Weihnachtsbräuche

Mann, Markt und Mistelzweig

Plätzchen backen, den Weihnachtsbaum schmücken, Geschenke kaufen – Rituale der Vorweihnachtszeit. Dazu gehören auch der Weihnachtsmann und ein Besuch des Weihnachtsmarktes. Der Kultstatus hat sich mit all diesen Themen beschäftigt.
Der Weihnachtsmann Robert Herrmann arbeitet am Heilig Abend bei bis zu zehn Familien
Robert Herrmann als Weihnachtsmann

Schritte stapfen durch den Schnee. Der Wind pfeift vor dem Fenster, ein Glöckchen klingelt leise. Dann ertönt eine tiefe Stimme: "Ho Ho Ho". Die Kinder im Wohnzimmer sind ganz aufgeregt. Der Christbaum strahlt und es duftet nach Tannengrün. Oma, Opa, Tante und Onkel – alle sitzen beisammen und warten auf den Weihnachtsmann. Er ist auf 17 Uhr bestellt. Das haben die Eltern so mit ihm verabredet. Der Vater fängt ihn an der Tür ab und drückt ihm den Sack mit den Geschenken in die Hand. Ein letzter Blick in den Spiegel, sitzt der Bauch, rutscht der Bart auch nicht? Dann hat der Weihnachtsmann seinen großen Auftritt. In den nächsten 15 Minuten wird er der Mittelpunkt des Geschehens sein, Erwachsene wie Kinder singen und Gedichte aufsagen lassen, ein bisschen mit den Kindern schimpfen und dann die Geschenke verteilen. Spätestens um 17.30 Uhr muss er wieder los. Die nächste Familie wartet.

"Ich glaube die Erscheinung ist angsteinflößend genug"

So kann ein Arbeitstag von Robert Herrmann beschrieben werden. Er ist 23 und seit drei Jahren als Berufsweihnachtsmann unterwegs. An Heiligabend besucht er bis zu zehn Familien, um deren Kinder zu bescheren. Es gibt jedoch auch andere Veranstaltungen, für die er gebucht wird, zum Beispiel Firmenfeiern. Er muss jedoch auch Absagen verteilen, da die Nachfrage meist höher ist als sein Zeitpensum. Doch wie reagieren die Kinder auf den Weihnachtsmann?

Es gibt Kinder, die freuen sich wahnsinnig. Die sind auch ganz respektvoll im Umgang mit mir. Und es gibt auch welche, die fangen sofort an zu weinen. Das ist total bunt, dann gibt es was dazwischen, manche sagen gar nichts. Manche sind nur still und erschrocken.

Bei Robert Herrmann müssen nicht nur die Kinder artig sein und Lieder singen oder Gedichte aufsagen. Auch die Eltern werden mit einbezogen. Er hat viel Freiraum um sein Programm zu gestalten. Dennoch gibt es Vorgaben der Eltern.

Es gibt gewisse Vorgaben. Ich habe ein schwarzes Buch, da geben mir die Eltern eine Woche vorher eine kleine Info, wie die Adventszeit für das Kind so lief. Ob die schön artig waren. Ich krieg dann grob die Info, weiß, worum es geht und wie viele Kinder es sind. Extrawünsche werden auch erfüllt.

Trotz der Vorbereitung und der genauen Information ist auch der Weihnachtsmann nicht unfehlbar. So passieren ab und an kleine Missgeschicke, zum Beispiel werden manchmal die Namen der Kinder verwechselt. Robert sieht das jedoch gelassen.

Ich hab natürlich immer mal ein kleines Auge auf mein Buch, da steht alles drin. Höchst peinlich, wenn das passiert, aber ist mir auch schon passiert.

Das gesamte Interview befindet sich im Stream.

Oh, Santa Claus!

Doch woher kommt eigentlich der Brauch des Weihnachtsmanns? "Aus Amerika", denken die meisten. Außerdem trägt er in der Vorstellung vieler einen roten Mantel, einen weißen Bart und einen dicken Bauch mit sich herum. Doch das stimmt eigentlich gar nicht. Ursprünglich ist der Weihnachtsmann, der europäische Nikolaus. Einwanderer brachten ihn nach Amerika. Dort wurde der Brauch abgewandelt: aus groß und schlank wurde klein und dick, aus streng wurde gemütlich. Der Amerikanistikprofessor der Universität Leipzig, Crister Garrett, erklärt:

Und das hieße, Deutschland hat die Weihnachtstradition in den USA ganz besonders im 19. Jahrhundert sehr stark geprägt. Und man sagt "aha es ist amerikanisch", aber von den Wurzeln her ist es das eigentlich nicht.

Europäische Weihnachtstraditionen spielen in den USA eine große Rolle. So kommen zum Beispiel die Rentiere eigentlich aus Skandinavien und Mistelzweige am Türrahmen aus England. Auch das Konzept des Weihnachtsmarktes wurde in den USA begeistert aufgenommen.:

In allen großen Städten in den USA gibt es zurzeit deutsche Weihnachtsmärkte und die sind sehr sehr gut besucht.

"Die Erschaffung einer Kerze, das ist wie eine Geburt"

Weihnachtsmärkte sind auch in Deutschland gut besucht.  Zum Beispiel der in der Leipziger Innenstadt. Geöffnet seit Ende November, lockt er täglich tausende Besucher an. Ruhe und Besinnlichkeit bleiben dabei oft auf der Strecke. Wer nach Alternativen sucht, sollte den Weihnachtsmarkt am Connewitzer Kreuz besuchen. Dort gibt es vor allem Handwerk und Kunst zu bestaunen, außerdem selbst gemachten Glühwein und eine entspannte Atmosphäre. Der Weihnachtsmarkt feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Ganz frei von Konsum ist er jedoch ebenfalls nicht. So erklärt eine Besucherin:

Es scheint nicht so kommerziell, aber auch da ändert es sich ein bisschen, es wird schon kommerzieller.

Die Besonderheit auf dem Connewitzer Weihnachtsmarkt ist die, dass die Besucher an den Ständen die Herstellungsprozesse der einzelnen Verkaufsobjekte mitverfolgen können. An fast jedem Stand zeigen die Besitzer, wie sie ihre Kunst oder ihr Handwerk erschaffen.

 

Alle Beiträge befinden sich in den folgenden Streams:

Robert Herrmann im Gespräch mit Moderatorin Lily Meyer
Studiogespräch mit Weihnachtsmann Robert Herrmann
Feature über Weihnachtsbräuche von Anna Hofer
Feature über amerikanisierte Weihnachtsbräuche
Ein Rundgang über den Weihnachtsmarkt am Kreuz von Elisabeth Leisker
Reportage Connewitzer Kreuz
 

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