Musik-Highlights: KW24

Neu trifft alt

Bunt, laut, aus aller Welt - Das trifft auf die dieswöchigen Entdeckungen der Musikredaktion auf jeden Fall zu. Hier sind die Musik-Highlights der Woche!
Musikhighlights der Woche - KW24
Musikhighlights der Woche - KW24

Frisch Gepresst: Unser Album der Woche kommt von "Run The Jewels" und heißt "RTJ4". Die Rezension dazu findet ihr hier.

Fontaines D.C. – „I Don’t Belong“

Single-VÖ: 10.06.2020

Im letzten Monat haben uns Fontaines D.C. schon einen ersten Vorgeschmack für ihr neues Album „A Hero’s Death“ geliefert. Dem Titeltrack folgt jetzt der erste Song der Platte und auf dem zeigt sich die Band aus Dublin wieder gewaltig und ergreifend. Nicht nur was ihren eindringlichen Post-Punk Sound angeht, denn auch die Message des Songs hat es in sich. Der Song beschäftigt sich mit der Tatsache, dass das „zu etwas gehören“ zwar weniger einsam macht, aber auch zerstörerisch sein kann. In den Lyrics zeichnen Fontaines D.C. deswegen zwei Bilder: Laut Frontmann Grian Chatten erzählt die erste Strophe die Geschichte eines Soldaten, der die Lobpreisung der Gesellschaft nicht annehmen will. Die zweite Strophe handelt von einem Mann, der in einem Pub für Unruhe sorgt und sich trotz der Freundlichkeit und Zuwendung der Menschen nicht beruhigen lässt. Um das überzeugend rüberzubringen, hat Chatten vor Aufnahme des Songs sogar einige Dosen Bier getrunken.

I had a few cans before I recorded the vocals, I wanted it to sound like I was playing the role of embittered barfly and feel like the soundtrack of someone swaying themselves home after a cold night out - full of principles but surrounded by nobody.

Grian Chatten über „I Don’t Belong“

Für das Video zum Song hatten die Iren eigentlich eine andere Idee. Die wurde aber wegen den Corona-Kontaktbeschränkungen kurzerhand über Bord geworfen und so entstand das Video in Eigenregie. Am Ende geht Chattens Charakter in seinen bedrückenden Gedanken unter.
Das Album „A Hero’s Death“ erscheint am 31. Juli.

Marie Jainta

Kutiman – “Awake in the Rain”

Single-VÖ: 12.06.2020

Der Ausdruck “Weltmusik”, den man häufig als Spartenbezeichnung in Plattenläden findet, wird heutzutage von den meisten Künstlern und Künstlerinnen, die sich darin finden, kritisch betrachtet. Immerhin wird er häufig dazu verwendet, so ziemlich alles, was nicht unter „westliche Popmusik“ fällt, auszusortieren.

Eine neue Bedeutung könnte der Ausdruck dagegen bekommen, wenn man über Kutiman spricht. Immerhin verbirgt sich hinter diesem Pseudonym ein israelischer Produzent, Ophir Kutiel, der Musik aus unterschiedlichen Teilen der Erde, speziell dem afrikanischen Kontinent und der Karibik mit psychedelischer, elektronischer Musik vermischt.

Zu seiner neue Single „Awake in the Rain“, dem zweiten Vorboten des kommenden Albums „WACHAGA“ (VÖ: 17. Juli), wurde er durch eine Reise nach Tansania inspiriert, wobei Kutiman den Song als Hommage an die Kultur und Musik der Menschen am Fuß des Kilimandscharos versteht. Dank flirrender Elektronik und geloopter Vocals kommt trotzdem kein Verdacht von reinem Ideenklau auf.

