Frisch Gepresst: Porridge Radio

Loopy Tunes

Die vierköpfige Band aus Brighton setzt mit ihrem zweiten Album „Every Bad“ ein düsteres Statement.
Porridge Radio
Porridge Radio

Zu sagen, dass man Porridge Radio in den letzten Jahren in der internationalen Indie-Rockszene ganz groß auf dem Schirm haben musste, wäre gelogen. Seit 2016 gab es (mit Ausnahme einer Weihnachtssingle im Jahr darauf) nichts mehr von der Band zu hören. Das hatte seinen Grund: Die Band arbeitete lange und intensiv am Nachfolger „Every Bad“, tourte ausgiebig und nutzte die Liveauftritte, um neue Songs zu schreiben und weiterzuentwickeln. Und das hat sich gelohnt, denn das neue Album ist eine Musterlösung für melancholischen, düsteren Indierock.

Round and round

Das Fundament der Platte sind die psychedelischen, einnehmenden Loops, die das Album dominieren. „Every Bad“ treibt die Repetition auf die absolute Spitze, ohne dabei beliebig oder einfallslos zu wirken. Instrumental spielen vor allem die verzerrten, sich immer wiederholenden Gitarrenriffs und die stets sauberen Drums eine tragende Rolle. Vor allem auf der treibenden Sehnsuchtshymne „Give/Take“ zeigt sich das besonders deutlich: Die erste Strophe besteht aus lediglich zwei Akkorden und Schlagzeug, schafft damit aber die Grundlage und den Platz für die extravaganten Vocals der Sängerin Diana Margolin. Gleichzeitig ist der auf den ersten Blick relativ simple Song aber auch ein Beispiel dafür, wie verhältnismäßig komplex Porridge-Radio-Songs werden können: Durch Synthesizer-Elemente und eine verspielte Basslinie entwickelt sich der Song ständig weiter, ohne an Spannung zu verlieren.

Die Band wagt im Sound keine allzu großen Experimente, sondern fokussiert sich darauf, eine Soundästhetik zu perfektionieren. Das heißt aber nicht, dass Porridge Radio stupide ein Tempo einschlagen. Das schunkelige „Circling“ unterscheidet sich von dem angsty, post-punkigen und intensiven „Long“. Wagt die Band aber mal kleinere Experimente, dann funktionieren diese meist mittelgut. „(Something)“ möchte ein verträumtes Postlude zum großartigen „Circling“ sein, verirrt sich aber in Soundtexturen und einem unnötigen Autotuneeinsatz.

Wortwörtlich poetisch

Ein besonderes Highlight der Platte ist aber Frontfrau Dana Margolin. Zum einen ist da ihre stets beeindruckende Gesangsstimme, die spielerisch zwischen purer Wut und scheinbarer Teilnahmslosigkeit hin- und herwechselt. Bestes Beispiel ist der zum Ende des Songs hin pompöse Opener „Born Confused“, in welchem Margolin fast zwei Minuten lang mantraartig die Zeile „Thank you for leaving me/Thank you for making me happy“ wiederholt und ihr Stimmeinsatz dabei langsam aber stetig immer intensiver wird.

Zum anderen sind auch die Texte Margolins beeindruckend. Sie tragen zum repetitiven Motiv der Platte bei, mit glasklaren, wortwörtlichen Mantras.

I am charming, I am sweet
And she will love me when she meets me
She will love me when she meets me
I am charming, I am sweet (Sweet)

Porridge Radio im Song "Sweet"

Außerdem überrascht Margolin mit poetisch verworrenen Bildern, die in ihrer Morbidität wie ein Albtraum wirken.

Oh, I'd like to sink down
With nephews, down, down where your head might explode
And the water's so dark that you can't feel your heart as it sinks

Porridge Radio im Song "Nephews"

Und auch im Gesamtbild überzeugt „Every Bad“. Bestes Beispiel hierfür ist die Diskrepanz zwischen dem ersten Track „Born Confused“ und dem Closer „Homecoming Song“ – zeichnet der Albumopener noch ein Bild von Orientierungs- und Planlosigkeit, ist der letzte Song voller Klarheit und Eindeutigkeit – die zugleich friedlich und bedrohlich wirkt.

Fazit

So düster, schmerzvoll und melancholisch die Texte Margolins oft sein mögen: „Every Bad“ macht an vielen Stellen richtig Spaß. Sei es wegen der unaufdringlich guten Loops, einer konsequenten Soundästhetik oder der tollen Stimme: Porridge Radio setzt mit der neuen Platte definitiv ein Statement – und zwar das einer Band, die genau weiß, was sie da tut. Spätestens jetzt sollte man Porridge Radio auf dem Schirm haben.

 

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Porridge Radio: Every Bad

Tracklist:

1. Born Confused

2. Sweet

3. Don't Ask Me Twice

4. Long

5. Nephews

6. Pop Song

7. Give/Take

8. Lilac

9. Circling

10. (Something)

11. Homecoming Song

Erscheinungsdatum: 13.03.2020
Secretly Canadian