Die Kolumne

Menschlichkeit, Freunde!

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Paula Drope über brave Abendlandchristen, vergessene Lokalradios und Tillichfans.
Die Kolumne wird nicht auf der Schreibmaschine geschrieben. Aber so ein Retro-Symbolbild hat doch was, oder!?

Immer freitags: Unsere Kolumnisten beantworten die guten Fragen der Woche. Die kommen aus der Redaktion. Diesmal: Paula Drope über brave Abendlandchristen, vergessene Lokalradios und Tillichfans.

Menschlichkeit, Freunde! – die Kolumne von Paula Drope
0708 Kolumne Paula Drope

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich möchte Flüchtlinge mit wenig Aussicht auf Asyl künftig in gesonderten Unterkünften unterbringen. Eine gute Idee?

Kolumnistin Paula Drope hat mal Geige gespielt, mag keine Vögel und wenn sie mit rechts schreibt, wird ihr schwindelig.

An dieser Idee ist so viel falsch, da weiß man gar nicht, wo man anfangen möchte. Am besten vielleicht ganz oben und damit bei der Bundesregierung. Die nämlich will die schnelleren Verfahren für diese Fälle. Eines der reichsten Industrieländer dieser schönen Erde wirkt damit doch recht hilflos, um nicht zu sagen unmenschlich, mit der vergleichsweise kleinen Anzahl an Flüchtlingen, die es nach Europa und dann nach Deutschland schaffen, fertig zu werden. Weiter geht es mit der Frage, wer Flüchtlinge mit wenig Aussicht auf Asyl sind und die Antwort ist natürlich: jene vom Westbalkan und aus Tunesien. Deutschland gehört, was die Politik des "sicheren Herkunftslandes" angeht, zu Europas Hardlinern. Das heißt, die Chancen auf Asyl sind hier sowieso schon gering. Bei solchen gesonderten Unterkünften liegt der Verdacht nahe, dass der "Abgelehnt-Stempel" noch lockerer sitzt, auch wenn das überall verneint wird. Und da sind wir beim nächsten Problem: diese Unterkünfte. Die heißen längst Abschiebecamps und dass man mit dem Vorschlag, Menschen so zu trennen noch durchkommt, wo er doch sehr an Zustände von vor 75 Jahren erinnert, verwundert doch wenigstens. Es lässt mich eine Gegenfrage stellen: Was zur Hölle, Deutschland? Außerdem ein Appell: Menschlichkeit, Freunde!

Legida ist am Montag wieder gelaufen. Hast du's gemerkt?

Ich meinte kurz stumpfes Geschrei gehört zu haben zu haben, aber das war dann auch relativ schnell wieder vorbei. Ich habe mich von der Demo aber auch nicht angesprochen gefühlt. Immerhin richtete sie sich nur gegen die LVZ und die L-IZ. Da kann man sich in diesem nicht ganz kleinen Lokalradio schonmal vergessen fühlen. Aber vielleicht haben sie uns ja jetzt auf dem Radar. Immerhin lassen sich christliche Abendländer nicht gerne Menschlichkeit vorschreiben.

Heute beginnen in Leipzig die Classic Open. Da gibt es wieder zehn Tage laues Gedudel auf dem Markt. Wo bleibt da die Hochkultur?

Das wiederum weiß ich auch nicht. Angesichts der aktuellen Lage in Deutschland, Sachsen und Leipzig habe ich aber auch nicht das Gefühl, dass gerade Hochkultur entstehen kann.

Und nächste Woche?

Sind alle gutbürgerlichen Rechten endlich wieder Tillichfans, nachdem sie bei seiner Regierungserklärung gegen fremdenfeindliche Ressentiments so bitterlich weinen mussten. Ach und die Kirche fällt für alle braven Abendlandchristen aus.

 

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