Drogenkonsum

Mehr Crystal-Meth-Konsumenten in Leipzig

Leipzig ist bekannterweise eine Drogenhochburg in Deutschland. Insbesondere die Nähe zur osteuropäischen Grenze sorgt für die prekäre Lage der Stadt. Seit Jahren gehen mehr Menschen in Behandlung. Das spiegeln auch die Zahlen dieses Jahres wider.
Todeskreuze von Drogentoten
Die Kreuze stehen für an Drogen verstorbene Leipziger

Bundesweit sind im vergangenen Jahr ungefähr 1.300 Menschen infolge von Drogenkonsum verstorben. In Sachsen wurden 24 Todesfälle registriert, allein zehn davon in Leipzig. Im Bundesvergleich steht die Stadt damit allerdings sehr gut da. Wohl mitunter deshalb, weil sie diverse Suchtberatungs- und Behandlungsstellen besitzt. Über 4000 Leipziger nahmen diese Einrichtungen in Anspruch. Ein Großteil davon war selber von Erkrankungen betroffen. Bei den Übrigen handelte es sich um Angehörige.

Neue Zahlen alte Kritik

Für das Jahr 2017 erhielt mephisto 97.6 die aktuellen Zahlen bezüglich Zu- und Abnahmen an Drogenabhängigen bereits im Voraus. Aus ihnen geht unter anderem eine starke Zunahme an Crystal Meth-Abhängigen hervor:

  • Crystal Meth-Abhängige: Anstieg um 14% auf 750 Personen
  • Heroin-Abhängige: Anstieg um 5% auf 637 Personen
  • Cannabis-Abhängige: Rückgang um 2% auf 289 Personen

Neben diesen Zahlen ist noch ein Trend erkennbar: Personen unter 40 Jahren konsumieren mehr illegale Drogen, wohingegen über 40-Jährige deutlich mehr Alkohol zu sich nehmen. Doch die tatsächlichen Zahlen können, laut Pfarrerin Ulrike Franke und der Leipziger Suchbeauftragten Silke Leyn, nicht richtig erfasst werden:

Es ist ganz schwierig zu sagen, wie viele Menschen an Drogen verstorben sind, auch hier in der Stadt Leipzig. Weil nicht eindeutig festgestellt und gesucht wird, wer an den Folgen des Drogenkonsums stirbt.

Ulrike Franke, Pfarrerin am St. Georg-Klinikum

Es ist durch Untersuchungen bekannt, dass nur etwa jeder zehnte Suchtkranke eine Beratungsstelle findet oder in Anspruch nimmt und insofern kein Problembewusstsein hat.

Silke Leyn, Suchtbeauftragte der Stadt Leipzig

Der komplette Bericht über die neuen Zahlen an Drogenabhängigen in Leipzig wird voraussichtlich nach Ende Sommer dieses Jahres verabschiedet werden.

Nationaler Gedenktag

Picknick zu einem Gedenktag im Rabet
Als Teil des Gedenktages fand ein Picknick im Rabet statt

Am frühen Freitagabend fand zum 20. Mal der „Nationale Gedenktag der an Drogen verstorbenen Menschen“ in Deutschland statt. In über 60 Städten gab es verschiedene Veranstaltungen, darunter auch in Leipzig. Dort gab es im Stadtteilpark Rabet eine Gedenkveranstaltung. Neben einer Eröffnungsrede von Pfarrerin Ulrike Franke, konnten auch Schleifen, zum Gedenken an die Verstorbenen, an ein Banner angebracht werden. Im Anschluss gab es ein Picknick mit Möglichkeiten zum Austausch.

Mehr Aufmerksamkeit erzeugen

Mit solchen Veranstaltungen wie hier in Leipzig, soll mehr auf die Opfer von Drogenkonsum aufmerksam gemacht werden. Denn hinter den Konsumenten ständen Menschen mit schweren Einzelschicksalen, die oft auf der Strecke blieben. Auf Bundesebene ist man sich der Arbeit der Helfer bewusst.

Auch wenn die Politik nicht jeden Todesfall verhindern kann, empfinde ich es, immer wenn jemand an illegalen Drogen stirbt, als schmerzhafte Niederlage. Umso wichtiger ist es, dass wir der Suchthilfe und den Beratungsstellen, den Rücken stärken, emotional, politisch und finanziell.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Die Veranstalter aus Leipzig wünschen sich für die Zukunft, eine größere Würdigung der Betroffenen und mehr politische Anteilnahme an den zukünftigen Gedenktagen in Leipzig.

Mehr Informationen können Sie im Studiogespräch von Redakteur Marvin Kalies und Moderator Marc Zimmer nachhören:

Marvin Kalies im Gespräch mit Marc Zimmer
Drogentote-Gedenktag SG Marvin Kalies
 

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