Stadt teilen: Gohlis

Museum "Fahrzeugbau-Stoye" in Gohlis

Im Leipziger Stadtteil Gohlis befindet sich ein Museum, das die Geschichte eines weltbekannten Fahrzeugbauers des 20. Jahrhunderts wieder aufleben lassen will. Museumsleiter Claus Hüne erzählte uns, warum.
Stoye Leipzig Schild
Stoye Leipzig Schild

Eine Simson mit Seitenwagengespann ist eines der vielen Sinnbilder, das Wendekinder mit dem ehemaligen Ostdeutschland verbinden. Dass Leipzig einen der weltweit führenden Seitenwagenhersteller hervorbrachte, daran möchte das Museumsprojekt Stoye-Fahrzeugbau Leipzig im Stadtteil Gohlis erinnern. In den originalen Firmengebäuden und Werkstätten entstand ein Projekt, das die Geschichte und Teilhabe der Stadt Leipzig im Fahrzeugbau am Leben erhält.

Die Geschichte hinter "Stoye"

Die Geschichte des Stoye-Seitenwagens begann vor 90 Jahren in Leipzig. Walter Stoye, ein innovativer Konstrukteur und Mechaniker, gründete zunächst eine Werkstatt für allerlei anfallende maschinelle Reparaturen. Seine ersten eigenen Seitenwagenmodelle gingen dann 1925 in die Serienproduktion. Zwanzig Jahre später wechselte Stoye auch den Standort in die Lindenthaler Straße in Gohlis. Dort kann man seit 2011 im Museumsprojekt auf historische Spurensuche gehen. Nach der Verstaatlichung 1972 wurde der Betrieb enteignet und Stoye hätte von da an, wie uns Museumsleiter Hüne erzählte, "nichts mehr zu sagen" und verstarb auch im selben Jahr. Mit seinen Seitenwagenmodellen und technischen Entwicklungen machte er sich im Fahrzeugbau weltweit einen Namen und stellte in seiner Firma innerhalb von vierzig Jahren ca. 150.000 Seitenwagen her.

Es ist ja im Endeffekt auch Geschichte für die Region, für die Stadt Leipzig, die eigentlich zum Großteil fast völlig unbekannt war.

Claus Hüne, Museumsleiter

Werstattraum 2
Werkstattraum 2: Tisch

Seitenwagentreffen

Die Bedeutung Leipzigs für die damalige Industriekultur und die Geschichte hinter dem Namen Stoye möchte das Museumsprojekt unter der Leitung von Claus Hüne wieder aufleben lassen. Ausgestellt sind nicht nur originale Seitenwagenmodelle, sondern auch Werkzeuge und Alltagsgegenstände der damaligen Werkstätte. Das Highlight für alle Beteiligten ist das jährliche Seitenwagentreffen am ersten Samstag im Oktober. Dort kann man sich mit anderen Liebhabern austauschen, über die Geschichte der Seitenwagen informieren oder einfach nur die historischen Modelle bewundern. Das nächste Treffen findet am 3. Oktober 2015 auf dem Firmengelände in Gohlis statt.

Wir haben bei dem Treffen wirklich zum Thema nur historische Gespanne, beziehungsweise historische Seitenwagen und zu dem Thema speziell gibt es eigentlich bisher kein größeres Treffen.

 

Claus Hüne, Museumsleiter

Werstattraum 1
 

Wie geht’s weiter?

Noch ist das Museum nur mit Terminvereinbarung begehbar. Da es ein Privatgebäude ist und dazu noch zeitliche und finanzielle Mittel fehlen, basiert das Projekt derzeit nur auf freiwilligen Mitarbeitern. Das Ziel ist es jedoch, mehr an die Öffentlichkeit zu gehen und mit mehr Struktur im Projekt eine regelmäßige Nutzung des Museums zu ermöglichen.

Es ist exotisch, aber das ist eben gerade das Schöne.

Claus Hüne, Museumsleiter

Werkstatt 3
Werkstatt 3: Wagen

 

Ein Beitrag von Laura Richter (Sprecherin) und Sophie Reißner.
 

 

 

Kommentare

Hallo Freunde der STOYE-Geschichte,
es ist erfreulich, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich um den Erhalt vergangener (auch ausgestorbener) Fertigkeiten unserer Vorfahren bemühen. Zu meiner Geschichte STOYE in Leipzig möchte ich hier etwas beitragen.
1955 arbeitete ich in Leipzig in der Braustraße/Ecke Dufourstraße in einer BMW-Motorradwerkstatt als Kfz-Schlosser. Zu dieser Zeit arbeitete dort auch Werner Mittenzwei im Verkauf. Die Firma BMW-Greiner wurde etwas später vom Konsum übernommen. 1967 hatte ich eine Jawa 350ccm und wollte einen STOYE-Superelastik anbauen. Dieses Vorhaben stellte sich als kompliziert heraus, denn seitens der KfZ.Zulasungstelle gab es dafür keine Freigabe. Der Rahmen der Jawa sei dafür nicht geeignet. Ich gab nicht auf und nutzte meinen Kontakt zu Werner Mittenzwei. Es war bekannt, dass es Erprobungen mit Jawa und STOYE-Superelastik gegeben hatte. Durch den vorangegangenen Kontakt zu Werner Mittenzwei hatte ich von der Konstruktion in der Lindenthaler Straße die dort existierenden Schablonen ausgeliehen und nachgebaut. 4 Jahre lang konnte ich das Gespann mit 2 Kindern im Beiwagen nutzen. Leider habe ich aus dieser Zeit kein Foto von dem Gespann. Was sich aber tatsächlich als Schwachpunkt herausstellte war, dass der Kastenrahmen von der JAWA oben am Steuerkopf auseinander ging. Mittels einer Klemmschelle wurde das Problem jedoch behoben.
2015 habe ich eine AWO 425-S Baujahr 1959 (sie war seit 1992 zeitweise still gelegt) wieder zum Leben erweckt und daran baue ich zur Zeit einen gut erhaltenen STOYE-Superelastik SE-SI Baujahr 1963 Nr.GY98 mit Kastennummer 2275. Es ist für mich der beste Seitenwagen!!!!
Für die weiteren Aktivitäten zur Erhaltung der STOYE-Geschichte wünscht viel Erfolg
Helmut Immich
15370 Vogelsdorf/b.Berlin

Hallo Helmut,
ich habe gerade Deinen Kommentar zum mephisto-Beitrag vom März 2015 entdeckt und dabei erfahren das W. Mittenzwei hier noch in den 50er Jahren in der Braustraße gearbeitet hat. Das wußte ich bisher nicht. Ich würde mich freuen, wenn wir direkt in Kontakt kommen, vielleicht erfahre ich noch weiteres was wir mit in unsere Stoye-Geschichte einarbeiten können.
Am 2.10. haben wir wieder Treffen, siehe www.StoyeLeipzig.de
Grüße aus Leipzig, Claus H.

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