Fast Fashion

Live fast, die young?

In wenigen Wochen vom Laufsteg in den Laden - vom Prototyp zum Massenartikel. Wie kann Kleidung so preiswert sein, und was bedeutet das für unser Verständnis von Konsum und Nachhaltigkeit?
Mode ist kurzlebiger denn je, und mit Kleidungsgeschäften wie H&M und Primark wird das noch verstärkt: Fast Fashion

Wieviele Kleidungsstücke haben sie im Schrank - einhundert? Einhundertfünfzig? Laut Greenpeace kauft jeder Deutsche durchschnittlich sechzig bis siebzig Kleidungsstücke pro Jahr, wovon jedoch nur etwa die Hälfte regelmäßig getragen wird. Viel landet auf dem Müll: jährlich werden in Europa 5,8 Millionen Tonnen Kleidung weggeworfen, davon in Deutschland ca eine Million Tonnen. 

Fast Fashion - schnell und billig

Modehäuser wie H&M, Zara oder Primark sind das Sinnbild von schneller Mode: nach kürzester Zeit bieten sie Modelle ähnlich denen berühmter Designer zu deutlich niedrigeren Preisen an, ganz gemäß dem Quick-Response Ansatz. Und nicht nur das, innerhalb eines Jahres gibt es sechs bis acht neue Kollektionen - damit das Label als aktuell und relevant wahrgenommen wird-, Bestseller des eigenen Sortiments werden in sehr kurzer Zeit nachproduziert und immer wieder angeboten, bekannte Schnitte werden in immer neuen Farben angeboten. Die Abstände der Modetrends werden immer kürzer, ständig gibt es neue Impulse, gleichzeitg wird die Kleidung immer billiger.

Der schnelle Trendwechsel und die Tatsache, dass wir kaum noch etwas für unsere Kleidung bezahlen müssen, sorgt dafür, dass viele Kleidungsstücke nie getragen werden - Mode ist zum Wegwerfartikel mit schlechter Qualität geworden.

Doch wie ist es überhaupt möglich, dass Mode scheinbar nur noch zum Wegwerfen produziert wird, wie kann es sein, dass man für eine Hose nur acht Euro zahlen muss?

Um der Hose Willen die Augen verschließen?

Die Bilder aus Entwicklungsländern, in denen der Großteil unserer Kleidung inzwischen produziert wird, sind vielen bekannt: Näherinnen am Rande der Erschöpfung, eingestürzte Fabrikhallen. 

Die Konzepte der Fast Fashion-Läden unterstützen die Verschlechterung der Lage von Menschen in den Produktionsländern. Zwar ist die Textilindustrie in Entwicklungsländern eine Pionierindustrie, die auch andere Wirtschaftsunternehmen nach sich zieht, wodurch sich der Lebensstandart heben kann. Nichtsdestotrotz leben viele der Näherinnen am Existenzminimum, müssen mit ihrer Gesundheit und zum Teil ihrem Leben bezahlen, damit in den Industrieländern immer mehr konsumiert werden kann.

fast fashion 2

Und auch der Umwelt schadet das schnelllebige Modesystem. Der Rohstoff Baumwolle ist stark Pestizid-belastet, in zahlreichen der billigen Kleidungsstücke werden Rückstände von umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien gefunden - und die in der Produktion verwendeten Chemikalien gelangen in unsere Ökosysteme.

Alternativen

Von nachhaltig produzierter Mode, Upcycling-Konzepten (Designer verwenden ausrangierte Kleidung und Stoffreste und kreieren neue Mode) bis hin zu Tauschbörsen - es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Schritt aus der Fast Fashion in Richtung "Entschleunigung" des Kleidungskonsums zu machen.

 

 

 

 

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Paula Kittelmann
07.04.2016 - 13:09

Unter Fast Fashion versteht man schnelles Kopieren von Laufstegmodellen und Trends: nur kurze Zeit, nachdem Designer ihre neuen Ideen bei Fashion Weeks präsentieren, gibt es die Mode schon in den Läden - und noch dazu viel billiger. Auch das Konzept der zahlreichen Kollektionen und schnelle Auslieferungstermine immer neuer Kleidung, was Modehäuser wie H&M, Zara, ASOS.com ud Forever21 vertreten, zählt dazu.

Dem entgegen steht Slow Fashion, ein Konzept, bei dem man sich für nachhaltige, bewusste und entschleunigte Mode entscheidet.