Frisch Gepresst: The Strokes

Neue Freunde, schlechte Entscheidungen

So wirklich hatte niemand mehr das Comeback einer Band erwartet, die zu Beginn der Nuller Jahre Garagerock wieder relevant gemacht hatte. The Strokes lohnen sich auf ihrem neuen Album "The New Abnormal" wieder.
The Strokes sind nach sieben Jahren mit einem neuen Album zurück.

Sieben Jahre ist es her, als uns The Strokes nach einer erneuten Bandpause mit ihrem Album „Comedown Machine“ überraschten. Überraschen ist wahrscheinlich das falsche Wort, denn eigentlich war niemand so richtig froh, über das Comeback der New Yorker. Nach ihrer Hit-Platte „This Is It“ (2001) und jeder Menge internationalem Erfolg in der Mitte der Nuller Jahre, kam nicht mehr so wirklich viel Gutes von der Band um Sänger Julian Casablancas. Spätestens nach einer weiteren „Überraschungs“-EP war 2016 eigentlich jedem klar: Das war’s mit The Strokes.

Back for good?

Man konnte also nur staunen, als Anfang dieses Jahres mit „At The Door“ auf einmal eine neue Strokes Single gespielt werden durfte. Auch wenn es viel Uneinigkeit über deren Qualität gab, stieg der vorsichtige Optimismus auf das angekündigte sechste Album der Kultband.

„The New Abnormal“ heißt es und kommt nicht nur wegen des Titels genau zum richtigen Augenblick, denn auch wenn „At The Door“ komplett ohne Schlagzeug auskommt, findet sich der alte Strokes Sound immer wieder. Mit „The Adults Are Talking“ öffnet die Platte mit einem der stärksten Songs. Catchy und mit mechanisch trommelndem Schlagzeug gibt Casablancas zwischen Falsett und Sprechgesang zu, dass sie von Anfang an versuchen, Aufmerksamkeit zu bekommen. Wahrscheinlich meint er damit die der einst leidenschaftlichen Fangemeinde seiner Band, die sich über die Jahre ausgedünnt hat. Am Ende bleibt ihm nur zu sagen: „So let's go back to the old key, old tempo, everything.“

Tatsächlich reihen sich Songs wie „Bad Desicions“ und „Brooklyn Bridge To Chorus“ mühelose in den gefeierten Katalog von The Strokes ein. Letzterer ist eine flimmernde Hommage an die 80er mit Retro Synthies und einer ordentlichen Portion Pop-Rock Gitarren.

Hinten raus schwächer

In „Eternal Sun“ scheint Casablancas in ein Gespräch mit sich selbst zu verfallen, denn nach einigermaßen nervig gepitchten Vocals plärrt er lallend: „They got no remedy, they don’t let it happen.“ Nebenbei entwickelt sich eine leichte Sommerhymne. Nach „At The Door“ wird „The New Abnormal“ schwächer. „Why Are Sunday’s So Depressing“ und „Ode To The Mets“ sieden langsam vor sich hin und in „Not The Same Anymore“ wird Julian Casablancas auf einmal zum Lounge-Sänger.

You're not the same anymore
Don’t wanna play that game anymore
You'd make a better window than a door
Oh, the strangers, they implore
It gets so easy to ignore
Just like the girl next door

Song: "Not The Same Anymore" 

Zeit nehmen lohnt sich

„The New Abnormal“ ist mit 45 Minuten das zweitlängste Album von The Strokes und das mit gerade einmal neun Songs. Gerade das ist auch seine Stärke: Die New Yorker lassen ihren Songs Zeit sich zu entwickeln. Das gelingt nicht immer bis zum Schluss, aber trotzdem ist "TNA" ihr spannendste Album seit mehr als zehn Jahren. Gitarrenmusik müssen The Strokes nicht mehr revolutionieren, das haben sie schon 2001 gemacht, aber dieses Jahr ist es ihnen gelungen, sich ein zeitgemäßes Update zu verleihen. 

 

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The Strokes: The New Abnormal

Tracklist:

1.  "The Adults Are Talking"*

2.  "Selfless"

3.  "Brooklyn Bridge to Chorus"*

4.  "Bad Decisions"*

5.  "Eternal Summer"

6.  "At the Door"

7.  "Why Are Sundays So Depressing"  

8.  "Not the Same Anymore"

9.  "Ode to the Mets"

Anspieltipps*

Erscheinungsdatum: 10.04.2020
RCA Records

Hier gibt's "The New Abnormal" auf Spotify:

 

 

Fun Fact:

Das Album-Cover von "The New Abnormal" kommt vom New Yorker Künstler Jean-Michel Basquiat und heißt „Bird on Money“ (1981).