CD der Woche

Mal verloren, jetzt nur noch am gammeln

Für alle die sich schon immer mal gefragt haben, wie das klingt, wenn die zwei komischen Kerle von der Dorftanke Musik machen, gibt es jetzt die Antwort: Sego mischen die Musikszene mit verschrobenem Indiepop auf.
Sego
Sego besteht aus Spencer P. und Thomas C.

Den meisten Menschen wird der US-amerikanische Bundesstaat Utah wahrscheinlich allerhöchstens aufgrund seiner Rolle als Mormonenhochburg ein Begriff sein. Das Staatsfossil von Utah ist übrigens der Allosaurus und die Staatsblume ist die so genannte „Sego lily“. Von der hat übrigens auch die Band „Sego“ ihren Namen. Mit „Once was lost now just hanging around“ bringen die jetzt ihr erstes Album in die Läden. 

 

Sego besteht aus den beiden Jugendfreunden Spencer Petersen und Thomas Carroll. Die haben laut eigener Aussage schon in der fünften Klasse gewusst, dass die zusammen Musik machen wollen. Deshalb haben die damals beschlossen, dass einer von ihnen in der Schulband Schlagzeug lernen muss und der andere den Bass im Schulorchester. Um herauszufinden wer was bekommt, haben die dann einfach eine Münze geworfen, Petersen bekam den Bass und Carroll die Drums. Als die beiden dann erwachsen geworden waren, zog es sie in die weite Welt. In Los Angeles bezogen sie eine Proberaumgemeinschaft mit dem Namen „The Cube“, der zur Hälfte Industriepark und zur Hälfte Hippiekommune ist. Dort wurde dann am Tag Zement und in der Nacht Musik gemischt. In dieser Atmosphäre schrieb Spencer auch den Großteil der Songs auf „Once was lost now just hanging around“.

50% Gitarren und Synthies, 50% abgefahrener Scheiß

„Once was lost now just hanging around“ hört sich ein bisschen wie ein musikalischer Baukasten an. Bei vielen Songs verkroch sich Spencer in ihr Studio im Cube, fing mit einem Schlagzeugloop an und kam mit einem Sego-Song wieder raus. Genau dieses minimalistische, rohe zeichnet „Once was lost now just hanging around“ auch aus. Jedoch hören sich die Songs dabei durchaus durchdacht an und man entdeckt bei jedem hinhören irgendetwas Neues. Der Song „False Currency“ etwa kommt mit einem schon beinahe progressiv anmutenden Gitarrenriff um die Ecke und weiß mit einem treibenden Rhythmus und ein paar gut platzierten Synthesizer Melodien zu überzeugen. Viele der Songs haben einen erzählenden Charakter, wobei Sego mit ihrem verschrobenen Humor an Bands wie Primus erinnern. So singt Spencer im Song „Micky Macali“ davon, was er mondänes anstellen würde, wenn er reich wäre:

If I had a swimmingpool i would let you swim in it. If I had a Beachhouse I would lend you the Keys for it.

Der Song Stars hört sich dagegen schon richtig poppig an, was nicht zuletzt der lockeren Gitarrenmelodie liegt die regelrecht über dem Song zu schweben scheint. Die Songs auf „Once was lost now just hanging around“ sind auch alle samt recht tanzbar, auch wenn die Kompositionen und die Texte den meisten Klubs wohl zu abgefahren wären.

Fazit

„Once was lost now just hanging around“ ist ein guter Mix aus relativ simplen und tanzbaren Loops und einer Portion schrulliger, amerikanischer Hillbilly Attitüde. Wenn man sich das Album hört, fühlt es sich teilweise so an, als würde man von den beiden Jungs von „Sego“ gerade mitten in der Nacht per Anhalter mitgenommen werden. Mal macht man dann mit den beiden ein paar Witze, mal redet man einfach nur Müll und mal sieht es wohl ein bisschen so aus wie die Autofahrt am Anfang des Filmes Fear and Loathing in Las Vegas. Aber eins kann man auf jeden Fall sagen, wenn man zu Hause ist: und zwar, dass es irgendwie schon ganz geil war.

 

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Heinrich Jakunin
09.05.2016 - 11:09
  Kultur

Sego: Once lost now just hanging around

Tracklist:

1. Obscene Dream

2. False Currency*

3. 20 Years Tall

4. Stars*

5. The Fringe

6. Day Job

7. Micky Macali*

8. Engineer Amnesia

9. Fool Around

10. Once was lost now just hanging around

11. Proper Noises

12. Wicket Youth

13. Where i belong

 

*Anspieltpps

Erscheinungsdatum: 06.05.2016
Dine Alone Records