Ein Abend mit Lydmor & Bon Homme

Mit dem BMW nach Connewitz

Auf der Tour zum ersten Album "Seven Dreams Of Fire" haben wir das dänische Duo Lydmor & Bon Homme in der Distillery getroffen. Dabei führte unser Redakteur nicht nur ein Interview, sondern erlebte einen ganz besonderen Abend mit den beiden.
Auf der Bühne
Geben alles auf der Bühne: Lydmor & Bon Homme

Es hätte ein ganz normaler Abend werden sollen. Interview mit der Band um 18:00, dann knapp zwei Stunden in einer Bar bei einem langweiligen Fußballspiel totschlagen und abschließend ein schönes Konzert. Doch irgendwie kam alles anders. Als ich zeitig an der Distillery eintraf, war der Soundcheck noch im vollen Gange. Eine kurze SMS an den Interviewkontakt (die Sängerin persönlich) und schon wurde ich eingeladen den Soundcheck mitzuerleben. 
Das stellte sich als an langwierige Geschichte raus. In der Distillery, dem wohl bekanntesten Techno-Club der Region (und dem ältesten Techno-Club der neuen Bundesländer) spielen nicht so häufig Live-Bands wie Lydmor & Bon Homme. Selbst wenn die beiden durch und durch Elektro machen, arbeiten sie sehr viel auf der Bühne und singen natürlich live. Die beiden Dänen sind nämlich gelinde gesagt "richtige Musiker". Jennifer Rossander (a.k.a. Lydmor) macht bereits seit Jahren Musik für ihr Soloprojekt und unterstützt immer wieder namhafte DJs. Thomas Høffding (a.k.a. Bon Homme) ist dagegen in erster Linie als Bassist der Band WhoMadeWho bekannt. Mit ihrem Nebenprojekt sind die beiden nun zum wiederholten Mal auf Tour - und zwar nur zu zweit. Kein Manager, Merchandise-Helfer oder Roadie - das Duo macht alles selber. Nur deshalb konnte der Abend auch so besonders werden.

Soundcheck in der Distillery
 

Auf nach Connewitz: Anti-Kater-Essen

Eine halbe Stunde lang versuchen Jenni und Thomas den Sound zu verbessern. Sie sind etwas unzufrieden aber stets freundlich. Und siehe da, es wird! Nachher erfahre ich, dass das Duo direkt ausgeladen und mit dem Soundcheck angefangen hat. Deswegen sehen sie mit mir im Gepäck zum ersten Mal den Backstage-Bereich. Die Begeisterung ist mäßig. Ein knapp acht Quadratmeter großer Raum ohne Tageslicht. Außerdem: ein paar kleine Snacks und mehrere Flaschen Wein. Ich erfahre, dass der vorherige Abend in Berlin wohl sehr alkoholreich gewesen ist. Jenni und Thomas meinen, sie können nicht zwei Stunden in diesem Raum verbringen und warten bis das Konzert anfängt. Die Idee: das Interview in ein Restaurant verlegen, in dem es Anti-Kater-Essen gibt. Deli? Zu vegan. Irgendwas anderes? Sehr gerne! Minuten später befinde ich mich in einem richtig dicken BMW und düse mit Thomas und Jenni nach Connewitz. Das Abenteuer beginnt.

Lydmor & Bon Homme
 

Die Chemie stimmt

Abenteuer trifft es tatsächlich ganz gut. Wer sich eben noch gefragt hat "Touren coole Bands jetzt also im BMW?", der bekommt jetzt eine Antwort. Die dicke Karre ist ein Mietauto, das sich Jenni und Thomas angeschafft haben um vom anderen Tourkonzert in Berlin nach Leipzig zu düsen. Thomas freut sich, dass er nicht seinen alten Renault fahren muss und übt seine Freude in Form von (fast immer) notwendigen U-Turns aus. Naja, es gibt Schlimmeres, als mit einer Band zu sterben. In Connewitz angekommen stürzen wir in die erstbeste Tapas-Bar. Jenni und Thomas fühlen sich wohl in der Atmosphäre. Einmal Essen bestellen, und dann geht es tatsächlich los mit dem eigentlichen Grund dieser Begegnung: dem Interview. Die beiden sind angenehme Gesprächspartner, reden viel über persönliche Dinge und erklären, wie es zu den verschiedenen Songs des Albums kam.

Lydmor & Bon Homme nehmen sich in einer Tapas-Bar Zeit, die Fragen von Musikredakteur Till Bärwaldt zu beantworten
Interview mit dem Duo

Awkward situation vor fast leerer Tanzfläche?

Das Interview wird naturgemäß durch das Essen beendet. Und dann geht es auch schon zurück zur Distillery. Ein paar U-Turns später erreichen wir den legendären Techno-Schuppen - die Ernüchterung ist aber erstmal groß. So erfuhr die Band zwar schon im Vorfeld, dass der Vorverkauf eher mäßig lief. Mit einem derart leeren Raum hat aber wohl niemand gerechnet. Knapp 30 Leute sammeln sich vor der Bar, der Platz vor der Bühne bleibt gar ganz leer. Im Englischen würden man diesen Moment wohl als "awkward" bezeichnen. Jenni und Thomas schaffen es aber durch ihre positive Ausstrahlung aus der komischen Situation einen ganz besonderen Abend zu machen.

Explosiv + Exzentrisch

Die Musik geht aus und Thomas geht an die Bar, spricht die zwei Dutzend Personen an und bittet sie doch trotzdem Spaß zu haben und mit vor die Bühne zu kommen. Dort bekommt das Publikum die volle Ladung Lydmor & Bon Homme. Die Dänen lassen sich vom leeren Raum nicht beeindrucken und liefern ihre "normale" Show ab. Aber was heißt schon normal. Mit ruhigen Songs wie "Dream of Fire Part 2" und "Go Fingers Go" fangen die beiden zwar gemächlich an, legen dann aber gewaltig zu. Jenni und Thomas tanzen mal cool, mal sexy aber auf jeden Fall immer energisch und legen eine gewaltige Bühnenpräsenz an den Tag. Jenni läuft viel durch das Publikum, legt sich auf die Bühne und wirkt wie ein nicht zu bändigender Tiger. Songs wie "Trampoline" oder "Wired" werden durch die intensive Bühnenshow noch viel stärker als auf dem Album. Hin und wieder verspielen sich die beiden, doch auch das nehmen sie mit Humor. Zum letzten Song "Dream of Fire" bittet das Duo das Publikum doch nochmal ein bisschen näher zu kommen. In dem Moment fällt es gar nicht auf, dass der Raum mehr als halbleer ist. Doch Jenni und Thomas sorgen dafür, dass der Abend vielleicht gerade aufgrund des kleinen Publikums so besonders wird. Zur Zugabe laden sie das ganze Publikum auf die Bühne ein, da der Sound da ja viel besser sein soll. Ansichtssache. Trotzdem ist es ein toller Moment, als das Duo eine Akustikversion von "Missed Out On Disco" anstimmt. Aus direkter Nähe merkt man noch stärker, wir gut die beiden musikalisch und persönlich zusammen passen und Spaß haben. Es ist schön zu sehen, dass dies nicht nur auf der Bühne so ist, sondern auch im gemieteten BMW, beim Soundcheck oder in einer Tapas-Bar in Connewitz.

Hautnah: Lydmor & Bon Homme
 
 

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