Martin Pfingstl

Jorja Smith – „Rose Rouge“

Single VÖ: 09.06.2020

Knapp zwei Jahre ist es her, seit Jorja Smith ihr Debüt Album „Lost & Found“ veröffentlichte und damit großen Erfolg feierte. Ihre Musik ist intim, ihre Stimme warm aber kräftig. Jetzt veröffentlicht die Britin mit ihrer neuen Single „Rose Rouge“ ein Cover, was sich zwar passend in ihre Diskografie einfügt, auf welchem sie sich aber auch von einer anderen Seite zeigt. 

„Rose Rouge“ ist die erste Veröffentlichung des Projekts „Blue Note Re:imagined“, einer Compilation von Blue Note Records, die im September erscheinen soll. Bestehen wird die Kollektion aus alten Blue Note Titeln - überarbeitet und von verschiedensten Jazz, Soul und R&B KünstlerInnen performt. Smith gibt dafür dem Jazz-Klassiker „Rose Rouge“ von St. Germain, der 2000 auf seinem Album „Tourist“ erschien, eine neue Note. Gekonnt verbindet Smith die Energie des Originals mit modernen Sounds und gibt „Rose Rouge“ so ihren persönlichen Twist. Falls diese erste Veröffentlichung also stellvertretend für die Kollektion gesehen werden kann, dann kann man sich auf jeden Fall auf mehr freuen.

Lina Kordes

Jehnny Beth – “To Love Is To Live”

Album-VÖ: 12.06.2020

Mit lauter Musik kennt Jehnny Beth sich bestens aus. Immerhin muss sie sich seit fast zehn Jahren als Frontfrau der britischen Postpunk-Band Savages anstrengen, deren laute Gitarren zu übertönen.

Laut wird’s auch auf „To Love Is To Live”, dem Solodebüt der gebürtigen Französin (bürgerl. Camille Berthomier). Diesmal kommt der Krach aber seltener von verzerrten Gitarren und mehr Feedback-reicher Elektronik und Industrial-Schlagzeug. Beth treibt hier ihre persönlichen Dämonen aus, bspw. wenn sie sich in der ersten Single „I’m The Man“ über die einseitigen Machtverhältnisse in binären Geschlechterrollen auskotzt.

Daneben ist aber auch Platz für stille Töne, etwa wenn sie im Song „French Countryside“ zu Pianoklängen über ihre Jugend sinniert. Beth hat sich für das Album von Vorbildern wie David Bowie und Beyoncé inspirieren lassen, weshalb sie sich nie auf einen einzelnen Stil festlegt. Bisweilen ist das eine düstere Hörerfahrung, die sich nicht sofort erschließt, aber auch eine mit zahlreichen emotional eindringlichen Momenten.

Martin Pfingstl

Wargirl – „Dancing Gold“

Album-VÖ: 12.06.2020

Ihren „World Garage Rock Disco“ – Sound machen Wargirl schon seit einigen Jahren und das unter einer einfachen Prämisse: Sie wollen genau so bunt und divers sein wie ihre Heimat Long Beach in Kalifornien. Das erreichen sie nicht nur durch ihre experimentierfreudige Mischung aus Afrobeat, Reggae, Psychedelic, 70s Funk und Garage Rock, sondern auch durch die Besetzung der Band. Die drei Frauen und drei Männer in Wargirl, deren Lebensgeschichten unterschiedlicher nicht sein könnten, wollen auch auf ihrem zweiten Album „Dancing Gold“ den Geist von Woodstock wiederbeleben und das mit Musik, die den „Geist der Freundschaft, der Wahrheit und der Liebe“ verbreitet.

I’m gonna tear it down
cross my heart and never die
and I’ve been around
long enough to never lie

Song: „Dancing Gold“

Trotz oder gerade wegen ihrer Hippie-Attitüde klingen die zehn Songs auf „Dancing Gold“ wunderbar voll und organisch. Dazu kommt die, an den richtigen Stelle kratzige, Stimme von Samantha Parks. Die wurde, genauso wie die Instrumente, weitgehend live aufgenommen und singt optimistisch von Liebe, Frieden und Harmonie. Und das passt bekanntlich ja nicht nur in die 60er.  

Marie Jainta

 

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