Rezension

Lost In Translation

Wenn man an chinesische Musik denkt, fällt einem erst mal lange gar nichts ein. Dann denkt man womöglich an bunte, reizüberflutende Videos, die man irgendwo aus dem Internet kennt. Damit machen Nova Heart mit ihrem Debutalbum jetzt Schluss.
Die Band Nova Heart beweist, dass gute Musik nicht immer hetero, männlich und europäisch sein muss.

Als wahrscheinlich jetzt schon international erfolgreichste Band Chinas bleibt die Musik dennoch auf dem Boden. Es geht um Liebe, Tanz, natürlich um Drogen und um Mann und Frau in der modernen Gesellschaft. Und so klingt es auch. Verletzungen und Ängste äußern sich nicht nur in den melancholischen Klängen und der düsteren Stimmung der Lieder des Debutalbums der Band, sondern auch in immer wieder auftauchenden Klängen und Schreien, die diese hypnotisierenden Melodien unterbrechen. Ganz anders als die sonst eher an Süßigkeiten erinnernde Musik, die man aus China kennt. Die rauchige Stimme der Sängerin klingt über diesen Tönen wie eine Scarlett Johansson in Lost In Translation. Teils lieblich, kindlich. Teils sehnsüchtig und verwirrt. Und dann wieder sexy, vulgär böse. Irgendwie angenehm, aber dann trifft es wieder so tief, dass es fies wird.

Das Geheime der Eingangstöne wird stets entweder durch elektronische Klänge verschärft, von der Stimme der Sängerin unterbrochen oder bis ins Extreme verzerrt. Ein Exzess und die Konsequenzen. Angenehm zu hören sind die Songs dabei trotzdem. Ob durch die liebliche Stimme, eine verspielte Melodie oder komisch wirkende Effekte, die Lieder versprühen eine gewisse Ruhe und Selbstgewissheit, indem sie das Böse nicht verstecken. Es wird natürlicher Bestandteil der Melodie und betört dabei umso mehr. Viel Gesang und Text ist dabei nicht nötig. Das eine oder andere Lied besteht fast nur aus Melodie, dann wieder ein überraschend auftauchender Refrain, der die Spannung löst. Oder ein paar Überbleibsel die an die chinesische Fernsehkultur erinnern: verrückt klingende Stimmen im off. Nichts erschreckt, aber alles überrascht. Obwohl sich das grundsätzliche Gefühl des Albums eher wiederholt, lebt das Album von den kleinen Veränderungen innerhalb der Lieder und langweilt nicht.

 

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Antonia Böhm
05.11.2015 - 18:33
  Kultur

Nova Heart: Nova Heart

Tracklist:

01. Drive to our end
02. Lackluster No. 
03. We are golden*
04. My Song 9*
05. No controversy 
06. Interlude 
07. Queen is dead 
08. Evil 
09. Starmaker 
10. Right wrong
11. Dancing barefoot*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 02.10.2015
Staatsakt

Nova Heart im Web 2.0:

 

Front-Sängerin Helen Fang ist schon jetzt ein großer Star. Das wissen auch die Kollegen von der Zeit. Die hatten die Möglichkeit, mit der Sängerin zu sprechen. Zum Interview geht's hier entlang.
 

Ein Hoch auf das Internet! Nova Heart haben in den letzten Jahren immer wieder Songs rausgehauen und sich ausprobiert. Treue Fans können die Entwicklung der Band einfach auf Soundcloud nachhören. Yeah!