Biodiversität

Mangroven: Neues Wundermittel?

Der Leipziger Forscher Jeprianto Manurung hat eine mögliche Alternative zu Antibiotika in den Mangrovenwäldern Indonesiens entdeckt. Aus den Wurzeln zweier besonderer Arten lässt sich ein antibakterieller Arzneistoff gewinnen.
Mangroven zählen zu den produktivsten Ökosystemen der Erde.

Der Leipziger Doktorand Jeprianto Manurung forscht seit Jahren an Mangrovenbäumen in Indonesien. Seine letzte Forschungsreise endete mit einer neuen Entdeckung. Im vergangenen Jahr forschte Manurung über vier Monate im indonesischen Archipel im Auftrag des Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Leipzig (iDiv ). Gefördert wird Manurung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Ein Fünftel aller Mangrovenbestände findet sich in Indonesien. Seit Jahrhunderten nutzt die lokale Bevölkerung die Wurzeln und Blätter des Baumes zu medizinischen Zwecken. Manurung kommt selbst aus Indonesien. Er untersuchte an 24 verschiedenen Orten zwei spezielle Arten von Mangroven: die Lumnitzera littorea und die Lumnitzera racemosa. Dabei interessierten ihn deren genetische Vielfalt, ihr Vorkommen und ihre potenzielle medizinische Wirkung. Er fand schließlich eine antibakterielle Stoffverbindung, die sich aus den Wurzeln der Bäume gewinnen lässt.

Ein aufwendiges Verfahren

Manurung forschte über Monate hinweg am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle (Saale). Er extrahierte mithilfe eines Chromatogramms und einer Methanol-Lösung den möglichen Wirkstoff aus den Wurzeln der Bäume. Anschließend testete er, ob die Substanz zwei weit verbreitete Bakterienstämme abtöten kann. Dies gelang tatsächlich: Um die  Bakterien abzutöten, sind 500 Mikrogramm pro Milliliter der Substanz erforderlich.

Im Interview mit mephisto 97.6 erklärt Jeprianto Manurung detailliert, wie er die Blätter und Wurzeln der Mangroven aufbereitet.
Audiotake iDiv Manurung III

Kampfansage an Antibiotika-Resistenz!?

Das Besondere: Manurung hofft, eine Alternative zu Antibiotika gefunden zu haben – ein möglicher Durchbruch im Kampf gegen die Resistenz von Antibiotika. Laut einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann bei steigender Antibiotika-Resistenz bis 2050 weltweit mit etwa zehn Millionen Todesfällen pro Jahr gerechnet werden.

Jeprianto Manurung beschreibt Ursachen der Antibiotika-Resistenz und wie seine Forschung helfen kann
Audiotake iDiv Manurung I

 

Mangroven – Meister der Bedeutsamkeit

Mangroven kommen in den Tropen und Subtropen vor. Viele Faktoren bedrohen jedoch deren Existenz: Menschen zerstören durch unerlaubte Abholzung die Mangrovenwälder, um Platz für neue Siedlungen und Infrastruktur zu schaffen, oder um das Holz weiterzuverarbeiten. Auch menschengemachte Öl- und Metallverschmutzung greifen in den ökologischen Kreislauf ein. Zudem erodieren die Böden oder Schädlinge befallen die Bäume. Nicht zuletzt ein steigender Meeresspiegel, hervorgerufen durch die Klimakrise, bringt die Bäume in Gefahr. Seit den 80er Jahren ist der Bestand in Indonesien laut Aussage der WWF um knapp 40% zurückgegangen.

Dabei sind Mangroven wertvoll für die Umwelt. Sie können sechsmal mehr CO2 speichern als tropische Regenwälder. Angelegt als natürliche Grenze am Ufer vieler Seen, bieten die Bäume einen wichtigen Schutz vor Überschwemmung. Sie beherbergen nicht nur unzählige Mikroorganismen, sondern sorgen auch für eine intakte Nahrungskette für Mensch und Tier. Traditionell werden Blätter der Mangroven in der Medizin genutzt: Gekochte Blätter helfen, verschiedene Krankheiten zu heilen.

Der Doktorand Manurung erläutert die verschiedenen medizinischen Verwendungsmöglichkeiten von Mangroven.
Audiotake iDiv Manurung II

Blick in die Zukunft

Manurung schreibt gerade an seinem Manuskript. Er müsse noch mehr Daten sammeln, um die Ergebnisse zu sichern. „Dann sollen die Forschungsergebnisse die breite Öffentlichkeit erreichen“, so der Forscher. Ein wünschenswertes Ziel sei die künstliche Herstellung des Wirkstoffs. Der Weg hierzu ist jedoch noch lang. Dafür muss die Substanz mehrere Tests durchlaufen, um überhaupt als Wirkstoffkandidat bei einem Arzneimittelprojekt infrage zu kommen.

Mit unseren Forschungsergebnissen können wir der lokalen Bevölkerung nun nahebringen, wie wichtig es ist, die Mangroven zu schützen.

  Jeprianto Manurung

Manurung ist derweil bemüht, auf den nötigen Schutz der Mangroven in Indonesien aufmerksam zu machen. Obwohl sie so wichtig für die lokale Bevölkerung und das Weltklima sind, sind die Mangroven in Indonesien noch nicht ausreichend geschützt. Häufig verhindere Korruption, dass die Behörden Schutzmaßnahmen durchsetzen können. Auch sei die Kommunikation innerhalb Indonesiens schwierig aufgrund der schlechten Infrastruktur, der verschiedenen Sprachen und Kulturen. Manurung beteuert, dass die Politik die Wissenschaft noch nicht ernst genug nehme. „Mit unseren Forschungsergebnissen können wir der lokalen Bevölkerung nun nahebringen, wie wichtig es ist, die Mangroven zu schützen“, erklärt er.

 

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