Kolumne

Mit der Faust gegen Gleichberechtigung

Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal Emma Lübbert über unschöne blaue Augen und Schädlingsbekämpfung.
Emma Lübbert
hat diesen Mist satt - Emma Lübbert

Montag, der 25. November 2019 war der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Anlässlich des Tages veröffentlichte das Bundeskriminalamt erschreckende Statistiken. Jeden Tag versuche ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu ermorden. Jeden dritten Tag gelinge es ihm sogar. Die Zahlen in Deutschland sind so hoch, dass das BKA „Partnerschaftsgewalt“ mittlerweile sogar als eigenen Bereich aufführt. 

Woher kommen diese Ergebnisse?

Lassen Frauen sich einfach gerne schlagen? Passt Frau nicht genug auf sich auf? Wählt Sie einfach die falschen Partner? Offensichtlich nicht. Wäre das tatsächlich der Fall, stünden wir vor dem Problem, dass jede Vierte meiner Freundinnen entweder einen unheimlich schlechten Männergeschmack, oder einen Sado-Maso Fetisch hat. Wenn man dann aber doch mal das große Ganze sieht, fällt schnell auf: Frau kann nicht das Problem sein. Zwar wird das ganz gerne mal so dargestellt, wenn Heiko, 47, nach dem dritten Bier wieder einmal die Hand ausrutscht, wahr ist es aber trotzdem nicht. Traurigerweise reden wir hier aber leider nicht „nur“ von blauen Augen, die Sabine am nächsten Tag vor ihren Kolleginnen verstecken muss, um den peinlichen Fragen auszuweichen. Nein, es geht hier darum, dass letztes Jahr 122 Frauen durch die Hände der Person, der sie vermutlich am meisten vertraut haben, getötet wurden. 

Und wie regeln wir das jetzt? 

Die Bundesregierung und die Medien tun sich schwer damit, das Kind beim Namen zu nennen. Was nicht selten schön weich als „Familientragödie“ verpackt und abgestempelt wird, ist schlicht und einfach eine andauernde Frauenfeindlichkeit, die anscheinend so unheimlich tief in den Köpfen verankert ist, dass sie schon gar nicht mehr wahrgenommen wird. In einigen Fällen äußert sie sich dann anschließend als Femizid (Mord an einer Frau).

Aber Hass an Frauen ist nicht einfach nur ein nerviges Piepen, was man ab einem bestimmten Punkt aus Gewohnheit aufhört zu hören. Dieser Hass zieht Opfer mit sich, geschlagene (ja, gewagte Wortwahl) 114.393 allein dieses Jahr. Bundesfrauenministerin Giffey antwortet mit der Initiative "Stärker als Gewalt" auf die Zahlen. Ziel der Initiative sei es, betroffene Frauen und Männer dazu ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Ein schöner und wichtiger Ansatz, der allerdings erst dann zum Einsatz kommt, wenn es bereits zu spät ist. Ja, eine Hilfehotline und Frauenhäuser sind wichtig und können hilfreich sein, aber den Schädling erst dann zu bekämpfen, wenn er bereits seinen Schaden angerichtet hat, wird auf Dauer nicht reichen. Viel wichtiger wäre es doch, ihn von Vornherein zu erledigen. Solange das Bild der schwachen Frau, die sich zu untergeben hat, aber noch im Unterbewusstsein der Bevölkerung existiert, wird die erschreckende Anzahl an Femiziden nicht zurück gehen. Gewalt an Frauen betrifft uns alle. Vielleicht bist du es nicht, der davon betroffen ist. Aber deine Nachbarin, die Kassiererin an der Tanke, oder sogar deine Tochter. Also, liebe Männer, wer seine Frau so sehr hasst, kann sich doch einfach scheiden lassen. Das kostet zwar was, aber wenigstens kein Leben. 

 

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Emma Lübbert
08.12.2019 - 11:22