Café des Herzens

"Manche sind seit 6 Jahren dabei"

Ein Dach über dem Kopf, genug Kleidung im Schrank und ein warmes Essen auf dem Tisch – das ist selbst in Deutschland nicht für jeden selbstverständlich. Unterstützung bekommen Bedürftige von freiwilligen Helfern: in Leipzig im Café des Herzens.
Bis zu 150 Gäste zählt das Café des Herzens zu Hochtagen.

Jeder fünfte Mensch in Deutschland ist arm – das heißt, er lebt unter dem Existenzminimum und kann sich nicht einmal das Notwendigste leisten. Das Café des Herzens hier in Leipzig bietet Bedürftigen jedes Wochenende einen Platz zum Reden und Austauschen, eine warme Mahlzeit und Kaffee und Kuchen. Kostenlos.

"Omis und Opis, die mit jemandem reden wollen"

An diesem Sonntag ist der Tanzsaal in der Bornaischen Straße voll: Zwischen 60 und 70 Gäste sitzen an den Tischen. Vor allem Familien und ältere Menschen nutzen das Angebot des Café des Herzens – sie sitzen gemütlich beieinander, reden, essen. Dazwischen toben Kinder. Die meisten hier leben entweder von Hartz IV oder haben eine sehr geringe Rente – um im Café bewirtet zu werden, müssen sie einen Einkommensbescheid oder den Leipzig-Pass vorlegen.

Projektleiterin Sabine Glinkowksi weiß aber, dass viele nicht nur wegen des Essens kommen – sie suchen einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und über ihre Sorgen und Ängste sprechen können.

Sabine Glinkowski leitet seit 2001 das Café des Herzens.

"Jetzt im Café des Herzens sind viele Familien mit Kindern und viele alleinstehende Omis und Opis – sie suchen was zum Quatschen. Wir sind ja nicht nur zum Essen ausgeben da, sondern helfen auch bei Problemen."
Sabine Glinkowski, Projektleiterin Café des Herzens

Ich, der Kummerkasten

Die 63-jährige Projektleiterin steht mittendrin im Mittagstischgetümmel: Die kurzen blonden Haare sind von grauen Strähnen durchzogen, die orange-farbene Schürze trägt Flecken – aber Sabine Glinkowski strahlt über beide Ohren. Die Gäste im Café des Herzens sind ihre kleine Familie, sie kümmert sich nicht nur um Mittagessen für alle: Sabine Glinkowski hilft zum Beispiel auch beim Ausfüllen von Formularen für das Arbeitsamt, gibt jungen Müttern Erziehungstipps oder hilft, das eine oder andere Möbelstück anzuschaffen. Sie weiß, wie es ist, wenn man sich verloren fühlt.

"Ich war selbst mal in einem Loch und weiß, wie das ist, wenn man keine Hilfe bekommt und wirklich auf fremde Hilfe angewiesen ist. Es wissen viele nicht, dass es dann einen Verein gibt, der sie unterstützt. Ich musste das auch lernen und warum soll ich das nicht den Leuten beibringen und ihnen weiterhelfen." Sabine Glinkowski, Projektleiterin Café des Herzens

Und auch wenn sie selbst gesundheitlich angeschlagen ist: Die Hilfe im Café ist eben eine Herzensangelegenheit für sie. Und die haben mehr nötig, als man meinen würde.

Viele Stammgäste

Seit 2001 betreibt Sabine Glinkowski die "kleine Schwester" des Restaurant des Herzens – und sie beobachtet eine erschreckende Entwicklung. Auch, wenn die Zahl der ausgegebenen Essen verhältnismäßig stabil bleibt und nur geringfüig schwankt: Über die Jahre haben sich feste Stammgäste etabliert. Das zeige, dass die Menschen auch nach Jahren immer noch nicht aus der Bedürftigkeit und Erwerbslosigkeit herausfinden würden, sagt Sabine Glinkowski.

Anja Diecke ist so ein Stammgast: Die 39-Jährige hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie von Hartz IV. Es reiche hinten und vorne nicht und deshalb käme sie seit gut zwei Jahren jedes Wochenende zu "Bine", wie sie Sabine Glinkowski nennt. Eine Freundin hatte sie damals mitgenommen und ihr das Café gezeigt. Für Anja Diecke ist das Café mehr als eine Essensausgabe.

"Mittlerweile ist das wie eine kleine Familie für mich. Ich habe hier Freunde gefunden, ich habe Bine – sie gibt mir gute Ratschläge, was Behörden angeht und wenn ich mit den Kindern nicht weiter kann. Die Kinder haben ihre Freunde auch mittlerweile hier, der Kleine hat hier durch die Bine das Laufen gelernt. Das war richtig süß!" Anja Diecke, Gast im Café des Herzens

Sowohl die Gäste als auch Sabine Glinkowski wünschen sich, dass das Café auch unter der Woche angeboten werden könnte. Für die Projektleiterin ist das aber nicht möglich – zu nah ist schon das eigene Rentenalter. Trotzdem steht sie an jedem Wochenende mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht im Tanzsaal im Leipziger Süden, nimmt Kinder auf den Arm, macht ihre Runde und unterhält sich mit jedem. Denn: "Die Leute sollen einfach die Hoffnung nicht aufgeben."

mephisto 97.6-Reporterin Verena Ritter war im Café des Herzens und hat sich mit Helfern und Gästen unterhalten.
Café des Herzens.
 

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Das Café des Herzens wird seit 2001 betrieben. Es ist ein Ableger des Restaurants des Herzens, das es schon seit 1999 gibt.

 

Öffnungszeiten

Sa. und So. von 13 bis 16 Uhr
zwischen dem 16. August und dem 12. September ist das Café in der Sommerpause

 

Helfer gesucht!

Das Café des Herzens sucht dringend neue ehrenamtliche Helfer: Wer helfen möchte, kann sich entweder telefonisch unter 0341-21860 oder per E-Mail unter info@restaurant-des-herzens.de melden.