Das lange Interview mit Marvin Schlegel

"Man muss vom Schlimmsten ausgehen"

Wer an Hacker denkt, der denkt zuerst an leuchtende Bildschirme, spektakuläre Actionfilme oder geleakte Abhörskandale. Der Hacker Marvin Schlegel hat uns im langen Interview erklärt, was Hacking wirklich ist - und wie wir uns schützen können.
Marvin Schlegel und sein Laptop
Marvin Schlegel und sein Laptop

Wenn Marvin Schlegel und die anderen Hacker sich im Sublab treffen, geht es manchmal ganz schön hoch her. Denn in einem Hackerspace wie dem Sublab geht es nicht nur darum, dass Hacker sich treffen, um gemeinsam zu arbeiten, sondern vor allem um den Austausch – und der wird im Sublab auch gerne mal zur hitzigen Diskussion, bei Themen wie der Vorratsdatenspeicherung oder dem NSA-Skandal. Zwischendrin wird aber auch mal gekickert oder gekocht.

Für Marvin Schlegel hat das Sublab aber auch einen Bildungsauftrag. In Workshops und regelmäßigen Veranstaltungen, die für alle offen sind, wird auch Laien nähergebracht, was allein oft schwierig zu verstehen ist. So können die Leute in der "Techniksprechstunde" ihre kaputten Geräte mitbringen und lernen, sie selbst zu reparieren. "Wie in der Fahrradselbsthilfewerkstatt", sagt Schlegel.

Wenn jemand versucht, aus seinem alten Golf ein Boot zu bauen, ist das für mich ein Hacker.

 

Blick in die Sublab-Küche
Blick in die Sublab-Küche
Bei unserem Besuch im Sublab müssen wir schon bald feststellen, dass unser Bild vom Hacking schon längst überholt ist. Es geht nämlich gar nicht unbedingt nur um Computer und Datenbanken, vielmehr sei es ein Anspruch, findet Schlegel: Der Hacker will verstehen, wie die Dinge funktionieren. Und dann will er sie so modifizieren, wie es ihm passt. Unterschätzen solle man Hacker aber trotzdem nicht: "Die Macht, die den Menschen mit diesem Wissen zukommt, ist enorm", sagt Schlegel und verweist darauf, dass die Leute im Sublab deswegen auch gerne mal die digitale Welt meiden. Einen Wahl-Automaten für die Bundestagswahl hält er zum Beispiel für keine gute Idee, denn digitale Zahlen zu verdrehen sei viel leichter, als tausende Wahlhelfer zu bestechen. "Oder versuch mal, einen 50€-Schein zu fälschen!"

"Die Sache neu denken"

Als das Internet erfunden wurde, ging es vor allem darum, Informationen möglichst schnell zu transportieren. Was auf dem Transportweg mit der Information passieren kann, spielte damals noch keine große Rolle. Aber in einer vernetzten Welt werden Sicherheitslücken im Internet immer kritischer, zumal Geheimdienste wie die NSA so leichten Zugriff auf jedermanns Daten haben. Das zu ändern, versteht Schlegel als Auftrag an die Politik, aber auch an die Hacker – denn je mehr  verschlüsselte Nachrichten um die Welt gehen, um so schwerer sei es für die NSA, alles zu entschlüsseln.

Das lange Interview mit Marvin Schlegel, moderiert von Lisa Hofmann

Redaktion: Paul Hildebrand, Amy Wittenberg

Das lange Interview mit Marvin Schlegel
 

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Amy Wittenberg
26.05.2015 - 07:58