Konzertbericht

The next song is a political rock song

Am Dienstag den 12. April haben The Chap in der naTo am Südplatz gespielt. Dort haben sie ihr neues Album „The Show Must Go“ präsentiert. Unterstützt wurden sie dabei von der Band Sickerman.
The Chap
Blick auf die naTo nach dem Konzert von "The Chap"

Erwartungen

The Chap sind fünf Musiker aus Großbritannien, Griechenland, Frankreich und Deutschland, die das Ziel haben, Musik zu machen, die „falsch klingt“. Mit dieser Absicht vor Augen haben sie auf ihren bisherigen Alben eine bunte Mischung aus Indie-Rock, Funk und Elektro produziert, die mit ironischen, teils skurrilen Texten versehen wurden. Leadsänger Johannes von Weizsäcker ist unter anderem durch sein Projekt „Erfolg“ bekannt. In The Chap vereint er seine humoristische Art mit einem rockigen E-Gitarren-Sound. Trotz der Vorinformationen war das Konzert für mich eine Wundertüte, da The Chap für ihre Experimentierfreudigkeit bekannt sind .

Erster Eindruck

Die naTo war nicht ausverkauft und schon zu Beginn war mir klar, dass sich meine Stage Diving Erfahrungen nicht erweitern werden. Die Zuschauerreihen waren bunt gemischt. The Chap hat definitiv keine eindeutige Zielgruppe. Zunächst halten viele Besucher einen Sicherheitsabstand. Als die Künstler jedoch auf die Bühne kommen und Johannes von Weizsäcker seine Arme öffnet, rücken die meisten ein Stück näher. Drummer Keith Duncan und Bassist Panos Ghikas sind gekleidet wie Tennisspieler der 80er Jahre: Enges Shirt, kurze Hosen & Socken. Das leicht bizarre Erscheinungsbild der Band wird mit der Begrüßung „Wir sind The Chap und machen politische Rocklieder“ ergänzt. Doch der erste Gitarrenriff bricht das Eis.

Musik

„The Show Must Go“ ist nicht nur klanglich das sonderbarste Album von The Chap. Auch die Bühnenshow hat humoristische Elemente. Harter und lauter E-Gitarren-Sound wird mit piepsigen Chorgesängen aller Bandmitglieder kombiniert. Dazu kommen „Choreographien“, bei denen als Zuschauer nicht ganz klar ist, ob die Bewegungsabfolgen absichtlich asynchron gezeigt werden. Teilweise wurde der Gesang nicht live gesungen, sondern vom Computer abgespielt. Doch dies nutzen die Bandmitglieder, um eine enthusiastische Playback-Performance einzulegen oder Schilder mit Songtexten wie „Super Super“ oder „Good Good" hochzuhalten. Mit ihrem Song „Jammer“ gehen The Chap dann noch einen Schritt weiter, da hier kein Songtext, sondern nur undeutliche Geräusche als sprachliche Begleitung dienen. Nach Eigenangaben der Band möchten sie mit „Jammer“ zeigen, dass Rockmusik die Welt bisher nicht verändert hat und dies auch nicht schaffen wird. Doch trotz der experimentellen Show verlieren The Chap nie den Zugang zum Publikum. Die humoristische Darstellung ist dynamisch und schwungvoll. Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit beginnt das Publikum zu tanzen und mitzusingen.

Fazit

The Chap kündigen jeden Song des Konzerts mit dem Satz „The next song is a political rock song“ an. Und tatsächlich behandeln die Songs politisch aktuelle Themen wie die Europäische Union, Drohnen-Kriegsführung und junge Menschen, die sich dem ISIS anschließen. Jedoch begegnen The Chap diesen Themen mit Humor, der keine Grenzen kennt und bis zur Absurdität geht. Dies wird in der Zugabe besonders deutlich. Johannes von Weizsäcker und Panos Ghikas nehmen sich ein Cello und eine Geige, Drums und ein vom Computer abgespielter rockiger Sound setzen ein und die neugeborenen Streicher liefern ein ekstatisches Geschrammel. Bis zum Ende der Performance ist allerdings nicht klar, ob die beiden überhaupt einen einzigen Ton mit den Instrumenten spielen oder alles nur aus dem Computer kommt. Angekündigt wird diese Zugabe mit den Worten „Wir machen nun etwas, das wir schon sehr häufig gemacht haben“. The Chap liefern eine skurrile Mixtur aus Rock und Humor. Diese ist mutig und absolut sehenswert. 

 

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Theo Toppe
14.04.2016 - 19:01
  Kultur

The Chap: The Show must go on

Erscheinungsdatum: 23.10.2015
Lo / Indigo