Gamecheck: Fallout 4

Nach 100 Stunden kommt die Frustration

Acht Jahre hat es gedauert, bis der neue Teil von Fallout in den Regalen gestanden hat. Bethesda Softworks brauchte die Zeit aber, denn mit seinen Vorgängern lässt sich das neue Produkt nicht mehr vergleichen. Auch wenn nicht alles gut ist.
Der Typ des Spiels mit seinem Hund
Dogmeat und sein Herrchen

Fallout 4 ist neben The Elder Scrolls ein Flaggschiff von Bethesda Softworks. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Fans der Reihe den neuen Teil sehnlichst erwartet haben. Viele befürchteten, dass nach vier Teilen und mittlerweile 20 Jahren Spielgeschichte die Luft raus ist und es kaum noch Neuerungen geben kann. Allerdings haben die Entwickler überrascht. Es gibt nach wie vor keinen Online-Modus bei Fallout. Nach der großen Pleite von The Elder Scrolls-Online wurde wohl intern eingelenkt und man entschied sich, die klassischen Wege des Spiels beizubehalten. Eine neue Story gibt es auch, allerdings ist sie den alten sehr ähnlich. Als Held oder Heldin ist man Teil einer Familie die tragisch zerrissen wird. Durch das Ödland streifend begibt man sich dann auf die harte und lange Suche nach den Geheimnissen der Familie.

Die Rezension zu Fallout 4 von Gamingredakteur Merten Waage
Rezi Fallout4

 

Moderator Thilo Körting im Gespräch mit Gamingredakteur Merten Waage über die Gesellschaftskritik in Fallout 4
SG Fallout4
Mann rennt durchs Ödland
Spielgrafik

Grafik

Das Spiel weist selbst auf den Konsolen eine brillante Grafik auf. Trotz der großen Welt, die nahezu nahtlos miteinander verknüpft ist, lädt das Bild schnell und es gibt keine Pixel- oder Framefehler. Perfektionismus ist man von Bethesda gewohnt und diesen Anspruch erfüllen sie auch Fallout 4. Es gibt allerdings ein paar Probleme bei der Kameraführung im Bau-Modus. Diese werden dann in einem späteren Abschnitt erklärt.

Personen und Tiere bewegen sich auch in Kampfszenen flüssig. Die Mimik und Gestik ist manchmal deplatziert, da es nicht immer zu 100% synchronisiert ist. Man merkt, dass die Gespräche auf einer englischen Basis entwickelt wurden.

Die Charaktereinstellung

Rasiert oder doch lieber glatt?
Beatbeitung der Charakter

Dieser Bereich ist direkt zu Beginn des Spiels eingesetzt. Vor einem Spiegel kann man den Mann oder die Frau individuell gestalten und charakterisieren. Besonders schön ist dabei die unendliche Varianz. Man kann sich seinen Lieblings–Promi erstellen oder den absoluten Super-Soldaten mit extremen Muskeln und einem narbenübersäten Körper. Egal welche Stelle des Gesichts oder Körpers, alles kann verändert werden. Nicht nur die Form, sondern auch Farben und die Behaarung.

Der Baumodus

Im Laufe der ersten Spielstunde entdeckt man mit seinem Helden die größte Neuerung in Fallout 4. Als Bürgermeister ist es nun möglich, eine eigene Siedlung zu bauen. Das bedeutet Häuser, Zäune, Möbel und alles nur Erdenkliche kann selbst hergestellt und individuell aufgestellt werden. Selbst Nahrung und Wasser muss selbst beschafft werden. Floriert die Siedlung, kommen auch neue Siedler, denen man dann Jobs geben kann.

Wohnung des Helden
Eine nette Bude in Fallout 4

Für das ganze Konzept wurde im Spiel selbst ein extra Modus eingeführt. Er erinnert an den Sims-Baumodus. Dabei gibt es aber Probleme mit der Kamerasteuerung, da die Wände oder sogar ganze Häuser vor der Nase herumgetragen werden. Das kann das Sichtfeld schon mal stark einschränken. Ansonsten ist eine sehr gute Idee. Die Materialien zum Bauen muss man übrigens selbst organisieren. Durch Gegenstände wie Bäume, Schrotthaufen, Ventilatoren oder Radios, die zerlegt werden müssen, erhält man Schrauben, Bretter, Platten oder extravagante Dinge wie Kristalle oder Gold.

Weitere Neuerungen

Waffe ausbauen leicht gemacht
Die Personalisierung von Waffen

Der Spieler kann mit dem neuen Teil nicht mehr nur Waffen und Rüstungen reparieren. Sie können jetzt auch individuell verstärkt und behandelt werden. Es ist zum Beispiel möglich, eine Lederrüstung zu härten oder eine Leichtbauweise daraus zu machen. Dafür benötigt man allerdings wieder Materialien, wie Kleber oder Kohlefasern.

 

 

 

 

Kampf der Giganten
Powerrüstung gegen Todeskralle

Die Powerrüstung kennt jeder engagierte Spieler der Reihe seit dem ersten Teil. Neu ist allerdings, dass man jetzt in sie einsteigen kann und sie wie ein Fahrzeug benutzt. Es können auch Teile, wie Helm oder Beine ausgetauscht, einzeln repariert oder individualisiert werden. Aus älteren Teilen kennt man auch noch das Problem, erst eine Fähigkeit ausbilden zu müssen, um die Powerrüstung tragen zu können. Das Problem hat man jetzt nicht mehr. Man muss sich in seinem Lager nur Aufhängungen bauen und sie mit Fusionskernen betreiben. Die muss man sich in den Weiten des Ödlandes zusammensuchen und hart erkämpfen. Ansonsten sitzt man in einer lahmen Mühle und kann lieber ohne dem Apparat rumlaufen.

