Liebe in Zeiten von Corona

Lockdown und Liebe?

Social Distancing bestimmt gerade unseren Alltag. Besonders das Bedürfnis nach Nähe und sozialem Austausch ist davon betroffen, also kurzum, auch irgendwie die Liebe. Aber wie genau ist die Liebe von dem Virus betroffen?
Der Lockdown beeinflusst unser soziales Leben; auch die Liebe.

Um herauszufinden, wie Corona die Liebe beeinflusst, haben wir uns mit drei verschiedenen Paaren in Leipzig unterhalten. Eins ist in einer Fernbeziehung, das zweite Paar ist durch Corona zusammengezogen und das dritte Paar hat auch schon vor Corona zusammengewohnt. Sie haben uns erzähl, wie sich deren Beziehung durch Corona jeweils verändert hat.

Der Beitrag zum Nachhören:  

Ein Beitrag von Wiebke Drescher
Liebe_Wiebke    

Die Ungewissheit auf ein Wiedersehen

Meite ist seit 1,5 Jahren in einer Fernbeziehung nach Großbritannien. Schon vor Corona beruhte ihre Beziehung viel auf Telefonieren, Schreiben und Skypen und sie haben sich aller vier bis acht Wochen besucht, wodurch sich ihr Beziehungsalltag nicht wirklich verändert hat. Doch leider beeinflussen die auf nicht absehbare Zeit festgelegten Reisebeschränkungen ihr nächstes Wiedersehen. Und diese Ungewissheit, wann sie sich wiedersehen können, belastet schon sehr.

Communication Is Key

Das zweite Paar ist ebenfalls schon ca. 1,5 Jahre zusammen. Beide leben in Leipzig und haben sich durch die Ausgangsbeschränkungen dazu entschlossen, probeweise zusammenzuziehen. Da sie vorher viel mehr Freiraum und damit mehr Rückzugsmöglichkeiten hatten, gab es schon Bedenken, ob sie sich z.B. mehr streiten werden. Doch die Bedenken haben sich nicht bestätigt. Das Problem Rückzugsort wurde von den beiden gut kommuniziert, und im Allgemeinen hat sie die Situation sogar näher zusammengebracht.  

Der Ausgleich fehlt

Das Thema „Rückzugsort“ kam auch bei Vivien und Nico auf, die schon seit längerem in Leipzig zusammenwohnen. Vor Corona hatte das Paar eher einen getrennten Alltag, durch beispielsweise Uni, Arbeit und Hobbies. Da dies nun im Homeoffice stattfindet, verbringen sie viel mehr Zeit zusammen. Der positive Effekt ist, dass sie viel mehr miteinander reden. Dennoch führt der Mangel an einem Rückzugsort und Ausgleich zum Alltag zu kleinen Konflikten. Aber im Großen und Ganzen hat sich deren Beziehung nicht stark verändert.

Rückzugsorte sind besonders wichtig

Wir haben zudem die Paartherapeutin Sylvia Koschewski interviewt und wollten von ihr wissen, wie sich die Situation auf ihre Praxis ausgewirkt hat. Zum einen ist die Nachfrage angestiegen. Zum anderen sind Paare und Familien in Zeiten des Lockdowns erstmal im Vorteil zu Menschen, die allein sind. Sie erklärt das mit dem menschlichen Grundbedürfnis nach Nähe und einem sozialen Umfeld. Paare und Familien, die jetzt zusammen sind, können sich diese Nähe schenken. Dennoch liegt auch das Bedürfnis nach Individualität in der menschlichen Natur. Deshalb sind Rückzugsorte, an denen Menschen für sich allein sein können, genauso wichtig. Durch die Ausgangsbeschränkungen sind nun auch Paare und Familien auf engem Raum für längere Zeit zusammen, was das Bedürfnis nach einem Rückzugsort vor eine große Herausforderung stellt. Paaren empfiehlt sie deshalb Selbstreflexion („Was triggert mich gerade?“) und auch Kommunikation mit dem oder der Partner*in.  

Auf engem Raum gepresst, dass ist 'ne echte Herausforderung. Wir können nur sagen, also die Astronauten, die schaffen das auch. Und länger als wir. Also ist sicher auch immer ein bisschen eine Frage der Einstellung.

Sylvia Koschewski, Paartherapeutin

Da nun auch das Dating und das persönliche Treffen wegfällt, wird für Singles das soziale Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung, Wertschätzung, Zärtlichkeit und Sexualität etwas weniger befriedigt. Und das kann auch Einsamkeit hervorrufen. Sylvia Koschewski erwähnt, dass dabei Haustiere und der virtuelle Kontakt zu Freund*innen und Familie gut tun kann.

Selbst wenn der Hund nicht antwortet, oder die Katze. Aber einfach diese nonverbale Kommunikation: Ich streichle dich und du kommst angeschlichen. Das hilft Menschen ungemein weiter.

Sylvia Koschewski, Paartherapeutin

Also auch die kleinen Dinge sind es, die in solchen Zeiten helfen.

 

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Wiebke Drescher
11.05.2020 - 13:42