Bürgermeister für Kultur

Neuwahl mit Altlasten?

Frei von Konflikten war das Amt des Kulturbürgermeisters nie: Schon vor der Ernennung Michael Fabers 2009 stellten sich Kulturschaffende gegen ihn - das Auswahlverfahren warf Fragen auf. Wie stehen die Vorzeichen für die Neubesetzung im Juni?
Sein Posten wird im April neu besetzt: Kulturbürgermeister Michael Faber.
Sein Posten wird im April neu besetzt: Kulturbürgermeister Michael Faber.

Er entscheidet über die Oper, das Gewandhaus Leipzig und einige andere Kulturbetriebe der Stadt: der Kulturbürgermeister. Das Konfliktpotenzial steht dem Gewicht des Postens in nichts nach. Die Wahl des parteilosen Michael Faber 2009 löste teils heftige Kritik aus - auch unter den Kulturschaffenden der Messestadt.

Am Samstag traf eine Findungskommission eine Vorauswahl aus 91 Bewerbungen. Nach LVZ-Informationen sickerten aussichtsreiche Namen auf die Nachfolge Fabers durch - inklusive dem des noch Amtierenden. (siehe Infobox) mephisto 97.6-Redakteurin Lara Lorenz und Moderator Carsten Richter mit den Einzelheiten:  

Lara Lorenz und Carsten Richter zum Amt des Kulturbürgermeisters.

Denn das Amt des Kulturbürgermeisters sei das Wichtigste der Stadt - nach dem des Oberbürgermeisters, meint Falk Elstermann. Dies verdeutlichte der Geschäftsführer des Kultur- und Kommunikationszentrum naTo e.V. bereits 2009: Mit Gewandhaus-Chef Andreas Schulz versammelte er Kulturschaffende in Leipzig. Gemeinsam protestierten sie gegen die Kandidatur von Faber. Ihrem Aufruf folgten damals mehrere Vertreter von städtischen und freien Kultureinrichtungen in der Messestadt.

 

Schnelle Lösung aus Leipzig?

Die Kandidaten für die diesjährige Wahl zum Kulturbürgermeister oder zur Kulturbürgermeisterin stehen nun fest: Am vergangenen Samstag entschied eine fraktionsübergreifende Findungskommission über die Kandidatur einzelner Bewerber. An dieser Vorauswahl waren Vertreter aus der Kulturszene aber nicht beteiligt. Dies sei jedoch kein Grund zum Protest, findet Frank Elstermann. Er ist einer der wenigen Kulturschaffenden, die sich mephisto 97.6 gegenüber zum Wahlprozedere äußern wollten. Die Zusammensetzung der Findungskommission hält er für unproblematisch:

Es wäre gar nicht so einfach, jemanden aus der Kultur mit an den Tisch zu bringen. Stellen Sie sich vor, man ist Eigenbetriebsleiter der Stadt Leipzig, spricht sich vehement gegen einen bestimmten Kandidaten aus und der wird dann Kulturdezernent und direkter Vorgesetzter.

 

Falk Elstermann

Aus Kreisen der Stadt heißt es hierzu außerdem, dass die Findungskommission nicht nur einen Fachmann, sondern auch einen Politiker sucht. Deshalb sei es in Ordnung, dass keine Kulturvertreter über die Vorauswahl mitentscheiden. Dies hätte zudem auch etwas von „die Schafe führen ihren Schäferhund“, meint Jürgen Ackermann, Vorsitzender des Werk 2 vom Verein Kulturfabrik Leipzig. Denn Vertreter aus der Kulturszene hätten schließlich auch ihre eigenen Interessen im Wahlvorgang.

 

Frank Elstermann bemängelt allerdings den Bewerbungszeitraum: Die Stelle für den Kulturbürgermeister wurde am 22. Dezember 2015 ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endete am 25. Januar diesen Jahres. Das findet der naTo-Geschäftsführer zu knapp:

So ein wichtiges Amt über so eine kurze Zeit nur auszuschreiben und dann auch schon zwei Monate später die Besetzung treffen zu wollen, ist schwierig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hochkaräter deutschlandweit oder europaweit sich da überhaupt bewerben können.

 

Falk Elstermann

Jürgen Ackermann hingegen findet die Bewerbungsfrist angemessen. „Ich denke, ob ich einen Monat oder drei Monate brauche. Das wird die Qualität der Bewerber nicht großartig beeinflussen." Denn es sei schon seit vergangenem April bekannt, dass die Stelle des Kulturbürgermeisters vakant ist. Genügend Zeit für Interessenten, sich entsprechend zu vernetzen, meint Ackermann. Eine ähnliche Position wird in Kreisen der Stadt vertreten. Die Dauer der Bewerbungsfrist bedeute nicht, dass sich qualifiziertere Kandidaten bewerben.

 

Unabhängig von der Vorauswahl der Findungskommission steht für Falk Elstermann fest: „Der neue Kulturbürgermeister oder Bürgermeisterin wird viel Arbeit kriegen. Und das ist auch gut und richtig so in dieser Kulturstadt.“ Elstermann möchte die Nachfolge von Faber unterstützen.

 

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Christoph Schäfer
15.03.2016 - 10:07
  Kultur

Zwei mögliche Nachfolger für Michael Faber

Die Leipziger Volkszeitung hat heute die Namen zweier Kandidaten für das Amt des Kulturbürgermeisters veröffentlicht. Wie die Zeitung schreibt, sind es die Kulturamtsleiterin aus Gießen, Simone Maiwald, und der Autor Mathias Theodor Vogt. Die Stadt bestätigte die Namen nicht. Sie halte die Kandidaten noch geheim. Des Weiteren kritisiert der Geschäftsführer der nato, Falk Elstermann, die Suche nach einem Kulturbürgermeister. Er sehe ein einmonatiges Bewerbungsverfahren als schwierig an. Das sehe für ihn so aus, als wolle die Stadt eine Lösung aus Leipzig haben. Er könne sich nicht vorstellen, dass Hochkaräter, deutschlandweit oder europaweit, sich überhaupt bewerben könnten, denn sie seien in verantwortlichen Positionen und müssten wechseln. 

- mephisto 97.6-News, 14. März 2016

Die Kommission

Seit sieben Jahren ist Kulturbürgermeister Michael Faber nun im Amt – am 20. April wird sein Posten neu vergeben. Die Vorauswahl der Kandidaten - 91 Bewerbungen lagen vor - traf eine Findungskommission am Wochenende. Sie ist parteiübergreifend organisiert. Nach Angaben des Kreuzers setzt sie sich wie folgt zusammen: Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Axel Dyck (SPD), Andrea Niermann (CDU), Sören Pellmann (Die LINKE), Katharina Krefft (Grüne/Bündnis 90) und Jörg Kühne (AfD). Die Stadtratsfraktionen beraten über die Ergebnisse der Kommission und schlagen anschließend der Ratsversammlung jeweils einen oder mehrere Kandidaten vor.