Das Gameplay

Eigentlich ist Fallout 4 – wie seine Vorgänger – ein klassischer Shooter. Besonderes Merkmal ist aber, dass durch den neuen Baumodus kein kämpfen mehr notwendig ist, um Erfahrungspunkte zu erhalten und im Level zu steigen. Der Spieler erhält auch durch das Bauen von Gegenständen gute Erfahrungspunkte. Durch einen Levelanstieg erhält man einen Erfahrungspunkt. Mit dem kann der Spieler selbst aus dutzenden Fähigkeiten auswählen und eine verbessern. Besonders zu Beginn des Spiels ist das sehr frustrierend, da man viele Fähigkeiten, wie Schlösser knacken oder Computerhacking dringend benötigt, aber einfach nicht so schnell ausbilden kann.

Stats und Chars
Die Basis der Charakterentwicklung

Wie in allen älteren Teilen benötigt man außerdem gute Basiswerte in Intelligenz, Bewegung oder Glück, um Fähigkeiten zu 100 % ausbilden zu können. Ansonsten kann man sich in Fallout 4 ausleben. Egal ob es eine heimeliche Siedlung werden soll oder Ruf des Badasses im Ödland: das Spiel bietet nahezu für jeden einen Teil, in dem er sich besonders ausleben kann. Für einen Pazifisten ist das Spiel dennoch nichts. Man kann die Missionen des Spiels nur durch töten und zerstören komplett vervollständigen. Das ist mit viel Blut verbunden und auch mit viel Gewalt.

Ein schöner Aspekt ist allerdings, dass man auf mehreren Wegen mit den Charakteren im Spiel kommunizieren kann. Egal ob energisch, sarkastisch oder freundlich, die Gesprächspartner reagieren individuell und geben Teils selbst lustige oder sarkastische Antworten.

Garage des Helden
Die Garage mit der powerrüstung

Fazit

Fallout 4 kommt mit einer großen Packung an Inhalten. Es ist grafisch gut aufgearbeitet und überrascht mit seinen zahlreichen Neuerungen. Aber auch der Nostalgiker kommt nicht zu kurz, denn klassische Gegenparteien wie Raider oder Mutanten trifft man auch im neuen Teil. Es ist mittlerweile auch ein gesellschaftskritisches Spiel geworden, da es auch zeigt, dass man in einer völlig zerstörten Welt nicht nur alles kaputt machen sollte. In allen vorherigen Teilen, gab es kaum Möglichkeiten, das karge Ödland wieder zu bereichern. Für sein Geld erhält man etwa 400 Stunden Spielzeit. Es ist derzeit eines der umfangreichsten Spiele auf dem Markt. Durch die Größe hat es noch Probleme in der Performance, wie Kamerasteuerung oder beim Gestikulieren.

Im März, April und Mai gibt es schon die nächsten Erweiterungen. Die erweitern aber nicht nur die Missionen, es sollen auch neue Baumöglichkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten für den Charakter geben.

 

Automatron

Erweiterung Automatron

Preis ca.: 9,99 €
Erscheinungstermin: März 2016

Der geheimnisvolle Mechanist hat eine Horde übler Roboter ins Commonwealth geschickt, darunter auch das hinterhältige Robohirn. Durch das Jagen und Zerstören der Roboter kann man Teile ergattern, um selbst Roboterbegleiter bauen zu können. Auch diese Begleiter kann man dann durch unzählige Mods umlackieren, verbessern oder personalisieren. Außerdem soll es neue Waffen und Mods für die Siedlung geben.
 

 

Wasteland Workshop

Erweiterung Wasteland Workshop

Preis ca.: 4,99 €
Erscheinungstermin: April 2016

Entwerft mit dem Wasteland Workshop Käfige und stellt diese auf, um darin Lebewesen lebendig zu fangen – von Raidern bis zu Todeskrallen. Die Gefangenen exemplare soll man dann zähmen können oder sich mit ihnen anfreunden. Der Wasteland Workshop soll eine Reihe neuer Design-Optionen für eure Siedlungen wie beispielsweise Nixie-Röhren-Beleuchtung oder andere Beleuchtungsmöglichkeiten bieten.
 

 

 

Far Harbor

Erweiterung Far Harbor

Preis ca.: 24,99 €
Erscheinungstermin: Mai 2016

In einem neuen Fall der Detektei Valentine begebt ihr euch auf die Suche nach einer jungen Frau und einer geheimen Synth-Kolonie. Ihr reist von der Küste Maines zur geheimnisvollen Insel Far Harbor, wo höhere Strahlungswerte eine noch sehr viel bedrohlichere Welt geschaffen haben. Erlebt den wachsenden Konflikt zwischen Synths, den Kindern des Atoms, und den Bewohnern der Stadt. Far Harbor hat die größte Landmasse aller Add-on-Inhalte und bietet neue Quests für die Fraktionen, Siedlungen, tödliche Kreaturen und Dungeons. Allerdings ist noch nicht klar, wie groß der Umfang tatsächlich ist.

 

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Merten Waage
24.02.2016 - 15:18