Hochschulpolitik

"Mein Vorteil: Ich kenne alle!"

"Das macht den Reiz einer Hochschultätigkeit aus, dass man montags noch nicht weiß, was donnerstags genau auf dem Schreibtisch liegt." - Oliver Grimm, der neue Kanzler der Universität Leipzig über seine bevorstehende Aufgabe.
Der Kanzler bestimmt zusammen mit der Rektorin die Geschicke der Universität Leipzig.

mephisto 97.6: Sechs Monate sind eine ziemlich kurze Zeit. Wozu braucht man für diesen Zeitraum überhaupt einen Interimskanzler?

Oliver Grimm, neuer Interimskanzler der Universität Leipzig und Kanzler der HMT.

Oliver Grimm: Ein Interimskanzler wird letztendlich benötigt, um Verantwortung zu übernehmen, für die Dinge, die entschieden werden müssen. Es müssen Unterschriften geleistet werden. Der Kanzler ist der Haushaltsverantwortliche der Hochschule und muss durch seine Unterschrift für Haushaltsdinge gerade stehen. Letztendlich geht’s darum, für den Verwaltungsbereich Verantwortung nach außen zu übernehmen.

mephisto 97.6: Aber es bleibt für diese Zeit quasi nur eine Übergangslösung. Sehe ich das richtig?

Oliver Grimm: Es wird eine Übergangslösung sein. Das ist richtig. Ich sehe meine Aufgabe darin, Prozesse, die angeschoben worden sind, im Sinne des Rektorates und im Sinne der Rektorin fortzuführen und Dinge, die zwingend gemacht werden müssen, umzusetzen. Natürlich nicht ich alleine, sondern mit einer Mannschaft, die eingespielt ist und die die Dinge in der Vergangenheit schon bearbeitet hat und in der Zukunft weiter bearbeiten wird.

mephisto 97.6: Jetzt haben Sie es schon angesprochen: Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit dann mit dem Team, das schon da ist?

Oliver Grimm: Mein Vorteil ist, weil ich ja neun Jahre Justiziar der Universität war - bis Ende 2009 -, dass ich fast alle der im Moment an verantwortlicher Stelle handelnden Personen sehr gut kenne, dass ich allen vertraue und mein großer Vorteil ist natürlich, da ich Kanzler der HMT in Leipzig bin, dass ich auch die Prozesse, die es an der Uni umzusetzen gilt, von der HMT-Seite auch sehr gut kenne.

mephisto 97.6: Sie sind jetzt ja zusätzlich, also nicht zum Austausch, sondern wirklich zusätzlich als Interimskanzler berufen worden. Ist das nicht eine große Belastung jetzt auf einmal die doppelten Aufgaben zu erledigen?

Oliver Grimm: Es ist natürlich mehr Verantwortung. Aber die übernehme ich gerne. Ich habe Lust dazu, das zu machen. Ich glaube, das ist auch sehr wichtig. Also dass ich mir sage: Ja, ich will das machen und ich habe Lust, weil mir meine Arbeit Spaß macht. Ich weiß natürlich heute noch nicht genau, was auf mich zukommt. Ich kann es mir ungefähr vorstellen, aber das macht den Reiz einer Hochschultätigkeit aus, dass man montags noch nicht weiß, was donnerstags genau auf dem Schreibtisch liegt.

mephisto 97.6: Die Rede ist ja von Umbruchszeiten und das liegt ja vermutlich auch an verschiedenen Problemen, die die Universitäten- und Forschungslandschaften durchschütteln. Welche gemeinsamen Probleme gibt es denn da?

Oliver Grimm: Es gibt ein gemeinsames Finanzproblem. Wir leben in Zeiten knapper Kassen. Damit müssen die Hochschulen umgehen und sich darauf einstellen. Meine Aufgabe als Kanzler kann es nicht sein, die Politik zu kritisieren, weil ich kein politisches Amt innehabe. Ich muss sehen, dass ich mit den Vorgaben, die es gibt, haushalte. Die Hochschulen sind insoweit im Umbruch, dass auf die kaufmännische Buchführung umgestellt worden ist und noch wird. Das ist ein Projekt, was vorangetrieben werden muss.

mephisto 97.6: Umbruchzeiten heißt auch, dass sich Sachen ändern werden. Was denken Sie denn, wie sich die Universitätslandschaft in Sachsen verändern wird?

Oliver Grimm: Sie wird sich insoweit ändern, als dass man als Hochschulen näher zusammenrücken wird - was mit dem Modell der Wissenschaftsregionen ja schon passiert ist. Das heißt, wenn ich mir die Hochschulen in Leipzig anschaue, wird man mehr miteinander kooperieren. Es wird sich ändern, dass die Hochschulen weniger Einzelkämpfer für sich sind, sondern mehr miteinander kooperieren.

 

mephisto 97.6 - Reporterin Thilo Körting im Gespräch mit Oliver Grimm.
Oliver Grimm RI
 

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Theresa Seiter
01.09.2014 - 11:52

Oliver Grimm wurde 1966 in Kassel geboren. Seit 2010 ist er Kanzler der Hochschule für Musik und Theater "Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig. Ab jetzt ist er für die kommenden 6 Monate auch Kanzler der Universität Leipzig.