Moscheebau in Gohlis

Mehr Platz und Transparenz

Der Moscheebau in Leipzig ist seit Oktober eines der wichtigsten Themen in den regionalen Medien. Doch wer verbirgt sich eigentlich hinter dem Moscheebau, was ist das für eine Gemeinde und warum wird eine Moschee überhaupt gebraucht?
Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde aus Leipzig.

Der Moscheebau in Leipzig kann seit etwa 2 Monaten auf eine reiche Ereigniskette zurückblicken. Nach der Verkündigung des Bauvorhabens gab es zahlreiche Protestaktionen einiger Anwohner und rechtsorientierter Vereinigungen. Drohungen und Schmähbriefe an offizielle Befürworter des Moscheebaus oder Schweineköpfe auf dem zukünftigem Grundstück der Moschee sind nur einige davon. Die Berichterstattung landes- und bundesweit hat sich vor lauter schlechten Nachrichten bezüglich Leipzigs selbst übertroffen. All die Diskussionen und Proteste der Anwohner, sowie Pro- bzw. Kontra-Argumente erscheinen jedoch losgelöst von dem eigentlichen Ausgangspunkt des Moscheebaus.

Eine reformierte Gemeinde

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig ist die Gemeinde, die den Antrag auf das Bauvorhaben gestellt hat und nun mit den Reaktionen umgehen muss. Momentan hat sie noch ihren Sitz in einer 3-Raum-Wohnung in der Eisenbahnstraße, wo es weder genügend Platz noch Offenheit nach außen gibt. Die Räume seien einfach nicht wirklich geeignet, um sich mit rund 70 Leuten auf einmal zu versammeln und zu beten. Auch sei es zu sehr abgeschottet von der eigentlichen Lebenswelt und viel zu untransparent für die Einwohner Leipzigs. Said Arif, der Imam (der Prediger) der Gemeinde, und seine Frau Atia sind sich sicher, dass eine Moschee helfen könnte, die Bevölkerung sehen und verstehen zu lassen, dass sich ihre Glaubensgemeinschaft nicht sehr stark von anderen Gemeinden Leipzigs unterscheidet. Denn die Ahmadiyyas verstehen sich selbst als Reformgemeinde, die sich von anderen muslimischen Gruppierungen abgrenzt. Frieden ist der zentrale Kernpunkt ihres Glaubens. Mit einer Moschee, die diesen Glauben nach außen trägt, würde deutlich werden, dass beide Religionen – sowohl Islam als auch das Christentum – die gleichen Werte und Ziele verfolgen. Es ist also Beitrag zur Völkerverständigung, der von den Ahmadiyyas ausgeht.

Information und Vertrauen schaffen

Damit diese Ziele erreicht werden, versucht die Gemeinde so viel wie möglich nach außen zu tragen. Es gibt Informationsabende, kostenloses Lesematerial und eine Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist. "Die Leute müssen sehen, wer wir sind und was wir machen", sagen die Gemeindemitglieder. Vertrauen schaffen und sich bekannt machen sind dafür wichtige Schritte.

Mit Neugier und Offenheit aufeinander zugehen

Die Gemeinde, die in Pakistan aufgrund ihrer reformatorischen Ansätze verfolgt und schikaniert wird, versucht nun also Fuß in Leipzig zu fassen. Die Reaktionen einiger Anwohner zeigen, dass sie noch nicht einschätzen können, was ein Moscheebau für sie persönlich bedeuten würde. Said und Atia Arif verstehen diese Reaktionen. Man kenne ja vor allem nur die radikal-muslimischen Gruppierungen aus den Medien. Andererseits wünschen sie sich auch, dass die Leipziger sich nicht sofort verschließen, sobald es um Muslime und ihren Glauben geht. Andere Kulturen mögen vielleicht fremd sein, mit Neugier und Offenheit könne man aber viel erreichen. Zum einen, dass sich das Image des untoleranten radikalen Leipzigs, das andere Kulturen nicht akzeptiert, sich nicht als festes Image in der Berichterstattung durchsetzt. Zum anderen, dass wir Grundrechte wie Religionsfreiheit nicht unterdrücken. Und zum letzten, dass sich alle, die in Deutschland wohnen, wohl fühlen können.

 

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