Bildungspolitik Sachsen

Mehr Geld für Freie Schulen!

Finanzielle Unterschiede machen den Freien Schulen das Überleben schwer. Die sächsischen Etatkürzungen wurden als verfassungswidrig erklärt. Jetzt stellt sich die Frage: Was ist ein freier Schüler wert?
Auf dem Bild sieht man sechs Menschen auf einer Bühne
v.l.n.r.: Rüdiger Lorch, Petra Witt, Gotthard Dittrich, J.Wittig, Cornelia Falken, Otto Herz

„Vollumfänglich verfassungswidrig“ - so lautete das Urteil des Verfassungsgerichtes zum sächsischen Haushaltbegleitgesetz von 2011. So ein starkes Urteil war selbst für die Kläger, SPD, Grüne und Linke, überraschend. Sie klagten, da sie mit den Auswirkungen des Gesetzes auf die Freien Schulen Sachsens nicht einverstanden waren. Dieses stellte die finanzielle Unterstützung freier Schüler aus einkommensschwachen Familien ein.
In der LVZ-Kuppelhalle diskutierten am 19. Mai 2014 Persönlichkeiten aus Politik und Bildung.

Ihre Frage: Was ist dem Freistaat Sachsen ein freier Schüler wert?

Was sind Freie Schulen?

Doch was sind eigentlich Freie Schulen? Neben den staatlichen Schulen gibt es auch Schulen in freier Trägerschaft. Ihre Aufgabe: das sächsische Bildungsangebot bunter machen. Gründer Freier Schulen sind beispielsweise private oder kirchliche Organisationen. Dabei wird unterschieden zwischen sogenannten Ersatzschulen und Ergänzungsschulen. Letztere ergänzen, wie der Name schon sagt, das sächsische Bildungsangebot beliebig. Ersatzschulen dagegen entsprechen auch den Ansprüchen einer staatlichen Schule. Jedoch unterscheidet sie sich im pädagogischen Ansatz. In der aktuellen Debatte wird über die finanzielle Zukunft dieser Ersatzschulen diskutiert.

Freie Schulen erwünscht

Das Grundgesetz will private Schulen. Laut Artikel 7 (Abs 4) wird „das Recht zur Errichtung von privaten Schulen gewährleistet“. Damit ist der Freistaat zur Unterstützung eben dieser verpflichtet. Die Etatkürzungen von 2011 zeigten andere Bestrebungen. Nach dem Urteil des Verfassungsgerichtes soll sich das nun ändern: Bis 2015 soll eine Neuregelung getroffen werden.

Derweilen machen sich der Verband der Privatschulen und die Rahn-Dittrich-Group für ihre Schulen stark. Ihre Forderung: Gleichstellung Freier Schulen mit staatlichen Schulen.

Eine Freie Schule legt Wert auf einen besonderen, pädagogischen Ansatz. Sie benötigt Lehrkräfte, die diesen mittragen und mitgestalten. Aktuell sind Schulen in freier Trägerschaft jedoch kein attraktiver Arbeitgeber. Viele Lehrer entscheiden sich für staatliche Schulen, ungeachtet des Unterrichtskonzeptes, so Gotthard Dittrich. Er ist Geschäftsführer der Rahn-Dittrich-Group und Veranstalter der Podiumsdiskussion. Auch der Reformpädagoge Otto Herz sieht Lehrer, die Sicherheit suchen. Sicherheit heißt: gute Bezahlung. Die kann eine freie Schule nicht bieten und ist somit nicht wettbewerbsfähig. Darin liegt Otto Herz Kritik:

„Wir brauchen diesen Wettbewerb, um pädagogische Ansätze weiter zuentwickeln.“

Für ihn ist gleiche Bezahlung von Lehrkräften ein Muss.

Forderung nach Gleichstellung

Die Rahmenbedingungen müssten so gesteckt sein, dass jeder Schüler, der will, auch eine Freie Schule besuchen kann. Das wünscht sich Gotthard Dittrich:

„Ich stelle mir vor, dass eine Konkurrenz, eine Mitbewerberschaft zwischen staatlichen und freien Schulen stattfinden kann, unabhängig von Finanzierung der Lehrer und der sonstigen Sachkosten.“

Die Forderung nach der Gleichstellung von Freien Schulen wird immer deutlicher: in finanzieller Hinsicht, als auch in ihrem Ansehen.

Diesen Wunsch kann nur die neue Landesregierung erfüllen. Wer zu dieser gehört und an der Neuregelung mitbestimmt, entscheiden die Wähler im August.

 

 

Kommentieren