Themensendung: Volksmusik

A Mords-Gaudi

Oft durch den Kakao gezogen, selten (hinter-)gründlich beleuchtet. Unter der oberflächlichen 'Heile Welt'-Attitüde und mehr oder minder perfiden Vermarktungsstrategien steckt, abseits von Klischees, ein kulturell verkanntes, traditionelles Genre.
Die Schwarzwasserperlen Bernsbach im Heu

Volksmusik ist nicht gerade everyone's darling. Gerade der jungen Bevölkerung ist sie (wohl) nicht sexy und cool genug. Unter den älteren Mitmenschen ist die Begeisterung für Kastelruther Spatzen und Co aber ungebrochen. Sie sorgen im Gegensatz zum juvenilen Mainstream-Hipster sogar dafür, dass der Volksmusikmarkt einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige, ist, der nicht unter rapide sinkenden Absätzen leidet. Insbesondere die Verkäufe von physischen Tonträgern profitieren vom eher altmodisch gesinnten Publikum. Das wiederum freut die Labels, ist eine verkaufte CD doch immer noch lukrativer, als das Downloadgeschäft.

 

Im Sektor des volkstümlichen Schlagers werden dabei teils fragwürdige Verkaufsstrategien angewendet. Da wird auf die Tränendrüse der Omi gedrückt und teils blutjunge Künstler in ein Image gezwengt, dass sie noch mehr einzwängt, als das obligatorische Trachtenkostüm es ohnehin schon tut. Die Volksmusiklabels haben aber sicherlich kein Hausrecht auf perfide Vermarktungs-strategien. Man schaue sich nur einmal im Popzirkus mit seinen Zugpferden Miley C und Justin B um..Die Volksmusik hat ihren Background vor allem in traditioneller Hausmusik. In urbanen Gegenden fast gänzlich aus dem Alltag verschwunden, wird auf dem Land diesem zugegeben eher traditionellen Hobby immer noch gefrönt. Daher auch der provinzielle Anstrich des Genres.

 

Durch den regionalen Touch ist Volksmusik aber auch kulturell sehr heterogen und verbreitet (von Nord bis Süd, von Shanty bis hinzu Alpenkombos). Aber auch im Erzgebirge gibt es interessante Volksmusikbands zu entdecken. Wie z.B. die Schwarzwasserperlen. Das Interview zum Nachhören finden sie weiter unten auf dieser Seite.

 

Eines der dominantesten Instrumente in der Volksmusik ist das Akkordeon. Aber auch die Zither oder andere Saiteninstrumente wie Violine oder Gitarre gehören zur klassischen Bestückung. Nicht zu vergessen sind auch die Bläser, in den Neunzigern ganz prominent dargeboten von den Wildecker Herzbuben und Stefan Mross. Hören sie mehr dazu in einem Beitrag von Musikredakteur Felix Schmidt.

 

Ganes machen nicht unbedingt Volksmusik. Aber sie singen in einer volkstümlichen Sprache, auf Ladinisch. Das ist ein rätoromanischer Dialekt, der von nur noch rund 30.000 Menschen in den Bergen Südtirols gesprochen wird. Mit ihrer Musik wollen Ganes die Sprache nicht nur am Leben halten, sie wollen beweisen das volkstümliche Elemente sich durchaus erfolgreich mit Popelementen mischen lassen.

 

Volksmusik kann also auch anders, als traditionell und langweilig. Den Beweis liefert der Tonleiter.

 

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André Beyer
17.04.2014 - 20:32
  Kultur