CD der Woche

Nichts wie immer

Nach zwei Jahren Pause veröffentlicht die kanadische Indie-Rock Band Wintersleep ihr sechstes Studio Album The Great Detachment. Und überrascht mit einem völlig untypischen Sound: leichte, fröhliche Melodien und fast schon positiver Gesang.
Die kanadische Band Wintersleep
Wintersleep

Vergangenheit

Für die Band Wintersleep bedeutet ihr neues Album The Great Detachment eine Orientierung an der Energie ihrer ersten Werke: 

It's a very different energy, and one that we kind of missed.

 

Paul Murphy (Sänger und Gitarrist der Band)

Und diese Energie hört man wirklich in jedem Song des Albums. Musikalisch ist das Album allerdings sehr viel Pop-lastiger als frühere Werke der Band. The Great Detachment wirkt im Vergleich euphorisch. Neben dem Einfluss ihrer eigenen Vergangenheit, haben sich Wintersleep für das Album stark von einem Künstler der vergangenen Jahrhunderte beeinflussen lassen: Walt Whitman.

Amerika

Der Opener und die erste Single des Albums wurde bereits im Januar veröffentlicht und ist sozusagen nur Dank Whitman zu dem geworden, was sie jetzt ist. Murphy erklärte zu dem Song, dass er die Idee für die Musik bereits hatte aber keinen passenden Text schreiben konnte. Beim Lesen des Gedichts America von Walt Whitman sei er dann zu den Lyrics inspiriert worden. Die Stimmung des Autors und seine Assoziation mit dem Wort "Amerika" hätten ihn fasziniert. Der Song selbst baut sich in typicher Wintersleep Manier langsam auf und überwältigt den Hörer schließlich. Die hoffnungsvolle Stimmung, die Murphy darstellen wollte ist auch ohne den Text klar hörbar. Von der gewohnten düsteren Atmosphäre der Wintersleep Songs ist nichts mehr wiederzufinden. So viel ist klar - auf The Great Detachment ist nichts wie bisher.

Leichtigkeit

Das ganze Album ist ungewohnt sonnig und leicht. Ungewohnt ist vor allem der zweite Song des Albums. In Santa Fe wird Paul Murphys Stimme durch Autotune verzerrt. Doch es bleibt nicht bei dieser Neuerung. Die Vocals und die Lyrics der Songs sind deutlich positiver als die der Vorgänger. Die charakteristische dunkle Mentalität, die zum Beispiel im älteren Song Orca zu hören ist, suchen Fans der Band vergeblich. Auch die Post-Rock ähnlichen Intros bleiben aus. Und zu allem Überfluss beginnt der Song Love Lies sogar mit einem Bass-Takt der einem Techno Beat ähnelt.

Altbekanntes

Wenn allerdings die Musik zu sehr nach Pop klingt, zu catchy wird, dann setzt Schlagzeuger Loel Campbell an. Die Drum-Rythmen bieten einen angenehmen Wiedererkennungs-Effekt in all den ungewohnten neuen Melodien und geben den Songs die nötige Finesse, um sie von simplem Indie-Rock abzugrenzen. Enzig den Song Metropolis kann man sich zumindest stimmlich auf älteren Wintersleep Alben vorstellen. Die Melodie des Songs ist zwar düsterer als der Rest des Albums - jedoch lange nicht vergleichbar mit den letzten Alben der Band. 

Fazit

Nein, das Album ist nicht vergleichbar mit alten Wintersleep-Alben. Für manchen alteingesessen Fan könnte es daher auch erst mal einen kleinen Enttäuschungsmoment geben. Trotzdem ist The Great Detachment musikalisch ein wirklich gutes Album -  eben ein wirklich gutes Pop-Album. Und es ist doch schön zu wissen, dass Bands sich auch in diese Richtung entwickeln können, ohne dabei komplett ihren Sound aufgeben zu müssen. 

 

 

Kommentieren

Wintersleep: The Great Detachment

Tracklist:

1.  Amerika*
2.  Santa Fe
3.  Lifting Cure
4.  More Than
5.  Shadowless
6.  Metropolis*
7.  Spirit
8.  Freak Out
9.  Love Lies
10.  Territory*
11.  Who Are You

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 18.03.2016