Buchvorstellung

Mit dem Tod per Du

Wohin kommt man, wenn man tot ist? Was erwartet einen „auf der anderen Seite“? Das weiß auch der Tod nicht. Er ist schließlich „nur“ der Taxifahrer, der einen abholt, dafür aber ein sehr humorvoller - jedenfalls im Debutroman von Thees Uhlmann.
Was erwartet einen auf der anderen Seite? Das weiß auch der Tod nicht.

Wie fühlt es sich an, zu sterben? Für den Altenpfleger, den namenlosen Protagonisten in Thees Uhlmanns Debutroman „Sophia, der Tod und ich“, ist es, als würde sein Körper in die Länge gezogen. Es knistert vor seinen Augen und vibriert um ihn herum und dann – ist der Mann immer noch nicht tot. Denn: es hat an der Tür geklingelt. Selbst der Tod, der einen Anzug trägt und zuvor sogar höflich selbst an der Tür geklingelt hatte, ist verwirrt: Eigentlich kann niemand klingeln, solange er „bei der Arbeit“ ist. Doch Sophia, die Exfrau des Altenpflegers, kann es. Und damit beginnt ein rasantes Roadmovie, denn die Mutter des Altenpflegers erwartet dessen und Sophias Besuch. Bahnfahren ist eine völlig neue Erfahrung für den Tod. Wie überhaupt das Leben. Essen, schlafen, betrunken sein – der Tod hat plötzlich Zeit, mit den Menschen auf der Erde zu sein. Er genießt es. Und der Altenpfleger, dessen Leben bis dahin in der Suche nach Ungestörtheit und Kontinuität bestand, lernt einen neuen Blick auf seine Welt kennen.

„Meine Zeit lief ab. Viel Vergnügen hatte ich meiner Mutter in den letzten zwanzig Jahren nicht gerade bereitet. Und plötzlich dachte ich, dass diese ganze unversöhnliche Härte, mit der ich dem Leben und seinen Menschen gegenübergestanden hatte, Zeitverschwendung gewesen war und dass ich vom Tod über das Leben lernte. Und das konnte ich nur lernen, weil ich vorher nichts gewusst hatte. Und das gefiel mir. Die Arbeit am Glück unter dem Licht des Todes.“

Eine Mischung aus Harry Potter und "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"

Die Geschichte lässt sich leicht lesen und gewinnt durch die schnellen, bodenständigen Dialoge Fahrt und Tiefe. Mit Witz, die Unausweichlichkeit des Endes aber stets im Blick behaltend, zeichnet Autor Thees Uhlmann, früherer Frontsänger der Band Tomte, glaubwürdige Figuren. Absurd wird es erst, als der Tod Konkurrenz bekommt: ein anderer Tod hat sich auf den Job beworben und nun versucht er, die Arbeit des ersten Todes durcheinanderzubringen. Bei herumwirbelnden Kampfstäben und blauen Flammen rutscht die Erzählung leider in Teilen zu sehr in Fantasy-Schmauck ab und bricht die gerade Erzählung. Doch das ist wohl Teil von Thees Uhlmanns Vorhaben, das Buch „soweit weg von mir zu schreiben, wie möglich“. Was er selbst sich in den letzten drei Minuten vor dem Tod wünschen würde und ob der Sänger sich schon in der Welt der Literaten angekommen fühlt, verriet Thees Uhlmann im Interview mit mephisto 97.6, das Sie hier hören können.

mephisto97.6-Redakteurin Christine Warnecke stellt das Buch "Sophia, der Tod und ich" vor:

mephisto97.6-Redakteurin Christine Warnecke stellt das Buch "Sophia, der Tod und ich" vor
mephisto97.6-Redakteurin Christine Warnecke stellt das Buch "Sophia, der Tod und ich" vor
 

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Christine Warnecke
15.10.2015 - 12:52