler"
Titelbild von "Nightcrawler"

„So here is my boring, normal, every day life: I get up at 6:30 am every day, so that I have a little bit of spare time to contemplate on my poor life choices. And put some good music on while getting ready for work.”

Mit diesen munteren Worten bestreitet Alex, der Protagonist in “Nightcrawler”, seinen Alltag. Alex ist Metal-Fan, flucht ausgiebig und hilft ab und zu im Plattenladen seines Freundes Henrik aus. Wer ganz genau hinschaut, erkennt in den schwarzweißen Tuschezeichnungen die ein oder andere Anspielung auf Songtexte und Vinylcover von Bands, die Daggers Into Flesh inspiriert haben.

Ausschnitt aus dem Comic "Nightcrawler"
Ausschnitt aus dem Comic "Nightcrawler"

Just for fun

Daggers Into Flesh hat „Nightcrawler“ geschrieben, gezeichnet und im Selbstverlag veröffentlicht. Und hat gar nicht damit gerechnet, dass es eine zweite Auflage geben würde. Ursprünglich war „Nightcrawler“ ein Projekt nur zum Spaß, für sich selbst und für Freund*innen.

„Ich hab mich nicht hingesetzt und gedacht: Ich mach jetzt einen Comic, und jetzt brauch ich eine Idee, sondern ich hab einfach drauflos gezeichnet.“

Aus einer Seite werden bald zehn, fünfzehn. Und schließlich ein ganzer Comic. Den lässt Daggers Into Flesh drucken, in einer Auflage von einhundert Stück, für Freund*innen oder als Geschenk für befreundete Bands. „Ich hatte ja vorher schon eine Instagram-Seite mit ein paar Linolschnitten. Und dann dachte ich schon mal, das könnte ich posten, vielleicht kriege ich dann ein paar Kopien früher los.“ Das passiert aber erst, als die Berliner Black-Metal-Band Occvlta (die eine Reichweite von mehr als 1.000 Follower*innen hat) einen Beitrag über „Nightcrawler“ auf ihrer Seite teilt. Diese Gelegenheit lässt sich Daggers Into Flesh nicht entgehen, und postet selbst einen Beitrag zum Comic. „Und auf einmal kamen Anfragen. Und dann waren die hundert Stück in einer Woche ausverkauft. Das war echt krass. Wie viel das ausmacht, einfach so einen Kontakt zu haben.“

Hommage an die Lieblingsbands

„Nightcrawler“ ist stark von der Musik inspiriert, die Daggers Into Flesh am liebsten hört. „Der Comic ist letztendlich eine Hommage an die ganzen Bands, die ich gerne mag.“ Auch der Titel „Nightcrawler“ – nach dem gleichnamigen Lied der britischen Heavy-Metal-Band Judas Priest.

„Den Titel „Nightcrawler“ hab ich last Minute gewählt. Ich hab den Comic fertig gezeichnet, dann ist mir eingefallen: Ich brauch noch ein Cover. Und dann ist mir eingefallen: Ich brauch ja noch einen Namen! Und da hab ich echt lange überlegt, ich wollte nichts was zu cheesy ist oder zu abgedroschen.“

Ausschnitt aus dem Comic "Nightcrawler"
Ausschnitt aus dem Comic "Nightcrawler"

„Ich will es nicht offenlegen – dann wäre der halbe Spaß vorbei!“

Wo und wann genau die Handlung spielt ist wie die Handlung selbst nicht festgelegt. Das Setting ist inspiriert von Orten, an denen Daggers Into Flesh schon mal war und die den Schaffensprozess so beeinflusst haben. Allerdings könne man, wenn man ein richtiger Geek sei und den Hinweisen nachgehe, im zweiten Teil mehr darüber herausfinden.

„Ich weiß selber nicht in welcher Zeit das spielt. Es könnte jetzt sein, es könnte aber auch vor zehn Jahren sein. Oder vor zwanzig Jahren. Was dann aber nicht damit zusammenpasst, dass da Schallplatten erwähnt werden, die erst vor acht Jahren herauskamen.“ Egal ob die Handlung jetzt, vor zehn oder zwanzig Jahren spielt: Smartphones gibt es in „Nightcrawler“ ganz bewusst nicht. Die haben wir alle permanent, sagt Daggers Into Flesh. „Und ich glaube in dem Comic ist es einfach cool, wenn das noch keine Rolle spielt.“

"Mal gucken, was da noch so passiert!"

„Hätte ich gewusst, dass den am Ende so viel mehr Leute als ich dachte lesen wollen, hätte ich mir echt mehr Mühe gegeben bei den Zeichnungen.“ Daggers Into Flesh lacht. „Ich hab teilweise auf Arbeit nebenbei da rumgekritzelt, und in der Uni wenn es langweilig war. Beim zweiten Teil versuche ich mir dezent mehr Mühe zu geben.“ Wie auch schon der erste Teil nicht geplant war, plant Daggers Into Flesh auch keine Folgebände vor. Seite dreißig vom zweiten Band ist aber schon fertig, der werde auf jeden Fall erscheinen.

Ob es danach noch weitergeht? „Ich denke mal ja. Ich hab auch schon eine Idee wo es hingehen soll, aber es ist noch nix fest geplant. Ich mach es so lange wie ich Bock hab, und wenn ich keinen Bock hab, mach ich es nicht mehr.“

Auf einen großen Verlag hätte Daggers Into Flesh deshalb auch keine Lust. Auf einen kleinen vielleicht schon – eine Anfrage gibt es da bereits. Trotzdem ist „Nightcrawler“ ein Projekt just for fun. „Ich hab das Gefühl die Geschichte hat einfach ein Eigenleben. Ich denke gar nicht drüber nach, wohin es geht, sondern ich setz mich hin und zeichne, und es geht einfach da hin, wo es hinwill. Von alleine, und ich muss quasi nichts machen außer es zeichnen.“  Ein Skript braucht es dafür nicht. Daggers Into Flesh schmunzelt. „Würdest du einen Film gucken, wenn du schon weißt wie er ausgeht?“

Das Interview mit Daggers Into Flesh könnt ihr hier hören:

Daggers Into Flesh im Gespräch mit Redakteurin Elisabeth Schmidt.
Nightcrawler

 

 

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Elisabeth Schmidt
11.08.2020 - 14:33
  Kultur

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