Wissenschaft in Leipzig

Mehr Spaß beim Sport

Handyakku leer, Musik aus – ein Horrorszenario für jeden Freizeitsportler. Musik hören beim Sport lenkt ab und hebt die Laune. Selbst musizieren beim Sport soll diesen Effekt noch vervielfachen – das wird derzeit am Max-Planck-Institut erforscht.
Jymmin' auf dem Spinnereigelände

Musizieren beim Sport hebt die Stimmung - das konnte jetzt am Max-Planck-Institut nachgewiesen werden. Dazu wurden Fitnessgeräte so nachgerüstet, dass man mit ihnen Musik erzeugen kann. „Jymmin‘“ heißt das neuartige Sportkonzept – eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen „gym“ (Fitnessstudio) und „jamming“ (musikalisches Improvisieren). Ein Computerprogramm macht die Bewegungen zu Beats, den Sportler zum Komponisten. Die Grundrythmen sind vorgegeben, durch Bewegungen kann man Tonhöhen verändern und Melodien kreieren.

Euphorisierend

In zwei Studien am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften konnten Probanden diese Geräte nun ausprobieren. Dabei trainierten zwei Gruppen im Wechsel an Standard- und an „Jymmin‘“-Geräten. Die Gruppe, die zuerst während des Trainings musizieren durfte, dokumentierte eine wesentlich bessere Stimmung. Die gute Laune hielt auch in der zweiten Traningsphase mit passivem Musikhören noch an. Bei der zweiten Gruppe stellte sich der positive Effekt erst in der zweiten Trainingsphase ein, als auch sie die „Jyimmin‘“-Maschinen nutzen durfte. Und nicht nur die Laune verbesserte sich gegenüber passivem Musikhören – auch die subjektiv empfundene körperliche Anstrengung wurde im Vergleich zum herkömmlichen Training als wesentlich geringer eingestuft.

Zwischen Kunst und Wissenschaft

Erforscht werden soll laut Projektleiter Thomas Fritz vor allem der Nutzen musikalischer Ekstase. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit am Max-Planck-Institut hat Fritz auch Kunst studiert. So war  auch „Jymmin‘“ anfangs ein Kunstprojekt in einer Werkstatt der Leipziger Baumwollspinnerei. Dort sind auch die Prototypen der „Jymmin‘“-Maschinen aufgebaut. Bauchmuskeltrainer, Turm und Stepper sind an einen Computer angeschlossen, beim Training tönen aus Lautsprechern Elektrobeats, die die Anstrengung vergessen lassen. Körperliche „Grenzerfahrung“ gepaart mit kreativem Komponieren ruft dabei einen euphorischen Zustand hervor. Dieses Konzept ist kulturgeschichtlich nicht neu, so Fritz. Mit den „Jymmin‘“-Maschinen soll es nun auf die heutige Gesellschaft übertragen werden.

Jymmin' gegen Depressionen?

Und auch für die Wissenschaft bleibt „Jymmin‘“ interessant: Derzeit wird untersucht, wie sich durch Musizieren beim Sport beispielsweise Depressionen und Motivationsdefizite behandeln lassen. Aber auch ohne Therapiebedarf lohnt es sich, die Maschinen auszuprobieren – möglich ist das an den Tagen der offenen Tür in der Leipziger Baumwollspinnerei. 

 

Was "Jymmin" ist, wo es herkommt und was es bewirkt, erklärt mephisto 97.6-Redakteurin Henriette Schneider
 

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