Cybersicherheit und Forschung

Neue Cyberagentur zieht in Raum Leipzig

Deutschland soll sich besser gegen Cyberangriffe wappnen können. Aus diesem Grund wurde vom Bund der Aufbau einer neuen Cyberagentur in Auftrag gegeben. Nach langem Hin und Her wurde nun der Ort bekanntgegeben: Leipzig.
Datenraub
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Das Verteidigungsministerium hat am 16.06.2020 bekanntgegeben, dass nun der Aufbau der "Agentur für Innovation in der Sicherheit GmbH" bewilligt wurde. Diese Agentur soll Deutschland, und vor allem Deutschlands Sicherheitsbehörden, auf die kommenden Sicherheitsherausforderungen einer immer stärker vernetzten und digitalisierten Welt, vorbereiten.

Wo soll die Cyberagentur entstehen?

Geplant ist, dass die Cyberagentur sich im Raum Leipzig/Halle ansiedelt, allerdings ist noch kein genauer Ort bekannt. Es ist auch noch nicht klar, wie groß das Gebäude genau werden soll, ob ein Neubau geplant ist, oder bestehende Infrastrukturen genutzt werden. Anscheindend soll später ein Teil der Agentur an den Leipziger Flughafen verlegt werden.

Warum der Ort Leipzig/Halle?

Grundsätzlich spielt es schon eine Rolle, dass der Bund mehr Behörden und Agenturen in den neuen Bundesländern ansiedeln will. Es gibt immer noch ein großes Ungleichgewicht hinsichtlich der Verteilung von Bundesbehörden, zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Allerdings meint Professor Christop Igel, Direktor der neuen Cyberagentur:

Aus der wissenschaftlichen Perspektive, wo die herausragenden Forscher und Forscherinnen sind, die sich mit dem Thema Cybersicherheit beschäftigen, wäre möglicherweise der eine oder andere Standort – München, Bonn – augenfälliger gewesen.  

Prof. Dr. Christoph Igel

Doch sieht er insgesamt mehr Vorteile als Nachteile in der Wahl dieses Standorts. So ist der Raum Leipzig/Halle sehr im Wachstum begriffen und eine Region voller Dynamik und einer vielseitigen Gesellschaft. Dies zieht nach Aussagen Professor Igels zahlreiche qualifizierte Fachkräfte an.
Dem stimmt Holger Mann zu. Er ist digitalpolitischer Sprecher der SPD-Sachsen und hält Leipzig für einen der besseren Standorte, die man hätte wählen können.

Gerade wenn ich daran denke, dass zuletzt ganz ganz viele Unternehmen aus dem IT Sektor sich in Leipzig angesiedelt haben, wir hier auch einen Großteil der Informatikstudierenden in Sachsen ausbilden.

Holger Mann, Digitalpolitischer Sprecher der SPD Sachsen

Was ist die Aufgabe dieser Agentur?

Es ist wichtig festzuhalten, dass diese Agentur keine Forschungseinrichtung ist. Sie soll Impulse setzen und Forschungsfragen, sowie Projekte koordinieren. Sie hat mehr die Funktion eines Ministeriums, beziehungsweise einer Behörde inne. Sicherheitsbehörden und Institutionen des Bundes wie Bundespolizei, Bundesnachrichtendienst (BND), der militärische Abschirmdienst (MAD), der Verfassungsschutz (VS) oder auch Teile der deutschen Streitkräfte können auf diese Agentur mit Forschungsfragen zu gehen. Die Agentur versucht dann wiederum mit diesen Fragen auf Forscher*innenteams zuzugehen und mit Forschungsinstituten zusammenzuarbeiten um Ergebnisse in puncto Cybersicherheit zu gewinnen. Dies kann natürlich auch andersrum funktionieren, sodass neue Ergebnisse, die relevant für die Sicherheit im digitalen Raum sein können, dann von der Agentur an die jeweiligen Institutionen weitergeleitet werden.

Warum ist es denn keine Forschungseinrichtung?

Das Konzept dieser Agentur ist nicht unbedingt jung, sondern kommt schon aus dem Jahr 1958. In diesem Jahr wurde die DARPA gegründet. Ausgesprochen bedeutet dies: Defense Advanced Research Projects Agency. Diese Agentur in den USA ist deutlich militärischer ausgerichtet als ihr nachgebildetes deutsches Pendant, funktioniert jedoch in der Struktur sehr ähnlich. Forschungsfragen und -projekte werden an unterschiedliche Institute verteilt und können mit Geldern gefördert werden. In den USA sind das satte 3 Milliarden Euro jährlich, wohingegen der Bund mit 350 Millionen Euro für 4 Jahre rechnet. Doch hat die DARPA durchaus Projekte unterstützt, die heute unser Leben bestimmen. Sowohl das Internet, als auch GPS Systeme waren ursprünglich Technologien des US-Militärs, die erst deutlich später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Heute nutzen beide Systeme fast alle Menschen der westlichen Hemisphäre und zahlreiche Menschen weltweilt. Eventuell ist die Agentur in Deutschland auch in der Lage moderne Technologien schnell zu identifizieren und zu fördern.

Die Zahl an Hackerangriffen auf Behörden und Unternehmen nimmt jährlich zu, und das nicht nur in Deutschland. Dieser Trend lässt sich weltweit beobachten. Verschlüsselungssysteme werden immer schneller geknackt und bieten nur kurzfristig die Sicherheit, die sie versprechen. Um sensible Informationen zu schützen, nicht nur bei Unternehmen, sondern auch Informationen der Bürger*innen in den Ämtern, müssen dauerhaft neue Technologien und Methoden entwickelt werden. Sicherheitsbehörden warnen vor Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen, wie Krankenhäuser oder Stromnetzwerke. Diese Agentur soll helfen Fragen in puncto Cybersicherheit effektiv bearbeiten zu können.

 

 

 

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