CD der Woche

Mode Moderne - Occult Delight

Wenn Menschen sich dazu veranlasst sehen, den Frontmann einer Band mit Legenden wie Ian Curtis und Morrissey zu vergleichen, sollte die Gruppe dahinter genauer unter die Lupe genommen werden.
Selbst Gunter von Hagens kann ihnen nichts anhaben: Mode Moderne.

Über Mode Moderne lässt sich bisher nicht viel in deutschen Magazinen finden. Dabei ist die aus Vancouver stammende Band gar nicht mal so neu am Start, nicht mehr als Newcomer zu bezeichnen. Bereits 2009 veröffentlichten Mode Moderne mit "Ghosts Emerging" ihr erstes Album. Der Sound bewegte sich darauf zwischen New Wave- und Post Punk-Einflüssen und sollte damit den Weg für den Stil der folgenden Veröffentlichungen ebnen. Nach der Doppelsingle "Real goths/Undiscovered country" folgte 2012 das Mini-Album "Strange bruises". Damit gelang es der Band endlich, mehr Aufmerksamkeit der Musikkritiker einzuheimsen — zumindest außerhalb Deutschlands. Renommierte Musikportale aus den USA und Großbritannien wie Pitchfork und der NME lobten das Album der Kanadier.

Höchste Auszeichnung bereits erhalten

Lobende Rezensionen und sonstige Preise sind sicherlich ein Teil der Ehrung und Bestätigung in Bezug auf das eigene Schaffen  für Künstler. Statt den Tribut zollenden Kritikern sind es aber vor allem die Fans, deren Stimmen den Künstlern am Herzen liegen. Und davon scheint die 4-köpfige Band bereits einige zu haben. So staunte Sänger Philip Intilé nicht schlecht, als ihm ein Fan ein Foto zeigte, das ein tätowiertes Zitat aus dem Song "Real goths" zeigte. Auch im Internet zeigt sich immer wieder, dass Mode Moderne sich innerhalb der letzten Jahre auch ohne kommerziellen Erfolg eine feste Fanbasis schaffen konnten. Dafür sorgte neben dem Bandsound auch das Songwriting Philip Intilés. Inzwischen wird er aufgrund dessen schon mal Ian Morrissey genannt - eine Anspielung auf die beiden Musiklegenden Ian Curtis (Joy Division) und Steven Patrick Morrissey (The Smiths).

Einflüsse fernab der Heimat

Ganz abwegig sind die von Anhängern der Band gezogenen Vergleiche übrigens nicht. Einflüsse der genannten Bands lassen sich kaum verheimlichen. Statt sich an anderen kanadischen Künstlern vor ihnen, wie Neil Young oder Joni Mitchell, zu orientieren, scheint die Band eher Richtung Großbritannien geschielt zu haben. Abgesehen von Joy Division und The Smiths, die beide der Manchester Szene entstammten, kommen beim Hören vor allem Erinnerungen an Interpol und die Editors auf. An letztere bzw. deren Sänger Tom Smith erinnert Philip Intilé vor allem aufgrund seiner Stimme. Es wäre jedoch nicht gerecht, Mode Moderne an diesen Parallelen festzunageln. Die Band hat genügend Alleinstellungsmerkmale, um sich nicht hinter den genannten Bands verstecken zu müssen.

80er? Nö, hier und jetzt!

Diesen Eigensinn beweist auch das neue Album "Occult delight", was so viel wie "Verborgenes Entzücken" bedeutet. Auf ihrem nunmehr 4. Release führt die Band das fort, was sie sich zuvor angeeignet und weitergesponnen hat: Von Synthie-Sounds begleitete New Wave- und Post Punk-Klänge. Das in der Heimatstadt aufgenommene und in Zusammenarbeit mit Joshua Stevenson produzierte Album bietet insofern keine großen Überraschungen, enthält soundtechnisch auf Dauer nicht viel Varianz. Hervor stechen in dem Hinblick die Songs "Baby bunny", ein kurzer Ausflug in poppigere Gefilde, und der Album-Closer "Running scared", der einzige balladeske Song des Albums. Hin und wieder wird Sänger Philip Intilés Gesang im Hintergrund von Bandmitglied Rebecca Gray begleitet, so zum Beispiel in der, nach "She, untamed", zweiten Vorab-Single "Unburden yourself".Das "verborgene Entzücken" scheint den Texten nach zu urteilen für Philip Intilé vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen zu liegen. So heißt es in "Unburden Yourself" in einer Zeile "I don’t mind your indifference, in fact I want a bit more physical distance".

Ein schöner Spagat

Musikalisch haben Mode Moderne das Rad mit "Occult Delight" sicher nicht neu erfunden. Und dennoch ist der Band mit ihrem neuen Album ein gutes, in sich stimmiges Werk gelungen, das es sich verdient hat gehört zu werden. Ein Bonus für das Album ist, dass es sowohl die Ohren und Herzen von Liebhabern gitarrenlastigen Indie-Rocks, als auch die von Fans düsterer Töne ansprechen dürfte.

Mode Moderne ist so eine Band, die man am liebsten ganz für sich haben möchte, der man es dennoch gönnt, eine größere Aufmerksamkeit zu bekommen. Zum Beispiel in Form von mehr Erwähnungen auf Seiten deutscher Musikportale.

 

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Daniel Roß
24.01.2014 - 18:48
  Kultur

Mode Moderne: Occult Delight

Tracklist:

1. Strangle The Shadows
2. Grudges Crossed
3. Thieving Baby's Breath
4. Severed Heads *
5. She, Untamed
6. Occult Delight *
7. Time's Up
8. Unburden Yourself *
9. Dirty Dream #3
10. Baby Bunny
11. Come Sunrise
12. Running Scared *
* Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 24.01.2014
Light Organ Records