Müll

Mülltour durch Leipzig-Ost

Müll und Leipzig – das ist ein Problem. Wir haben deshalb den Leipziger Osten mal unter die Lupe genommen. Ein informierender Reisebericht.
auf dem Foto ist ein überfüllter Mülleimer im Lene-Park
Überfüllter Mülleimer im Lene-Park

Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Temperaturen bis zu 20 Grad bedeuten: raus aus den vier Wänden, rein in die Parks und Corona vergessen. Aber es bedeutet auch wieder mehr Müll – jede:r bringt etwas mit, sei es das Sterni, Chipstüten oder Pizzakartons, was am Ende des Tages in Mülleimer muss.

In Leipzig ist der Müll in letzten Jahren aber häufig nicht am richtigen Ort gelandet, sondern einfach auf der Wiese, im Gebüsch oder auf dem Gehweg. Man nennt das illegale Ablagerungen. Davon hat es im Jahr 2019 allein 1.652 Tonnen gegeben und die Stadt Leipzig insgesamt 286.000 Euro gekostet. 

Vor diesem Hintergrund haben wir uns selbst mal auf die Suche gemacht und den Leipziger Osten nach Müll durchforstet, Hotspots gebe es laut Stadtreinigung hier nämlich genug.

Schmuckstücke in Gebüschen

Den Anfang hat das Rabet gemacht, der Park direkt an der Eisenbahnstraße, kultureller Schmelztiegel und beliebter Abhängspot für die Menschen des Leipziger Ostens. Nach einer Runde durch den Park ist klar: Ja es gibt Müll und ja, er liegt oft da, wo er nicht liegen sollte. So läuft man gefühlt alle zehn Meter auf eine einsame Plastiktüte – Hecken und Gebüsche stellen förmlich Schatzkammern für Müllsuchende dar. Dort findet man nämlich nicht nur Klassiker wie Plastik- und Chipstüten, sondern auch Schmuckstücke wie Fahrradreifen, Winterjacken und Proteinshakedosen.

Der Anfang hat also nicht enttäuscht, weshalb es mit diesen Eindrücken weiter in die Dornbergerstraße gegangen ist; eine Straße die uns von der Stadtreinigung explizit als Müll-Schwerpunkt genannt worden war.

Apropos Stadtreinigung: um dem Müll Einhalt zu gebieten, hat sie im Jahr 2020 unter anderem mit der Stadt Leipzig das Projekt „Stadtsauberkeit“ ins Leben gerufen. Ziel davon sei es, illegale Ablagerungen in Leipzig zu entfernen. Dafür seien 22 Mitarbeiter:innen eingestellt worden, die täglich, insbesondere die Hotspots, nach Müll kontrollieren. Das Projekt soll aber nicht nur dazu dienen Müll zu entsorgen, sondern auch ein neues Bewusstsein bei Bürger:innen schaffen. Deshalb arbeite die Stadtreinigung mit verschieden Vereinen und Organisationen zusammen, indem sie diesen zum Beispiel Greifzangen, Handschuhe und Säcke zu Verfügung stelle, damit diese dann selbst Müll einsammeln können. Denn laut Susanne Zohl schaffe gerade das ein besseren Umgang mit Müll: 

Wenn man selber mal Abfall mit der Greifzange aufwendig aufgelesen hat, bekommt man ein Gefühl, was das für eine schwere Arbeit ist und überlegt sich vielleicht dreimal, ob man irgendwas in die Umwelt wirft

Susanne Zohl, Stadtreinigung Leipzig

Illegale Spenden

Mittlerweile sind wir in der Dornberger Straße angekommen und auch sie wird ihrem Namen als Müll-Hotspot gerecht. So begrüßen uns am Straßenanfang ein Berg Altkleider, eine abgenutzte Matratze und eine ramponierte Metalllampe, schön ordentlich neben die hiesigen Müll-/Altkleidercontainer platziert. Im weiteren Verlauf werden wir Zeug:innen einer vergangenen feuchtfröhlichen Nacht. So säumen leere Schnapsflaschen Teile des Straßenrandes. Und auch das Straßenende steht ganz im Zeichen des Mülls. So erhebt sich auf der kleinen Grünfläche am Ende der Straße zum Abschied nochmal ein Konglomerat aus Plastiktüten, Verpackungen und Sperrmüll. 

