Literaturrezension

Nach dem Nichts

Wie würde meine Welt aussehen, wenn ich morgen plötzlich tot wäre? Diese Frage hat sich der niederländische Autor Peter Zantingh gestellt. In seinem Roman "Nach Mattias" überlegt er, wie es nach dem Tod eines geliebten Menschen weitergehen kann.
Im Roman verliert Amber ihren Freund Mattias, aber gleichzeitig führt sein Tod zu neuen Begegnungen.
Dass der Tod auch Menschen zusammenbringen kann, beschreibt Peter Zantingh in seinem Roman "Nach Mattias"

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"Nach Matthias" - Eine Buchempfehlung von unserer Redakteurin Wiebke
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Plötzlich nicht mehr da

Amber kommt abends von der Arbeit nach Hause und erfährt kurz darauf, dass ihr Freund Mattias tragisch ums Leben gekommen ist. Wie soll es jetzt weitergehen? Wie kann sie dieses Loch füllen, das Mattias Tod in ihrem Leben hinterlassen hat? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der niederländische Autor Peter Zantingh in seinem fiktiven Roman "Nach Mattias". Einfühlsam beschreibt er, wie Angehörige und Freunde allmählich mit Mattias' Tod klarkommen.

Die Perspektiven seiner Mitmenschen

Mattias bleibt dabei der Mittelpunkt des Romans - und das, obwohl er aktiv gar nicht darin auftritt. Doch die Art, wie er aus der Perspektive seiner Mitmenschen beschrieben wird, zeichnet allmählich ein genaues Bild von ihm. Mitmenschen, das sind seine Großeltern, seine Mutter oder sein bester Freund. Aber auch Menschen, die ihn nur flüchtig kannten oder nie kennenlernen konnten. Der Geschäftsmann zum Beispiel, dessen Ferienwohnung Mattias und Amber sich gemietet hatten - bevor sie ihren Urlaub beginnen können, da Mattias bereits verstorben ist. Jeder Person widmet Peter Zantingh ein eigenes Kapitel im Roman.

Eine Schlüsselfigur ist jedoch Mattias' Freundin Amber. Im letzten Kapitel des Romans erfährt die Leserin, wie die letzte Begegnung der beiden aussah.

Zu mir sagte er: Mit dir ist auch sowas wie allein. Da spielte ich die beleidigte und er fügte hastig hinzu: Das meine ich als Kompliment. Aber an jenem Tage arbeite ich lange… Wir würden später schon noch über unseren Streit sprechen. Wir würden uns zusammensetzen… Ich erinnere mich an jene unbestimmten Stunden, in denen ich noch nicht wusste, was mich erwartete. Jene Zugfahrt… Auf dem Bahnhof, wo ich aussteigen musste, wurden Wagen abgekoppelt. Ich hatte in dem Teil gesessen, der stehen blieb.

"Nach Mattias", S. 223

Der Tod eines geliebten Menschen ist immer schmerzvoll - wie gelingt es, irgendwann wieder Kraft zu schöpfen?
Wie gehe ich mit dem Tod eines geliebten Menschen um? Diese Frage stellt sich der Autor Peter Zantingh

Einen Weg für sich finden

Die Leserin erfährt durch Mattias' Mitmenschen aber nicht nur, wer Mattias war. Viel wichtiger wird die Frage, wie seine Mitmenschen mit seinem Tod umgehen und was sie tun, um den Verlust zu verarbeiten. So beginnt Mattias' Mutter, Geflüchteten zu helfen. Mattias' bester Freund entscheidet sich dazu, einen blinden Mann beim Joggen zu unterstützen, um sich abzulenken. So wählt jede Person ihren eigenen Weg, um mit dem Ereignis klarzukommen.

Der Pessimismus steht hinten an

So traurig das Schlüsselereignis auch ist, Peter Zantingh schafft es, dass sich trotzdem keine düstere Grundstimmung über den Roman legt. Dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen aus verschiedenen Perspektiven zu Wort kommen, sorgt dafür, dass der Roman abwechslungsreich bleibt. So bleiben nicht nur Tod, Trauer und Verlust die wichtigsten Themen des Romans. Auch Themen wie Alkoholsucht, die Integration von Geflüchteten oder Fremdenfeindlichkeit werden dem Lesenden nahe gebracht. Wie die Gesellschaft mit behinderten Menschen umgeht, ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Denn der Laufpartner von Mattias' besten Freund verliert allmählich sein Sehvermögen.

Du denkst natürlich, dass es schwierig ist. Mit so einem Stock. Du selbst siehst deine Umgebung schon seit Jahren als viereckige Bildausschnitte, die du dir im Geiste mit dem Filterrad zusammendrehst.

"Nach Mattias", S. 163

Was würde mein Tod für andere bedeuten?

Peter Zantingh schafft es, all diese Themen einfühlsam aufzugreifen und ihnen mit den Charakteren im Roman ein Gesicht zu geben. Etwas schade ist, dass diese allerdings nicht tiefer behandelt werden. Aber das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht. Der Lesende landet so immer wieder bei der Frage, was ein unerwarteter Tod für das eigene Umfeld bedeuten kann. Und so traurig dieser Gedanke auch ist, Zantinghs Roman zeigt, dass es irgendwann wieder möglich ist, Hoffnung zu schöpfen. Er regt an zum Nachdenken über das, was ein erfülltes Leben ausmacht.

 

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Der Roman "Nach Mattias" von Peter Zantingh ist im Diogenes Verlag erschienen. Er ist 232 Seiten lang und kostet 22 Euro.