Konzertbericht

Moderner Geschichtenerzähler

Am Montag den 08. Februar spielte Tristan Brusch mit seiner Band im Täubchenthal. Dort präsentierte er seine neue EP „Fisch“.
Tristan Brusch präsentierte in Leipzig seine neue EP Fisch
Tristan Brusch präsentierte in Leipzig seine neue EP Fisch

Erwartungen

Spiegelnde John Lennon Brille, buntes Hemd, Blechtrommel und weiße Haare – darauf stößt man, wenn man Bilder von Tristan Brusch im Internet sucht. In seinem Musikvideo zum Song „Fisch“ kommen Pastellfarben und ein Hamsterkäfig dazu. Er wirkt wie ein ausgefallener Querdenker, ein verspielter Paradiesvogel. Bei seinem mephisto 97.6 Live-Interview am Montagmorgen zeigt er sich allerdings ruhig, bedacht und zurückhaltend. Wie diese Eindrücke zusammenpassen sollen, war mir vor dem Konzertbesuch nicht ganz klar. Im Studio spielte er außerdem eine Akustik-Version seines Songs „Fisch“ nach dem seine aktuelle EP benannt ist. Daraufhin verbrachte ich den gesamten Nachmittag mit einem Ohrwurm und wartete gespannt auf den Auftritt dieses kontrastreichen Künstlers.

Erster Eindruck

Zum Konzert erscheint ein besonderes Publikum. Unter den Gästen sind Teenager, die gespannt in der ersten Reihe warten, aber auch Mitte Dreißig Jährige, die sich eher in hinteren Teil des Clubzimmers im Täubchenthal aufhalten. Als Vorband spielt das Duo Alaska aus Berlin. Mit atmosphärischem Elektro-Pop bringen sie das Publikum in Stimmung. Danach ist die Bühne dunkel und plötzlich erscheint Tristan Brusch mit seiner Siegelsonnenbrille am Piano. Sein Gesicht ist ausdruckslos und es läuft ein Hörspiel. Dieses erzählt die Geschichte von einem einsamen König in seinem Atelier, der unbedingt geliebt werden möchte. Auf der Bühne befinden sich Fischdekoration und pastellfarbene Tücher. Das Hörspiel endet und Tristan Brusch startet sein Konzert.

Musik

Beim ersten Song ist er noch alleine auf der Bühne. Er spielt Piano und singt das Lied „James Dean“. Ob damit die Geschichte des einsamen Königs weitergeführt wird, bleibt offen. Danach setzt Tristan Brusch die Brille ab und seine dreiköpfige Band kommt dazu. Natürlich mit spiegelnden Sonnenbrillen. „Kommt näher ran, ich will euch riechen können“, ist der erste Satz den Tristan Brusch direkt ans Publikum richtet. Das Publikum antwortet mit einem Schmunzeln und rückt näher. Die Musik von Tristan Brusch ist vielfältig und kann nicht in einen einzigen Genre zusammengefasst werden. Es reicht von ruhigen Balladen („Bleib einfach hier“) bis zu schnellen Rocksongs („Euer bester Freund“). Indie-Pop trifft es noch am besten. Doch alle Lieder erzählen Geschichten. In diesen greift Tristan Brusch große Themen wie Vergänglichkeit und Liebe auf. Seine bildhafte Sprache lädt zum Fantasieren ein. Seine aktuelle Single „Fisch“ ist natürlich ebenfalls dabei. Als Zugabe bringt er „Little Funny Man“. Mit einem kräftigen „Ich liebe euch“ geht Tristan Brusch von der Bühne.

Fazit

Trotz der großen Themen wirkt Tristan Brusch locker und natürlich. Er legt dem Publikum nahe die Sängerin Hildegard Knef aufgrund ihrer Texte „mal auszuchecken“ und betont während seines Auftritts mehrfach, dass das Publikum näher kommen soll weil er es riechen möchte. Tristan Brusch ist kreativ und offenbart uns seine eigene Sicht auf die Welt. Nach einem zweitägigen Ohrwurm von „Fisch“ kann ich mit Abstand sagen, dass er ein Träumer ist, der uns musikalisch durch seine kuriosen Geschichten führt.

 

 

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Theo Toppe
16.02.2016 - 12:35
  Kultur