Natürlich muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass es auf Leipzigs Straßen nicht nur Müll gibt – in Leipzig existiert auch eine ausgeprägte Sharing-Kultur. Sie findet ihren Ausdruck unter anderem in Kartons voll mit Geschirr, Klamotten und Bücher, die nicht selten wahre Schätze enthalten. Susanne Zohl von der Stadtreinigung findet den Grundgedanken deshalb auch gut, weist aber daraufhin, dass es sich dabei ohne Genehmigung auch um eine Ordnungswidrigkeit handle. Am Ende werde nämlich einfach zu viel nicht mitgenommen:  

Denn oft genug bleiben diese abgelegten Gegenstände liegen. Niemand kümmert sich darum, niemand will sie haben und am Ende entsorgen die Spender auch diese Abfälle nicht.

Susanne Zohl, Stadtreinigung Leipzig

Sie empfiehlt den Spender:innen deshalb, ihre alten Sachen zum Beispiel über die Angebote der Stadt weiterzugeben. Für alle, die das nicht machen wollen, bieten aber auch Gruppen wie “Sharing is caring-ost” auf dem sozialen Netzwerk Telegram eine Möglichkeit alte Sachen loszuwerden. 

Zu wenig Mülleimer

Wir sind inzwischen im letzten Abschnitt auf unserer kleinen Müll-Tour durch den Leipziger Osten angekommen. Hier wollen wir nochmal den Lene-Voigt-Park inspizieren, ähnlich wie das Rabet ein Hotspot für Menschen sämtlichen Alters im Leipziger Osten. 

Viel neues lässt sich hier nicht schreiben: so begegneten wir auch im “Lene”  vielen Plastiktüten, die ihren Besitzer vermissen, und in den Rändern auch ausgefallenere Sachen wie einen Eimer und Spaten oder einen zertrümmerten Plastikstuhl. Was uns hier aber nochmal besonders ins Auge gesprungen ist, waren die überfüllten Mülleimer. 

Eine Problematik, die anscheinend nicht nur uns aufgefallen ist, sondern auch die Linksfraktion im Stadtrat beschäftigt. So soll laut Medienbericht die Stadt Leipzig im Vergleich zu anderen Großstädten hinsichtlich der Zahl an Mülleimern nicht gut aussehen. Deshalb wolle die Linksfraktion eine “Bedarfsanalyse” vornehmen, um diese Situation zu verbessern. Dabei soll zum Beispiel mithilfe der Bürger:innen herausgefunden werden, wo Mülleimer für Bürger:innenn besonders wichtig seien. 

Man darf dementsprechend gespannt sein, wie sich die Müllsituation hier in Leipzig entwickelt. Denn das ist uns auf unserer kleinen Reise nochmal klar geworden: es gibt hier zu viel Müll, der nicht da liegt, wo er hingehört. Damit sich die Situation verbessert wird es aber mehr brauchen als eine Bedarfsanalyse und mehr Mülleimer, es wird auch Eigenverantwortung benötigen. Jeder sollte sich hinterfragen, wie viel Müll er produziert und wie er mit diesem dann umgeht. Und sind wir ehrlich, davon würden wir alle profitieren. Wer will denn schon gerne bei blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und Temperaturen bis zu 20 Grad neben einer leeren Chipstüte und Pizzakartons im Park die Seele baumeln lassen.

 

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Tizian Glaser, Carlotta Sohns
26.02.2021 - 14:54