Gülle-Import

Mist gebaut?

Gülle ist für die Landwirtschaft ein wichtiges Düngemittel. In Sachsen gibt es davon allerdings zu wenig. Daher muss man den organischen Dünger auch aus den Niederlanden importieren. Und genau darin sehen die Grünen eine große Gefahr.
Feld
Damit die Pflanzen auf den Feldern mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden können, sind organische Düngemittel notwendig.

Wenn man im Sommer bei gutem Wetter übers Land fährt, kann die Idylle schnell zerstört werden: Man öffnet das Fenster und plötzlich steigt einem ein unangenehmer, beißender Geruch in die Nase – Gülle. Doch die Felder müssen nun mal gedüngt werden und eines der wichtigsten Mittel dafür ist die stinkende Gülle.

Das Problem in Sachsen ist allerdings, dass es vergleichsweise wenig Tiere gibt, die dieses wichtige Düngemittel für die Landwirtschaft produzieren. Daher wird zunehmend aus anderen Ländern importiert – vor allem die Niederlande sind ein wichtiger Güllelieferant. Im Vergleich zu Sachsen gibt es dort nämlich viele Tiere und nur wenig Fläche.

In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 5.000 Tonnen Geflügelgülle aus den Niederlanden nach Sachsen importiert. Hauptsächlich gingen die Importe nach Nordsachsen, also in die Region Leipzig. Regelmäßige Kontrollen des Hühnerkots gibt es bisher jedoch nicht. Und genau darin sehen Bündnis 90/Die Grünen das Problem.

Einerseits gefährlich für Mensch und Tier 

Gülle, Düngung

Nicht nur Gülle wird importiert, sondern auch getrockneter Mist aus Hühner- und Putenmastanlagen, also Trockenkot. Die Grünen sehen darin allerdings eine große Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier. Denn der importierte Dung kann mit Arzneimittelrückständen wie Antibiotika und gefährlichen Keimen, wie zum Beispiel Salmonellen, belastet sein. Schon jetzt gebe es Meldungen über zu viel Nitrat im Boden und im Wasser, sowie eine drastische Zunahme von antibiotikaresistenten Keimen aus der Massentierhaltung, erklärt Gisela Kallenbach, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag. Sie kritisiert die Praxis des Gülle-Imports:

„Also für mich ist es […] schon sehr fragwürdig, dass keinerlei Restriktionen gelten, dass man also diese Importe auch nicht wirklich kontrolliert. Es gibt keinerlei Grenzwerte für Antibiotika, die kontrolliert werden müssen, und das finde ich […] schon bedenklich."

Eine konsequente Überwachung des Düngers und schärfere Kontrollen beim Import aus den Niederlanden seien notwendig, um Risiken, wie zusätzliche Stickstoffeinlagerungen in Boden und Grundwasser, zu vermindern.

Andererseits wichtig für die Landwirtschaft 

Manfred Uhlemann vom Sächsischen Landesbauernverband hält diese Kritik für nicht gerechtfertigt. Er sieht das große Problem darin, dass es in Sachsen zu wenige Tiere gibt – und dementsprechend auch zu wenige organische Düngemittel. Für die sächsische Landwirtschaft ist Gülle, als organischer Wirtschaftsdünger, jedoch sehr wichtig: Er liefert Nährstoffe, ohne die die Pflanzen nicht wachsen können: 

Kühe auf einer Weide

„Es gibt einen gesunden Kreislauf zwischen Ackerbau und Tierhaltung und der ist einfach in Sachsen durch die zu geringe Tierhaltung gestört.“

Der Ausweg der Landwirte ist, die Gülle zu importieren. Probleme sieht Manfred Uhlemann darin nicht. Seiner Meinung nach sind die europäischen Vorgaben in Bezug auf Düngemittel im Wesentlichen alle einheitlich, darum sollte es keine Unterschiede geben. Wenn die Landwirte die Düngemittel kaufen, sei es seiner Meinung nach unerheblich, woher diese stammen.

"Fakt ist: Wir müssten eigentlich, wenn man es genau nimmt, doppelt so viele Tiere in Sachsen halten, um am Ende die Düngebilanz auszugleichen und damit auch eine gesunde Reproduktion der Bodenfruchtbarkeit zu gewährleisten."

Und das scheint ja schon ziemlich unrealistisch. Ob es in Zukunft jedoch stärkere Kontrollen der importierten Düngemittel geben wird, so wie es Die Grünen fordern, wird sich noch zeigen. 

Ein Beitrag über den Gülle-Import von Jane Schmidt.
 
 

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Pauline Bombeck
12.08.2014 - 20:35