Weltmännertag

"Männer, geht zum Arzt!"

Der Weltmännertag am 3. November soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. Doch braucht es überhaupt so etwas, wie einen Gesundheits-Männertag?
Stetoskop
Ab morgen finden die achten deutschen Kardiodiagnostik-Tage statt.

Sie pfeifen auf Vorsorge, trinken und rauchen zu viel und sterben früher als Frauen. Männer leben gefährlich, sind sich dessen aber nicht bewusst. Der "Männergesundheitstag" soll für diese Themen sensibilisieren. Ein Kommentar von mephisto 97.6-Redakteurin Birgit Raddatz: 

Birgit Raddatz zur Gesundheit von Männern.
 

Männer sterben im Durschnitt fünf Jahre früher als Frauen

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Zumindest wenn Mann dem Männergesundheitsbericht glauben möchte, der vergangenes Jahr erschienen ist. Besonders Verletzungen und Vergiftungen führen demnach zum frühen Tod bei Männern. 2012 schauten etwa 1400 Männer allein im Alter zwischen 45 und 54 Jahren zu tief in Glas, und starben an einer Leberzirrhose ausgelöst durch Alkohol. Das sind mehr als doppelt so viele Todesfälle als bei den Frauen. Schuld daran sei, laut Experten, die Peer-Group. Junge Männer wollen ihre Männlichkeit mit viel Alkohol unter ihresgleichen demonstrieren – und enden als einsame Schluckspechte. Mann könnte sagen: Um das starke Geschlecht ist es nicht gut bestellt.

Aber wer ist denn nun Schuld daran?

Gibt es überhaupt einen Schuldigen? Oder ist es nicht vielmehr der rollenkonform gelernte, nachlässige Umgang von Männern mit ihrer eigenen Gesundheit? Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen scheinen einfach nicht in ein Standardbild von Männlichkeit zu passen. Männer sind stark und durch nichts zu erschüttern. Und opfern so ihre eigene Gesundheit dem Männlichkeitswahn.

Insofern ist ein Männer-Gesundheitstag schon sinnvoll.

Aber wo bleibt der Tag für die Frauen?

A propos gefestigtes Rollenbild: Als kürzlich die Anti-Baby-Pille für Ihn erscheinen sollte, war der Aufschrei groß – besonders bei den Männern. Zu viele Nebenwirkungen und eine umständliche Anwendung der Pille wurden da bemängelt. Moment mal? Nebenwirkungen? Sollten da nicht vielmehr die Frauen laut aufschreien? Die Pille für die Frau gehört nämlich wie selbstverständlich zur gesellschaftlichen Norm dazu – was zählen da schon Lungenembolien, Schlaganfälle und Hormonstörungen als Begleiterscheinungen? Am heutigen internationalen Männertag sollten wir eines nicht vergessen: Die Gesundheit der Frauen wird durch gesellschaftlichen Konsens allzu oft aufs Spiel gesetzt. Einen eigenen Gesundheitstag bekommen Frauen jedoch nicht. Darüber beklagen sich aber nur die wenigsten Frauen – und noch weit weniger Männer. 

 

 

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Birgit Raddatz
03.11.2015 - 11:28