Die Kolumne

Make Leipzig sexy again!

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Marisa Becker über langweilige Einkaufsmöglichkeiten, eine peinliche Türpolitik und Helene Fischer als Politikerin.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören: 

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker liest ihre Kolumne zum Freitag.
 

Leipzig hat angeblich die attraktivste Innenstadt aller deutschen Großstädte. Wissenschaftlich erwiesen in einer Studie! Stimmst du zu?

Zunächst einmal: Ja, Leipzigs Innenstadt macht schon was her. Die Alte Börse ist meiner Meinung nach die Audrey Hepburn unter den Bauten der Stadt. Elegant, spannend und geschichtsträchtig. Schließlich wurden hier über zweihundert Jahre lang die wichtigsten Geschäfte der Stadt abgewickelt. Abgesehen von der Alten Börse am Naschmarkt gibt es natürlich noch andere schöne Bauten. Das Alte Rathaus zum Beispiel. Dass Leipzigs Innenstadt die attraktivste Deutschlands ist, würde ich trotzdem anzweifeln. Schließlich ziehen sich viele Händler aus der Stadt zurück – in den Passagen steht einiges leer. Was vor allem Verfechter der veganen Ernährung ärgern dürfte: Veganz meldete im Dezember Insolvenz an. Seit Dienstag ist nun die Filiale in der Stadt geschlossen. Das macht die Innenstadt für mich noch ein bisschen uninteressanter. Generell fehlen der Stadt die kleinen, besonderen Geschäfte, die einen fesseln. Hier wird nur eine Filiale eines Großkonzerns neben die nächste gepackt. Ich fordere deshalb: Make Leipzig sexy again! Die Leipziger scheint das aber nicht zu stören. Schließlich waren siebzig Prozent der Studienteilnehmer aus Leipzig – und die gaben ihrer Stadt die Bestnote.

Und noch eine Auszeichnung: Conne Island und Institut für Zukunft gehören außerhalb Berlins zu den besten Techno- und Electro-Clubs. Bist du auch so zufrieden oder hast du Wünsche fürs Leipziger Nachtleben?

Kolumnistin Marisa Becker

Grundsätzlich feiere ich das Conne Island und das Ifz. Die Musik ist gut, die Stimmung ausgelassen und Stress hatte ich dort noch nie. Was mich aber wirklich stört, ist der Weg dorthin: Vorbei an den Türstehern, die gefühlt willkürlich irgendwelche Leute, die ihnen nicht passen, aussortieren. Das Ifz will zwar nicht mit dem Berghain verglichen werden – die Türpolitik a la Sven Marquardt scheinen sie aber nicht abzulehnen. Jemand hat mir neulich gesagt, im Ifz gäbe es einen ganzen Katalog mit Nicht-Reinkomm-Gründen. Und die Türsteher sind angewiesen, den anzuwenden: Nicht mehr als drei Jungs gleichzeitig. Keine Gruppen über sieben Personen. Früher war das wohl noch strenger – wurde aber aus ökonomischen Gründen gelockert. Also, worauf ich hinaus will: Das Feiern würde deutlich mehr Spaß machen, wenn man sich ums Reinkommen keine Sorgen machen müsste. Wenn man nicht in der Schlange steht und bei jedem, der abgewiesen wird, akribisch nach dem Grund sucht. Ihn dann doch nicht findet, und angespannt wie eine Stromleitung vor den Türstehern rumsteht. Man könnte ja die falschen Schuhe tragen.

Jetzt noch ein bisschen Politik: Donald Trump macht gerade Diplomatie mit der Brechstange. Und Martin Schulz wird zum Internet-Meme. Ist die Welt komplett verrückt?

Mit Martin Schulz scheint gerade das Gleiche zu passieren wie mit Trump während seines Wahlkampfs: Er wird von seinen Befürwortern unglaublich gehyped, während seine Gegner jedes noch so kleine dreckige Bisschen seiner Vergangenheit rauskramen. Sogar der Hashtag ist fast der gleiche: Statt #MAGA heißt es bei Schulz #MEGA – Make Europe Great Again. Was bei Trump das „Grab them by the Pussy“ war, ist bei Schulz der Alkoholismus. Trump wurde gewählt, die Amerikaner deswegen für verrückt erklärt. Ob Schulz gewählt wird, zeigt sich zwar erst im September. Aber ich glaube nicht, dass wir Deutschen uns mit dem Label „bekloppt“ anfreunden müssen, sollte Angie tatsächlich abdanken. Schließlich hatet die Welt gerade unglaublich über Trumps Einreiseverbot ab – dass in Deutschland de facto eine ähnliche Politik gefahren wird, scheint aber keinen zu interessieren. Und das, obwohl der Deal mit der Türkei ziemlich makaber ist. Hier wird also mit zweierlei Maß gemessen. Was ich damit sagen will: Ja, die Welt ist verrückt. Aber war sie das nicht schon immer?!

Und nächste Woche?

Lässt sich Helene Fischer vielleicht als Bundeskanzlerkandidatin für die FDP aufstellen. Damit bringt sie der Partei in der Sonntagsfrage endlich wieder zweistellige Prozentzahlen. Halten Sie für unrealistisch? Ich auch! Aber wie ich bereits sagte: Diese Welt ist verrückt.

 

Kommentare

2 Beitrag @ IFZ & Conne island

Hallo,
du hast den großen Fehler, den die Leute, die in den Club wollen, an der Tür machen sogar benannt, und bist trotzdem zu blind um ihn zu sehen.

"Vorbei an den Türstehern, die gefühlt willkürlich.."

"Wenn man nicht in der Schlange steht und bei jedem, der abgewiesen wird, akribisch nach dem Grund sucht. Ihn dann doch nicht findet, und angespannt wie eine Stromleitung vor den Türstehern rumsteht."

- Da ist er, der Fehler. Sei an der Tür doch verdammt nochmal einfach du selbst und benimm dich natürlich, du betrittst einen Freiraum. Wenn du die Freude auf den Clubbesuch auch so ausstrahlen würdest anstatt krampfhaft "gefühlt" zu Urteilen warum andere, die den gleichen Fehler wie du machen nicht eingelassen werden, würdest du merken, dass der Grund nicht an der Tür liegt (die macht einen tollen Job in beiden Clubs) sondern bei Gästen, die nicht in der Lage sind das einzige zu sein was man in Clubs wie dem IFZ und dem Conne Island von seinem Puplikum erwartet. Frei, Glücklich.. sich seiner selbst bewusst @ "Man könnte ja die falschen Schuhe tragen."
bitte nicht verwechseln mit Selbstüberschätzung @ " Nicht mehr als drei Jungs gleichzeitig. Keine Gruppen über sieben Personen."

Beste Grüße

Kommentieren

Marisa Becker
03.02.2017 - 15:51